Ob Alt- oder Neubau: Mit dem Gira X1 wird Ihr Zuhause smart

G-Pulse Redaktion: Herr Gremlica, Sie sind Produktmanager bei Gira. Zuletzt haben Sie den X1 entworfen, der bei der BAU im Januar vorgestellt wurde. Was zeichnet dieses Produkt aus?

Gremlica:  Der X1 ist der einfache und kostengünstige Weg für ein intelligentes Zuhause mit einem KNX System. Der X1 kann alles, was im Einfamilienhaus praktisch ist: Licht ein- und ausschalten, Lichtszenen abrufen, Jalousien herauf- bzw. herunterfahren sowie die Wohlfühltemperatur einstellen – und das alles komfortabel auf Knopfdruck. Denn neben dem Server gibt es auch die dazugehörige App – ein Herzstück des neuen Systems. Mit ihr werden mobile Geräte zu komfortablen Bedienelementen der intelligenten Gebäudetechnik. Die X1-App ist für iOS und Android verfügbar und lässt sich sowohl auf Smartphones, als auch auf Tablets verwenden. 

Mit der App funktioniert die Bedienung nicht nur im Gebäude, sondern sogar aus der Ferne. So können Sie vergessene Lichter selbst von unterwegs ausschalten oder die Heizung schon auf dem Heimweg hochdrehen. Das erhöht nicht nur den Komfort zu Hause, sondern erhöht auch die Sicherheit.

G-Pulse Redaktion: Wie kam es zu diesem Produkt? Gab es eine Ursprungsidee?

Gremlica: Wir hatten bei Gira schon länger über die Entwicklung eines kleineren, kompakteren und einfacheren Systemservers nachgedacht. Unser Flaggschiff der Gira HomeServer ist für anspruchsvolle Lösungen konzipiert und in diesem Marktsegment sehr erfolgreich. Wir wollten eine einfache Lösung für Einfamilienhäuser anbieten – für die Ausstattung von Neubauten und das einfache Nachrüsten von Altbauten. Mit dem X1 kann jedes Zuhause zum Smart Home werden.

Gira Produktmanager Martin Gremlica im Interview über das neu entwickelte Produkt X1. Quelle: Gira

G-Pulse Redaktion: Wie lange hat die Umsetzung von der Idee bis zum fertigen Produkt in etwa gedauert?

Gremlica: Wir haben ca. ein Jahr gebraucht, um das erste Marktrelease fertigzustellen. Zeitlich vorteilhaft war, dass wir die bereits im Gira L1 entwickelte Logik (Logikeditor und die logic engine) im Gira X1 einsetzen konnten.

G-Pulse Redaktion:  Welches Gefühl ist es, das eigene Produkt fertig zu sehen?

Gremlica: Es ist großartig, das Produkt von Entstehung bis zu Markteinführung zu begleiten. Wir hatten sehr viel Spaß, die Vertriebe in den verschiedenen Ländern zu schulen und haben ein sehr gutes Feedback erhalten. Diese gute Resonanz spiegelt uns der Markt jetzt auch wider!

G-Pulse Redaktion: Inwiefern unterscheidet sich der X1 denn zum HomeServer? Welche Vorteile bietet er?

Gremlica: Es ist sachlich nicht richtig, diese beiden Produkte zu vergleichen, da sie für unterschiedliche Gebäudetypen designt wurden. Der HomeServer ist der Platzhirsch in Villen und gewerblichen Objekten in denen Systemintegratoren hohe Kundenansprüche mit diesem Produkt bedienen können. Hingegen ist der Gira X1 für Einfamilienhäuser oder gewerbliche Objekte ähnlicher Größe prädestiniert. In diesen Objekten braucht der Elektromeister ein Produkt mit dem er die gewünschten Funktionen sehr schnell und dabei intuitiv umsetzen kann.

G-Pulse Redaktion: Wie wird der X1 eingesetzt? Was ist bei der Installation zu beachten?

Gremlica: Der X1 macht die Automatisierung und Visualisierung eines Smart Homes so einfach, bequem und wirtschaftlich wie nie zuvor und lässt sich vom Elektromeister schnell installieren und parametrieren. Unserer Erfahrung nach ist jedes Objekt anders – und jeder Bauherr auch. Entsprechend wird der X1 mit einigen vorgefertigten Funktionen geliefert, mit denen sich ein Smart Home sehr einfach konfigurieren lässt: das ist zum Beispiel die Steuerung der Jalousien, der Heizung und Lüftung, der Türen, Fenster und Kameras, und auch die Beleuchtung lässt sich steuern oder schon zu einzelnen Lichtszenarien zusammenfassen. Mit seinen 35 Logikbausteinen lassen sich zudem individuell umfangreiche Logikfunktionen für die Gebäudeautomatisierung umsetzen –beispielsweise sonnenstandabhängige Beschattung. 

G-Pulse Redaktion: Ist es denn auch möglich, Produkte verschiedener Hersteller damit zu vernetzen?

