Architektur für Widerstand

Die Installationen, Fotos und Bildbearbeitungen des 1965 in Gijón geborenen Spaniers Dionisio Gonzàles scheinen immer von der Frage getrieben zu sein, wo uns unser Weg hinführt. Soziale Konstrukte sind oft Grundlage für seine Architektur. In einer anderen Reihe von Bildbearbeitungen, „Favelas“ aus dem Jahr 2004/07, konstruiert er die titelgebenden Armenviertel um; ordnet ihre Bestandteile weniger willkürlich an. 

Und auch Projekt „Architektur für Widerstand“ wurde maßgeblich von einem gewissen Frust inspiriert. Unerbittlich bauen Menschen in manchen Regionen dieser Erde Mal um Mal ihre Dörfer auf, nur damit sie die Natur wieder und wieder niederreißt. Welche Strukturen würden zum Beispiel den Wirbelstürmen am Golf von Mexiko trotzen? Im folgenden Clip können Sie einen interessanten, kurzen Blick hinter die Kulissen seiner Ausstellung werfen.

Hinter den Kulissen der Ausstellung

Quelle: Vimeo / Ivorypress

Wohnhäuser der Zukunft

Die Bilder des Künstlers könnten Kulisse für utopische oder dystopische Fiktion sein. Beton und Stahl – für den alltäglichen Blick scheinbar wahllos miteinander verbunden, oft in organisch anmutenden Formen. Doch seine Architektur orientiert sich an der Frage: „Was wäre, wenn ...?“. Chaos und Hoffnung geben sich die Klinke in die Hand und die Architektur ahmt die Natur nach – nur, um ihr zu trotzen.

„dauphin island“ – stilsicher durch die Katastrophe(n)

Die erste Reihe der Solo-Ausstellung von Dionisio Gonzàles zeigt, wie der Titel schon nahelegt, überwiegend Gebäude am Strand und teilweise im Wasser, die jeder Naturgewalt trotzen. Dieser Trotz zeigt sich am deutlichsten an einem Turm des Architekten. Dieser erinnert ein wenig an einen Jenga-Turm. Die einzelnen Segmente sind versetzt zueinander gestapelt.

Das Projekt „dauphin island“, Quelle: Dionisio Gonzàles

Der Fuß des Turms steht bereits im Wasser – der betont lange Zugang beginnt schon am Strand. Selbst haushohe Wellen würde das Gebäude zwar umspülen, aber es nicht einreißen.

Ein weiteres Objekt der Reihe ist ein Einfamilienhaus, das aussieht als wäre es vom Meer angespültes Strandgut. Betrachtet man das Gebäude jedoch einen Moment länger, wird einem klar, dass dieses kapselähnliche Gebilde das reinste Bollwerk gegen die Natur ist.

Wenn Architektur und Natur verschmelzen

trans-actions“, ist deutlich surrealistischer und vor allem dystopischer als „dauphin island“. Die Architektur ist hier lediglich die Verlängerung der Umgebung. 

Ein Gebäude mutet wie ein außerirdisches Insekt an, das sich mit seinen sechs seltsam verdrehten Beinchen nur schwer aufrecht halten kann, während es mit dem spiralförmigen Fortsatz (die Treppe) in den Boden bohrt. Bei vielen anderen Entwürfen scheint das Gebäude, schon von Bäumen und Natur zurückerobert worden zu sein. Holzgestrüpp wickelt sich um die Fassade – oder ist es gar die Fassade selbst?

 Konsekutiv dazu, gibt es auch die Reihe „trans-actions“, die den gleichen Ansatz verfolgt, dabei jedoch wesentlich farbenfroher und generell verspielter daherkommt. Die bunten Klötzchengebilde wirken fast wie ein Tetris-Spiel im Riesenformat. Aber wo würden solche Gebilde besser hinpassen, wenn nicht im Bereich der futuristischen Architektur.

Kannten Sie Dionisio Gonzàles bereits? Oder haben Sie einen ganz anderen Favoriten für das Thema zukunftsweisender Architektur? Wir sind gespannt auf Ihre Kommentare.

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