Dämmen mit Stroh: Das sind die Vorteile des nachhaltigen Materials

Schon früher lagerte Stroh nicht nur auf dem Feld und in der Scheune, sondern auch auf Dachböden, um das Wohnhaus nach oben hin zu dämmen. Seit kurzem lebt der natürliche Rohstoff als umweltfreundliche und kostengünstige Alternative zu synthetischen Dämmstoffen wieder auf.

Traditionsreiche Bautechnik mit modernen Vorzügen

Die Bautechnik für Strohhäuser entstand bereits Ende des 19. Jahrhunderts in den USA. Heute kann nahezu jedes Fachwerkhaus und selbst ein gewöhnliches Fertigteilhaus mit Stroh gedämmt werden. Die getrockneten Pflanzenhalme werden in Form einer Einblasdämmung, als dicht gepresste Ballen oder Platten verbaut. Neben Innenräumen und Dächern eignet sich der Werkstoff auch für Fußbodenkonstruktionen oder zum Auffüllen von Hohlräumen an Fenstern und Türen. Für ökologische Baukonzepte und die energetische Sanierung bringt das Nebenprodukt aus der Landwirtschaft von Natur aus viele Vorteile mit. Insbesondere wenn Sie Ihre Energiekosten senken möchten, ist eine Wärmedämmung mit Stroh eine Überlegung wert.

Sparen Sie Heizkosten im Strohhaus

Durch die hohe Wärmespeicherkapazität müssen Sie ein Strohhaus praktisch kaum beheizen. Da das natürliche Material hervorragend isoliert, hält es den Wohnraum im Winter schön warm und im Sommer angenehm kühl. Mit lehmverputzten Strohwänden ist es sogar möglich, den Standard eines Passivhauses zu erreichen, das höchstens 15 Kilowattstunden (kWh) Heizwärme pro Quadratmeter und Jahr verbrauchen darf. Um die Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) zu erfüllen, setzt das Dämmen mit Stroh allerdings eine Wanddicke von mindestens 28 Zentimetern voraus, was bei der Innendämmung eine Verkleinerung der Wohnfläche bedeuten kann. Im Gegenzug wirkt sich ein massiver Wandaufbau mit hoch komprimierten Strohballen auch positiv auf den Schallschutz aus. Generell gilt: Je dicker die Strohschicht, desto höher der Schutz vor äußeren Einflüssen wie Lärm, Kälte und Hitze.

So wird ein Strohhaus gebaut. Quelle: Strohhaus Rohbau / YouTube

Bauen und dämmen mit Stroh: Das sollten Sie wissen

Da das natürliche Material diffusionsoffen ist, begünstigt es zudem eine natürliche Feuchtigkeitsregulierung für ein wohngesundes Raumklima. Allerdings muss das Stroh gut vor externer Witterung und Nässe geschützt werden, da sonst die Gefahr von Schimmelbildung besteht. Mit einem Putz aus Lehm und Kalk im Innen- sowie Außenbereich ist die Stroh-Dämmung hermetisch abgedichtet und vor Umwelteinflüssen geschützt. Auch hinsichtlich des Brandschutzes erfüllt Stroh alle baubehördlichen Anforderungen und ist in Deutschland als Dämmstoff zugelassen. Durch die starke Kompression fehlt der notwendige Sauerstoff zum Entflammen. Mit einem professionellen Wandaufbau ist sogar die Brandschutzklasse F90 möglich, was einer Mindestfeuerwiderstandszeit von 90 Minuten entspricht.

Klimafreundlich vom Feld bis zur Entsorgung

Neben dem Wohnklima überzeugt ein Strohhaus auch durch seine positive Ökobilanz. Stroh wächst jedes Jahr nach, ist klimaneutral und regional verfügbar, wodurch keine langen Transportwege anfallen. Zudem wird das Stroh „pur“ verbaut, enthält keinerlei chemischen Zusätze und erfordert in der Herstellung nur wenig Primärenergie. Der natürliche Rohstoff vermeidet aber nicht nur Treibhausgase, sondern speichert auch CO2 in seiner Wachstumsphase. So tragen Sie mit einem Strohhaus auf doppelte Weise zum Umwelt- und Klimaschutz bei.

Ein Haus mit Wärmedämmung mit Stroh

Nachhaltiges Leuchtturmprojekt: Autarkes Strohhaus ist 40 Jahre klimaneutral

Warum Stroh als Dämmstoff für moderne Bauprojekte wieder interessant wird, zeigt seit 2017 ein Mehrfamilienhauses in Verden. Gut 40 Jahre lang wird das fünfgeschossige Strohhaus kein CO2 verursachen und damit klimaneutral sein. Neben erneuerbaren Energiequellen, einem Solarstrom- und Wärmespeicher sowie einem Energieverbund mit zwei benachbarten Häusern gehört die Wärmedämmung mit Stroh zum ökologischen Gesamtkonzept. Die Zwischenräume der tragenden Holzkonstruktion sind mit Strohballen gedämmt, außen mit Kalk und innen mit Lehm verputzt. Auf diese Weise ist der Primärenergiebedarf des Wohnhauses sehr gering.

Eine Pelletheizung, Photovoltaik- und Solarthermie-Anlage produzieren die notwendige Restenergie für sechs Haushalte, wobei gut die Hälfte des erzeugten Stroms ins öffentliche Netz eingespeist werden kann. Insofern das pflanzliche Dämmmaterial gut abgedichtet ist, gibt es für das moderne Strohhaus nahezu kein Verfallsdatum.

Für die lange Haltbarkeit spricht das weltweit älteste selbsttragende Strohballenhaus, das seit 1903 in der Kleinstadt Alliance in Nebraska steht.

Es gibt also viele gute Gründe, ein Strohhaus zu bauen. Der natürliche Rohstoff bringt hervorragende Dämmeigenschaften mit, ist wohngesund und nachhaltig.

 

Ist ein Strohhaus auch für Sie eine Überlegung wert? Schreiben Sie uns, ob und warum Sie das natürliche Material anderen Dämmstoffen vorziehen würden.

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