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Vantablack vs. Black 2.0: Kann Schwarz schwärzer als schwarz sein?

Ein Schwarz zu kreieren, so schwarz wie ein schwarzes Loch, das gelang den Forscherinnen und Forschern von Surray NanoSystems: Vantablack, ein Schwarzton der 99,60 Prozent des Lichts frisst, war geboren. Ein Farbton, der allerdings nur der Wissenschaft gedacht war. Grund genug für den Briten Stuart Semple, einen zweiten tiefschwarzen Farbton zu entwickeln. Die ganze Black Story lesen Sie in diesem Artikel.

Wie alles begann ...

V.A.N.T.A. – Vertically Alligned Nanotube Array BLACK, also ein vertikal ausgerichtetes Nano-Röhren-Feld– das ist die Zauberformel für die dunkle Magie von Vantablack. Zugegeben, es ist Wissenschaft, aber betrachtet man die Eigenschaften von Vantaschwarz genauer, verwischen die Grenzen zwischen Wissenschaft und Kunst doch sehr stark.

Einfallendes Licht wird von der Beschichtung verschluckt, indem die Lichtstrahlen zwischen den Kohlenstoffnanoröhren hin- und her-, aber nicht mehr zurückgeworfen werden.

Die Fähigkeit des Sehens gründet darauf, dass Lichtstrahlen von unserer Umgebung reflektiert werden. Unser Gehirn interpretiert die Informationen, ergänzt sie gegebenenfalls. Das ist auch der Grund dafür, dass Sie Umrisse und Konturen erkennen, wenn Sie versuchen sich nachts unauffällig ins Ehebett zu schleichen. Sind Objekte nun mit Vantablack beschichtet verlieren sie diese Eigenschaft.

So schwarz ist Vantablack

Quelle: Surray NanoSystems

Die Vantablack-Züchtung

Um die Vantablack-Beschichtung zu züchten, wird ein Aluminiumträger mit einem Acetylen Substrat bedampft. Schicht für Schicht wird ein Katalysator aufgetragen. Der aufgetragene Beschleuniger filtert Infrarotstrahlung und sorgt unter anderem dafür, dass die sonst nötige Temperatur von 750°C auf 450°C abgesenkt werden kann. Andernfalls würde das Aluminium schmelzen bevor auch nur eine Nanoröhre gewachsen wäre. Wie widerstandsfähig das Material allerdings nach dem Verfahren ist, zeigt das Video eindrucksvoll.

Vantablack im Weltraum

Die Variante „Vanta S-VIS“ ist eine Nuance weniger absorbierend, lässt sich dafür aber aufsprühen. In dieser Form findet es aktuell in der Forschung seine Anwendung.

Vantablack-Hersteller Surray NanoSystems kooperiert mit dem in Berlin ansässigen Unternehmen Berlin Space Technologies, welches u.a. Komponenten für kleine Satelliten zur orbitalen Beobachtung und Vermessung unseres Planeten herstellt. Gemeinsam mit der Universität von Singapur wurde der Mikro-Satellit Kent Ridge 1 entwickelt und mit zwei Hyperspektral-Kameras bestückt. Diese erfassen nicht nur sichtbares Licht, sondern auch elektromagnetische Felder.

Auf diese Weise werden neue Ölquellen erschlossen und viele Naturwissenschaften mit Daten versorgt. Durch ungünstige Lichtverhältnisse können diese Daten jedoch verfälscht werden. Deswegen nutzt der Mikrosatellit eine Lackierung aus Vanta S-VIS. Das einfallende Licht wird von der Lackierung buchstäblich verschluckt und hat demnach kaum einen Einfluss auf die empfindlichen Messgeräte..

Quelle: Youtube, Surrey NanoSystems

Vanta 2.0

Bei einem erneuten Testlauf schöpfte das britische Wissenschaftler-Team bereits vor kurzem die nächste Generation des Vantaschwarz. Es absorbiert noch mehr Licht, wie viel ließ sich bisher noch nicht einmal mit dem Laborequipment messen. Ist es Surray NanoSystems gelungen ein Material zu erschaffen, dass tatsächlich jedes Licht frisst?

