Vegan bauen & wohnen: So gelingt ein Zuhause ohne Tierprodukte

Aktuell ernähren sich 2 Prozent der Bevölkerung in Deutschland vegan – das ergab der Forsa Ernährungsreport im vergangenen Jahr. Dabei denken allerdings die Wenigsten über Lebensmittel, Kosmetik und Kleidung hinaus. Doch eine konsequent vegane Lebensweise umfasst auch die Bereiche Bauen und Wohnen: In Möbeln und Baustoffen stecken nämlich überraschend oft tierische Komponenten. Leider sind die Produkte nicht immer als vegan gekennzeichnet. Wie erklären Ihnen, wie Sie sich dennoch einen Überblick veschaffen können.

Bauen ohne Tierleid: Welche Baustoffe sind vegan?

Mit welchen Baustoffen können Sie nun aber guten Gewissens Ihr Eigenheim errichten, wenn doch so viele konventionelle Materialien tierische Zusätze aufweisen? Aufgrund unzureichender Produkt-Kennzeichungen empfehlen wir, nach Möglichkeit auf natürliche Rohstoffe zurückzugreifen, bei denen Sie sicher sein können, dass sie vegan sind. Alternativ kommen aktuell vereinzelt auch synthetische Baustoffe auf den Markt, die explizit als vegan ausgewiesen werden.

Hier stellen wir Ihnen eine kleine Auswahl an Baumaterialien vor, die für veganes Bauen in Frage kommen:

  • Holz: Nicht nur wegen seiner ansprechenden Optik zählt Holz zu den absoluten Klassikern beim Hausbau. Besonders für Anbauten wie Wintergarten oder Gaube ist der vegane Baustoff dabei wunderbar geeignet.
  • Lehm: Der älteste Baustoff der Welt kommt fast überall vor und punktet neben vielen weiteren Vorteilen mit seinem positiven Einfluss aufs Raumklima. Der Architekt Diébédo Francis Kéré verhilft dem ökologischen Baumaterial aktuell zu neuer Popularität – und erhielt dafür mit dem Pritzker-Preis vor Kurzem die wichtigste Auszeichnung seiner Branche.
Wohnsiedlung aus regionalen Materialien
  • Kork & Linoleum: Viele halten Linoleum für einen synthetischen Baustoff, doch tatsächlich besteht der Bodenbelag ausschließlich aus natürlichen Bestandteilen nicht-tierischen Ursprungs. Auch bei Kork handelt es sich um Natur pur: Der vegane Baustoff findet neben seinem Einsatz als schalldämmender Bodenbelag auch als Dämmstoff in Fassaden Verwendung.
  • Hanf: Hanf verfügt über hervorragende bauphysikalische Eigenschaften: So werden neben Dämmstoffen auch Bauplatten und Ziegel aus dem vielseitigen Rohstoff gefertigt.
  • Bambus: Auch Bambus erfreut sich in der Baubranche wachsender Beliebtheit: Mit seinen einzigartigen Materialeigenschaften und seiner individuellen Ästhetik bringt der „pflanzliche Stahl“ alles mit, um sich für veganes Bauen zu qualifizieren.
  • Veganer Putz: Das deutsche Unternehmen Sakret Sachsen hat im vergangenen Jahr einen vollständig veganen Putz auf den Markt gebracht – und sich hierfür gleich mal den „Innovator Award“ der Tierrechtsorganisation PETA gesichert. Neben dem gesamten Produktionsprozess werden selbst bei der Abfüllung bis hin zum Werbematerial keinerlei tierische Rohstoffe eingesetzt.
Aus Lehm gebaut - Doku über einen neuen alten Baustoff. Quelle: YouTube / Bayerischer Rundfunk

Nicht-vegane Baustoffe: Wo verstecken sich tierische Zutaten?

Veganismus ist als Thema in der Baubranche bislang nur wenig präsent. Wenn Sie in Ihrem Eigenheim vollständig auf tierische Zusätze verzichten möchten, ist daher Pionierarbeit gefragt: Ob bei der Produktion einzelner Baustoffe entsprechende Zutaten eingesetzt wurden, kann nämlich häufig erst durch Nachfrage beim Hersteller geklärt werden – und auch das ist aufgrund intransparenter Lieferketten mitunter gar nicht so einfach.