Gremlica: Ja, das ist möglich. Voraussetzung hierfür ist, dass die Geräte den KNX Standard folgen, den es seit über 20 Jahren gibt. Dann sind die Geräte kompatibel und unsere Server können diese in das Smart Home einbinden und steuern – sowohl der HomeServer als auch der X1 würden das neue Gerät mit den vom Hersteller angebotenen Funktionen steuern und es vollumfänglich in alle Logikroutinen Ihres Hauses integrieren. Der große Vorteil ist, dass das KNX System einen Standard bildet in dem sich viele Hersteller einbinden lassen – so ist man zum Beispiel als Besitzer eines Smart Homes vor Produktabkündigungen oder gar Unternehmensauflösungen geschützt. Im KNX-Standard kann nahezu jedes Gerät ersetzt werden, weil es mehrere Hersteller und Anbieter gibt.

Gira X1 – schnell installiert, einfach bedient

G-Pulse Redaktion: Haben Sie den X1 auch selbst eingebaut? Wie smart ist Ihr eigenes Zuhause?

Gremlica: Ehrlich gesagt, bin ich da wohl der Typ „Nerd“. Ich habe vor nicht allzu langer Zeit selbst gebaut. Ich bin gelernter Elektroingenieur und habe während des Studiums gelegentlich auf dem Bau gearbeitet, daher konnte ich zusammen mit meinem Vater vieles selbst bauen. Die Elektrik habe ich beispielsweise komplett selbst installiert und da sind vom HomeServer bis zum X1 so ziemlich alle Geräte und Anwendungen aus dem Gira Programm dabei.

Die meisten Bauteile sind bei mir steuerbar –  von den Solarmodulen bis zur Heizung und der Lüftung. Die Wetterstation auf dem Dach gibt mir einen Alarm, wenn Regen aufzieht und die Dachfenster geöffnet sind. So kann ich direkt darauf reagieren und auf Knopfdruck die gewünschten Funktionen auslösen. Das Haus ist für mich ein unendliches Experiment, an dem ich fortlaufend weiter herumschraube. Es ist aber auch die Basis für meine Arbeit bei der Produktentwicklung: So weiß ich aus eigener Erfahrung genau, wovon ich spreche und kann selbst sehen, was gut läuft und was optimiert werden kann. Dementsprechend bin ich gerne bei jedem Feldtest dabei, den wir bei Gira durchführen.

G-Pulse Redaktion: Aus welchen Gründen würden Sie einem Freund smarte Lösungen empfehlen und welche im Speziellen?

Gremlica: Dabei kommt es vor allem darauf an, um was für ein Objekt es sich handelt. Beim Neubau würde ich raten, auf den KNX Standard zu setzen. Dabei könnte man sogar in zwei Stufen vorgehen. Zuerst die wichtigsten Funktionen errichten und zum späteren Zeitpunkt die Komfort-Funktionen nachrüsten. Somit würde man sich den Wunsch nach Smart Home nicht verbauen. Bei der Nachrüstung von Objekten, in denen man nicht die Wände aufstemmen möchte, um neue Leitungen zu verlegen, rate ich zu Funksystemen

G-Pulse Redaktion: Welche Trends sehen Sie im Bereich Smart Home?

Gremlica: Zwei Aspekte werden weiterhin wichtig sein, mit denen wir uns weiter beschäftigen werden: Komfort und Sicherheit. Das Thema Sicherheit überwiegt zurzeit, da bekommen wir die meisten Nachfragen. In diesem Jahr sind daher noch ein paar Anwendungen für den X1 geplant, zum Beispiel die Möglichkeit, verschiedene Anwesenheitssimulationen einzustellen. Stellen Sie sich vor, Sie sind im Urlaub und können auf Knopfdruck aus der Ferne das Licht einschalten, ein Fenster kippen und die Musik anmachen – so dass Ihr Haus auch während Ihrer Abwesenheit bewohnt wirkt und so nicht zur Zielscheibe von Einbrechern wird. Auch die Polizei rät inzwischen zu solchen Szenarien, denn statistisch wird in gut ausgeleuchteten bzw. scheinbar bewohnten Objekten deutlich weniger eingebrochen.

G-Pulse Redaktion: Sicherheit im Smart Home ist ja ein Aspekt den vielen Menschen mit Skepsis betrachten – so wie das Thema Datenschutz. Wie steht Gira dazu und wie haben Sie es beim X1 gelöst?

Gremlica: Beide Themen sind uns bei Gira extrem wichtig. Der X1 besitzt jetzt ein ellenlanges und geräteindividuelles Passwort. Das wird auf das Gerät aufgedruckt, wie man es zum Beispiel von WLAN-Routern kennt. Zusätzlich haben wir den X1 mit einem OpenVPN ausgestattet, um die externe Steuerung und den Datenaustausch mit allen mobilen Geräten des Anwenders so sicher wie nur möglich zu machen. Die gesamte Kommunikation ist jetzt TLS-verschlüsselt, das kennt man als Standard vom Online-Banking. Das ist aktuell eines der sichersten Systeme. Weitergehend werden wir in Kürze ein System vorstellen, das die Sicherheit und den Komfort ausgezeichnet beherrscht. Wichtig ist, dass nicht nur die Server sicher sind, sondern das gesamte Netzwerk muss es sein. Dazu haben wir Checklisten erstellt, die den einrichtenden Elektromeister Punkt für Punkt anleiten sollen, um eine umfassende Datensicherheit herzustellen.

G-Pulse Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch und die interessanten Einblicke in die Produktentwicklung des X1.

Haben Sie bereits Erfahrungen mit dem Gira X1 oder anderen smarten Lösungen? Wir freuen uns über Ihren Kommentar.

Automatisierung Gebäudetechnik Innovation Smart Home

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