#ShareTheBlack: Streit um das „schwärzeste Schwarz“

Trotz aller Anwendungszwecke bleibt ein Kritikpunkt an Vantablack in der Kunstszene bestehen: „Tiefschwarz“ ist keine Farbe zum Malen. Entwickelt wurde der ungewöhnliche Farbton für die Wissenschaft und das Militär. Trotzdem sicherte sich der Bildhauer Anish Kapoor die Exklusivrechte für die Nutzung. Das führt in der Kunstszene zu großer Aufregung.

Zum einen, weil das Interesse an der UnFarbe Schwarz seit jeher groß ist – man erinnere sich an Goyas Schwarze Gemälde. Zum anderen kritisieren Künstler weltweit, die Monopolisierung von Farben. Ungeachtet dessen, ist das spezielle Gelb des Dudens markenrechtlich geschützt, ebenso das Telekom-Magenta. Auch das Ultramarin der Blue Man Group heißt eigentlich IKB (International Klein Blue), nach seinem ehemaligen Rechteinhaber, dem französischen Künstler Yves Klein.

Die Geburtsstunde von Black 2.0

Der britische Künstler Stuart Semple – bisweilen als künstlerischer Nachfolger von Andy Warhol bezeichnet – sieht sich besonders herausgefordert. Zusammen mit Farbchemikern und Kosmetikern auf der ganzen Welt, hat Stuart Semple Black 2.0 entwickelt. Diese Next-GenAcrylfarbe ist „nicht das schwärzeste Schwarz der Welt. Es ist trotzdem ein besseres Schwarz, weil es tatsächlich von Künstlern benutzt werden kann.

Black 2.0 ist ungiftig und so reich an Pigmenten, dass auch hier eine Schicht Farbe ausreichen soll, um Objekte fast all ihrer lichtreflektierenden Eigenschaften zu berauben. Laut Produktbeschreibung riecht es außerdem nach Schwarzkirschen. Auf Instagram finden sich unter #ShareTheBlack zahlreiche Künstler, die sein Black 2.0 in ihren Kunstwerken genutzt haben.

Schwarzes Schwarz – für fast Alle

Kaufen kann diesen Schwarzton jeder – mit Ausnahme von Anish Kapoor, dem Inhaber von Vantablack. Zum Ende des Bestellvorgangs erscheint folgender Text:

*Note: By adding this product to your cart you confirm that you are not Anish Kapoor, you are in no way affiliated to Anish Kapoor, you are not purchasing this item on behalf of Anish Kapoor or an associate of Anish Kapoor. To the best of your knowledge, information and belief this material will not make its way into the hands of Anish Kapoor.

Lust auf noch mehr Schwarz?

Sie können nicht genug von tiefem Schwarz bekommen? Hier können Sie einen Blick auf das dunkelste Gebäude der Welt werfen: Einen Pavillon, der vom britischen Architekten Asif Khan mit VantablackVBx2 für die Olympischen Spiele 2018 gestaltet wurde und einen Hauch von Weltraum nach Südkorea bringt.

Wenn wir Sie mit Vantablack faszinieren konnten, werfen Sie doch auch einen Blick auf transparentes Holz, in unserem Artikel Stark wie Holz – Klar wie Glas.

Diesen Artikel haben wir am 26.02.2018 aktualisiert.
vantablack
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Völlige, von Menschenhand geschaffene Schwärze: Faszinierend, erschreckend, oder faszinierend erschreckend? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare, schwarz auf weiß.

Farbe Fortschritt Innovation
Konrad Betz 14.11.2016  |  23:46

Faszinierend. Vielleicht lässt sich auf dieser technologischen Basis auch eine schallschluckende Beschichtung erschaffen.

Seb 27.11.2017  |  21:47

Wenn das Licht geschluckt wird und wo geht dss dessen Energie hin? Werden die Platten unter Lichteinfall sehr heiß oder könnte man die Energie nutzbar machen?

Kommentare (5)
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