Grundsätzlich finden Tierprodukte in folgenden Bereichen des Hausbaus Anwendung:

  • Beton/Zement: Bei der Herstellung von Zement beziehungsweise Beton wird nicht selten Tiermehl aus Schlachtabfällen verwendet.
  • Klebstoffe: Klebstoffe, die beim Hausbau verwendet werden, enthalten häufig Knochenmehl, Milcheiweiß oder Gelatine.
  • Dämmmaterial: Zum Dämmen wird oft Schafwolle eingesetzt.
  • Wegen seiner wasserabweisenden Wirkung wird diversen Baustoffen auch Rindertalg oder Schweinefett beigemengt.
Rohbau Holzhaus direkt am See

Tierfreundliche Möbel & Innenausstattung: Wie können Sie vegan wohnen?

Nicht nur beim Hausbau, sondern auch bei der Einrichtung kommen häufig tierische Produkte zum Einsatz: Wollteppiche, Ledersofas, Daunenkissen und Seidenvorhänge sind dabei nur die offensichtlichsten Kandidaten. Doch auch an Stellen, an denen man es gar nicht erwarten würde, verbergen sich tierische Zutaten – zum Beispiel in Wandfarben oder verleimten Holzmöbeln.

Leider gibt es nach wie vor keine Deklarationspflicht für tierische Materialien in chemischen Werkstoffen.

Zum Glück kennzeichnen aber immer mehr Unternehmen ihre Produkte freiwillig als vegan. So können nach entsprechender Recherche vegane Wandfarben und tierfreundliche Möbel erworben werden.

Die angesagten Pappmöbel von Room in a Box zum Beispiel, sind nicht nur vollständig vegan, sondern auch sonst in jeder Hinsicht nachhaltig: Verglichen mit einem herkömmlichen Bett verbraucht ihr Bett 2.0 ganze 8000 Mal weniger Energie im Herstellungsprozess.

Vegane Möbel von Room in a Box
Wellpappe als Material für ein veganes Bett

Mit den praktischen Sofa-Modulen von Vetsak können Sie sich ganz einfach Ihre individuelle Traumcouch zusammenstellen – laut des Herstellers unglaublich bequem und vollständig vegan.

Eine stimmige Ergänzung zum Retrolook der Variante aus Cord-Velours bilden die veganen Schalterrahmen der beliebten Serie Gira Esprit aus Linoleum-Multiplex. Mit ihrem unverwechselbaren Charme sorgen Sie für warme Akzente an Ihren Wänden.


Designlinie Gira Esprit Linoleum-Multiplex +

Natürlich: Gira Esprit Linoleum-Multiplex Hellbraun

Die Designlinie Gira Esprit Linoleum-Multiplex harmoniert perfekt mit natürlichen Wohnstilen und minimalistischer Einrichtung.

Der Gira Esprit Linoleum-Multiplex fügt sich harmonisch in die naturnahe Einrichtung ein. Quelle: Gira

Veganer Haushalt: Darauf sollten Sie achten, wenn Sie tierleidfrei leben wollen

Nicht zuletzt ist es ratsam, auch bei alltäglichen Haushaltsprodukten einmal nachzusehen, wie es um deren Inhaltsstoffe bestellt ist: So sind nämlich in sehr vielen Wasch- und Putzmitteln Tenside tierischen Ursprungs enthalten – nicht zu vergessen die leidvollen Tierversuche, die meist Teil des Entwicklungsprozesses sind.

Das Münchner Start-up Everdrop setzt hier neue Maßstäbe: Seine umfangreiche Palette an Reinigungsprodukten ist nicht nur komplett vegan, sondern realisiert auch eine ganze Reihe nachhaltiger Innovationen: So werden die Waschmittel individuell auf die Wasserhärte an Ihrem Wohnort abgestimmt und die Putzmittel in Form umweltfreundlichen Tabs ausgeliefert – eine richtig smarte Idee, wie wir finden.

Veganes Voll- und Colorwaschmittel von Everdrop
Veganes Vollwaschmittel von Everdrop

Ein hundertprozentig veganer Lifestyle ist schwer umzusetzen: Nach wie vor stecken in vielen Produkten tierische Zusätze, ohne dass dies für uns als Verbraucher nachzuvollziehen ist – das gilt auch im Bereich veganes Bauen und Wohnen.

Doch das wachsende Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Tierwohl trägt dazu bei, dass immer mehr Unternehmen nach Alternativen suchen: Veganes Bauen und Wohnen ist ein Trend, der bleibt. Es lohnt sich also, am Thema dranzubleiben.

Wie stehen Sie zum Thema vegan bauen und wohnen? Wir freuen uns auf Ihren Kommentar.

Hausbau Hausplanung Nachhaltigkeit
Kommentare

Starten Sie die Diskussion über diesen Artikel

Das wird Sie auch interessieren