Das Erbe von Zaha Hadid: So prägen ihre Bauwerke die Architekturwelt

Skeptiker bezeichneten ihre Entwürfe als bautechnisch unrealistisch – jedenfalls bevor Zaha Hadids außergewöhnliche Karriere begann. Mit dynamischen Formen überwand die „Königin der Kurven" die starren Paradigmen der konventionellen Baukunst und bereicherte mit ihrem Büro Zaha Hadid Architects internationale Metropolen um architektonische Wahrzeichen.

Feuerwache von Zaha Hadid: Bauwerk zwischen Fantasie und Funktionalität

Nach einem Großbrand auf dem Vitra-Campus in Weil am Rhein plante das Schweizer Designunternehmen eine Betriebsfeuerwehr.

Der Entwurf dafür stammte von Zaha Hadid und läutete ihre bemerkenswerte Laufbahn ein.

Wie eine in Stein gegossene Skulptur zementiert die Feuerwache den Kontrast zu den benachbarten Hallen. Schräg schneiden sich die Betonebenen und laufen in Richtung Haupteingang spitz zusammen. Diese architektonische Experimentierfreude betont Zaha Hadid im Innenbereich durch den Verzicht auf Farben und rechte Winkel. So verdeutlicht die Feuerwache ihre frühesten Versuche, fantasievolle Konzepte in funktionale Architektur zu übersetzen. Heute nutzt Vitra die Räume für Veranstaltungen und Ausstellungen.

Die Feuerwache in Weil am Rhein von Zaha Hadid. Quelle: Dezeen / YouTube

MAXXI Museum in Rom: Futuristischer Kulturtempel für die „Ewige Stadt“

Ende der 1990er Jahre hatte Zaha Hadid ihre schwungvolle Handschrift bereits gefunden und setzte sich bei einem internationalen Wettbewerb des italienischen Kulturministeriums gegen namhafte Konkurrenten durch. Im beschaulichen Flaminio-Viertel von Rom sollte auf dem ehemaligen Kasernengelände Montello eines der weltweit größten Museen für moderne Kunst entstehen. Mit dem MAXXI (Museo nazionale delle arti del XXI secolo) bereicherte Zaha Hadid die „Ewige Stadt“ um ein eigenständiges Kunstwerk.

Als optischer Gegenpol zur vertikalen Bauweise des alten Quartiers fließt der hellgraue Sichtbeton des L-förmigen Gebäudes förmlich in die Horizontale. Die alten Militärbaracken wurden in die komplexen Formen des rund 29.000 Quadratmeter großen Neubaus integriert. Die geschwungenen Bereiche und verflochtenen Ebenen führen die Besucher immer wieder auf unerwartete Wege. Freischwebende Stege durchkreuzen das weiträumige Foyer und offenbaren von der obersten Ebene einen Blick in die Tiefe.

Nach zehnjähriger Bauzeit öffnete das Museum für zeitgenössische Kunst 2010 mit fünf Ausstellungen.

Impressionen aus dem MAXXI Museum in Rom. Quelle: Franco Di Capua / YouTube

Heydar Aliyev Center: Ein Kulturzentrum wächst zur Gebäudelandschaft

Ebenfalls für einen Wettbewerb entwarf Zaha Hadid im Jahr 2007 das Heydar Aliyev Center in Baku als neues Kulturzentrum von Aserbaidschan. Der skulpturale Bau, der seit seiner Eröffnung in 2012 unter anderem ein Nationalmuseum, eine Bibliothek sowie mehrere Konzert- und Konferenzsäle beherbergt, bricht bewusst mit der Formsprache der umliegenden Architektur.

Um die bautechnisch herausfordernde Konstruktion des Bauwerks mit Wellen, Wölbungen und Falten zu realisieren, kombinierten die Ingenieure den Betonbaukörper mit einem Raumfachwerk, dessen spezielles Gitterrahmensystem mit glasfaserverstärkten Beton- und Kunststoffplatten bedeckt ist.

Am Tag ändert die lichtreflektierende Hülle ihre Erscheinung je nach Sonnenstand und Blickwinkel. Bei nächtlicher Beleuchtung gewährt das Zentrum durch großflächig verglaste Bereiche der Fassade Einblicke ins Innere.

