Smart City: Unsere Stadt soll smarter werden

Wie soll eine Smart City funktionieren? Städteplanung, die dem kommenden Wachstum entgegen treten will, muss neue, effiziente Lösungen für die Infrastruktur finden.

Urbaner Wandel im Vormarsch

Um das Jahr 1800 lebten gerade einmal zwei Prozent der Weltbevölkerung in Städten. Zur Jahrtausendwende schon knapp die Hälfte und für 2050 sagt die UN einen Anstieg auf drei Viertel voraus. Dass große Menschenmengen auf kleinem Raum mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben, weiß jeder, der schon einmal im Feierabendverkehr steckte – ob auf der Straße oder in der U-Bahn. Aber es gibt Probleme, die für den Städter auf Anhieb nicht immer so offensichtlich sind: Der hohe Ressourcenverbrauch, der Müll, die Emissionen, das Abwasser…

Nachhaltige digitale Gesellschaft

Die Suche danach hat man mit dem Begriff "Smart Cities" etikettiert. In manchen deutschen Städten und Gemeinden werden heute schon Abfallgebühren nach Gewicht erhoben – ein Barcode oder ein RFID-Chip ordnet die Tonne einem Haushalt zu. Vor dem Leeren wird sie von einem Sensor in der Hebevorrichtung des Müllwagens gewogen.

Die Zahl solcher Sensoren und ihrer Verwandten, installiert in Ampeln, Stromzählern, Wasseruhren, Fahrkartenautomaten und anderen relevanten Geräten, wird für dieses Jahr weltweit auf 1,1 Milliarden geschätzt. 2017 sollen mehr als doppelt so viele Fühler ihre Ergebnisse verschicken.

Smart Cities entstehen derzeit vermehrt in Asien

Ziel: Höherer Lebensstandard auch in Millionenstädten

Durch Analyse all dieser Daten will man zum Beispiel den Verkehrsfluss besser regeln, was weniger Stress und weniger Emissionen erzeugt. Der Energiebedarf soll verringert werden, der Müll möglichst zu hundert Prozent wieder verwertet oder sogar in Energie verwandelt. Diese und weitere Maßnahmen sollen die Umweltbelastung minimieren und den Lebensstandard steigern, trotz wachsender Zahl der Stadtbewohner.

Solche Probleme will man natürlich nicht erst seit gestern lösen - neu ist die Integration von Informations- und Kommunikationstechnologie. Neu ist auch die vernetzte Betrachtungsweise, die nicht nur an einem Schräubchen drehen will. Denn es nützt dem Bürger wenig, wenn er mit dem Elektroauto aus dem Car-Sharing-Pool im Stau steht. Die Emissionen vor Ort mögen dann zwar gesunken sein, aber die Lebensqualität hat sich nicht verbessert.

Smart City: Keine einheitliche Lösung für die ganze Welt

Dabei ist klar, dass es nicht ein einziges Patentrezept geben kann. Was in Köln klappt, ist in Kuala Lumpur vielleicht zum Scheitern verurteilt und in Kansas City nie gefragt gewesen. Es leuchtet auch ein, dass sich die Prinzipien der Smart City am besten durchführen lassen, wenn die Stadt gerade neu gebaut wird. Im Umkehrschluss: Bei existierenden Städten ist der Aufwand ungleich höher. In Indien will man hundert Smart Cities bauen, die erste davon soll auf einem Areal in Delhi entstehen – schön und gut, aber was passiert im übrigen Delhi? Bleibt das "dumb"?

Und: Das eingangs erwähnte Wachstum werden vor allem Städte in Entwicklungsländern erfahren. Städte, bei denen ein Großteil der Bewohner, auch dank der Gleichgültigkeit der Stadtoberen, schon jetzt in kilometerweit ausgedehnten Ghettos armseliger Wellblechhütten hausen muss. Wie dort der Sprung zur Smart City gelingen soll, wird interessant sein zu beobachten.

Städte müssen sich überall den Herausforderungen des urbanen Wandels stellen. Dabei darf keine Einkommensklasse vergessen werden. Nachhaltiges Ressourcenmanagement funktioniert nur, wenn alle Bewohner einer Stadt mitmachen.

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Nachhaltigkeit Stadtplanung Vernetzung

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