Eindrücke aus dem Heydar Aliyev Cultural Center. Quelle: Expo 2025 Baku Azerbaijan / YouTube

Riverside Museum in Glasgow: Neubau am Hafen fließt in die Stadt

Auch das Riverside Museum of Transport in Glasgow bettet sich dynamisch in die Umgebung ein. Am Ufer der Flüsse Clyde und Kelvin schmiegt sich das Bauwerk in den Hafen und verknüpft die Gewässer wie eine Schleife mit der Stadtseite. An den Enden öffnet sich die metallische Hülle der ineinander verschränkten Dachform mit raumhohen Glasfronten.

Von außen sind die Ausstellungsflächen trotz dieser transparenten Elemente kaum einsehbar. Die Hügel und Täler der Dachkonstruktion verändern ihre Erscheinung je nach Perspektive von sanften Wellen zu zackigen Kanten. 2011 wurde das Riverside Museum als Zaha Hadids erstes Bauwerk in Großbritannien fertiggestellt.

Zaha Hadid Bauwerke stehen überall auf der Welt: Hier das Riverside Museum in Glasgow

One Thousand Museum: Luxus-Wolkenkratzer öffnet in Miami

Auch nach ihrem überraschenden Tod im Jahr 2016 wächst das Erbe der Architektur-Koryphäe weiter. Eines der jüngsten Zaha-Hadid-Bauwerke und ihr erster Wolkenkratzer auf der westlichen Hemisphäre ist das One Thousand Museum in Miami. Anders als der Name vermuten lässt, hat Zaha Hadid hier keinen neuen Kulturtempel entworfen, sondern eine exklusive Wohnanlage am Biscayne Boulevard Nr. 1000, die sich 210 Meter in die Höhe türmt.

Die außenliegende Tragstruktur formt einen gerippten Korpus mit verschlungenen Linien, die an den Körper eines Skorpions erinnern. Diese Assoziation brachte dem markanten Bau auch sein Synonym als „Scorpion Tower" ein. Die dahinterliegende Glasfassade springt an vielen Stellen zurück und schafft für jede Wohneinheit einzelne Balkone. Die insgesamt 83 Wohneinheiten auf den 62 Stockwerken bieten außergewöhnlichen Luxus. Neben einer Pool-Landschaft krönt ein Wohn-Hubschrauberlandeplatz das außergewöhnliche Bauprojekt, das erst in diesem Jahr final abgeschlossen werden soll.

Das One Thousand Museum in Miami. Quelle: The B1M / YouTube

Rund um den Globus bereichert Zaha Hadid die Architekturwelt bis heute um neue Bauwerke.

In den Jahren ihrer Schaffenszeit hat sie ihren fließenden Stil zunehmend perfektioniert – übrigens auch bei ihren unzähligen Möbel- und Interior-Design-Entwürfen.

Haben Sie ein Lieblingsbauwerk von Zaha Hadid? Schreiben Sie uns, welche Entwürfe der bekannten Architektin Sie bis heute beeindrucken.

Architektur Design
Kommentare
MZ
Matthias Zimmer 09.07.2019  |  20:31
Antworten

2003 war ich mit den Gira-Aktiv-Partnern, die mich leider nicht mehr als neues Mitglied wieder aufnehmen wollen, in Innsbruck. Die Bergiselschanze wurde meines Wissens von ihr gebaut. Die Besonderheit ist, dass diese Schanze komplett freitragend ist. Wenn man hanz oben steht, pfeift einem der Wind um die Ohren…

GR
G-Pulse Redaktion 12.07.2019  |  8:13

Hallo Herr Zimmer,
Sie haben recht – an dieser Schanze war Zaha Hadid auch beteiligt. Auch ein sehr erstaunliches Bauwerk.
Falls wir uns das mit Ihrer Gira Aktiv Partnerschaft noch einmal genauer anschauen sollen, schreiben Sie uns gerne eine E-Mail an redaktion@g-pulse.de .
Viele Grüße
Ihre G-Pulse Redaktion

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SO
Simone Orlik 09.07.2019  |  16:36
Antworten

Wir sind gerade in den Dolomiten in Südtirol und wollen nächste Tage das Messner Museum MMM Corones auf dem 2275 hoch gelegenen Kronenplatz besuchen, das von Zaha Hadid entworfen wurde. Ich könnte mir vorstellen, dass dies zu meinen Favoriten wird. 

GR
G-Pulse Redaktion 12.07.2019  |  8:16

Hallo Simone,
schön, wenn auch unsere Autoren kommentieren:) Dieses Museum ist mit Sicherheit auch sehr spannend! Vielleicht möchtest Du uns ja ein paar Bilder zukommen lassen:) Viel Spaß und einen schönen Urlaub!
Liebe Grüße
die G-Pulse Redaktion

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Kommentare (2)

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