G-Pulse Interview: Hans-Jörg Müller über Schalterdesign und Produktgestaltung

Spätestens, wenn man ein neues Haus bezieht oder renoviert und nach neuen Schaltern sucht, merkt man: Schalter sind nicht gleich Schalter. Unzählige Farben, Materialien und unterschiedliche Formen stehen zur Auswahl. Aber was zeichnet ein gutes Design generell aus? Wir haben dazu mit Hans-Jörg Müller, Leiter für Produkt und Design bei Gira, gesprochen. Im Interview gewährt uns der Experte Einblicke in die Produktgestaltung und verrät, was ihn bei seiner Arbeit inspiriert.

G-Pulse-Redaktion: Herr Müller, Sie sind Leiter für Produkt und Design bei Gira. Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus beziehungsweise gibt es überhaupt einen Alltag in Ihrem Beruf?

Müller: Im Bereich der Entwicklung und Design gibt es keinen wirklichen Alltag. Das macht den Bereich auch so spannend. Zu unseren wichtigsten Aufgaben gehört die Erstellung und ständige Weiterentwicklung unserer Roadmap. Wir haben eine klare Vision davon, wo wir mit Gira in den nächsten zwei, vier und sechs Jahren sein wollen. Dafür bin ich ständig im Austausch mit meinen Produktmanagern, die für einzelne Produkte und Projekte verantwortlich sind.

„Unsere tägliche Arbeit ist ein permanentes in Bewegung sein."

Es ist natürlich ein ständiger Abgleich mit dem Markt, anderen Branchen, mit Design und Technologie – und dabei werden auch Giras Stärken berücksichtigt. Insofern ist unsere tägliche Arbeit ein permanentes in Bewegung sein.

Porträtfoto Hans-Jörg Müller, Leiter für Produkt und Design bei Gira.
Hans-Jörg Müller, Leiter für Produkt und Design bei Gira. Quelle: Gira

G-Pulse-Redaktion: Was zeichnet Gira Produkte aus?

Müller: Einfachheit, Qualität und Langlebigkeit. Kunden schätzen, dass sie für unsere Produkte auch nach 10 bis 15 Jahren noch Ersatzteile bekommen, sollten diese benötigt werden. In der heutigen Zeit mit schnelllebigen Technologien und Entwicklungen ist da ja keine Selbstverständlichkeit mehr. Denken Sie mal an iPhones. Heute sind die ersten Modelle bereits total veraltet und an Ersatzteile nicht heranzukommen. Weiterhin zeichnet Gira Produkte das Design aus – gepaart mit Funktionalität. Viele der Gira Produkte sind ja auch mit Designpreisen ausgezeichnet.

„Auch Design-Originale müssen sich weiterentwickeln und dem sozialen Kontext anpassen.“

G-Pulse-Redaktion: Auf der diesjährigen imm cologne hat Gira gemeinsam mit anderen namhaften Einrichtungsunternehmen die Kampagne „Design-Originale“ gestartet. Die Gira Schalterserie E2 zählt bereits zu den Klassikern. Was zeichnet ein Design-Original denn aus?

Müller: Generell kann man sagen, dass das Design von solchen Originalen langlebig, integrationsfähig und nachhaltig ist. Aber auch Design-Originale müssen sich weiterentwickeln und dem sozialen Kontext anpassen. Sie können sich beispielsweise in ihren Farben, Materialien und Funktionen verändern. Der Gira E2 begeistert seit über zwei Jahrzehnten Architekten, Designer und Bauherren, entwickelt sich aber auch stetig weiter: So wird es ab Herbst auch eine neue Variante in Grau matt geben.

Was zeichnet ein Desig-Original aus? Podiumsdiskussion auf der imm 2020.

G-Pulse-Redaktion: Wie entscheiden Sie, welche Farben oder Oberflächen neu aufgenommen werden?

Müller: Wir beobachten Entwicklungen und Trends, setzen uns mit der Design- und Architekturwelt auseinander und pflegen den intensiven Austausch mit Architekten und Designern. Und dann ist es natürlich ein Stück weit Bauchgefühl. Die finale Entscheidung wird im Team getroffen, wobei Form und Haptik gleichermaßen berücksichtigt werden.

G-Pulse-Redaktion: Gibt es ein Material, mit dem Sie besonders gerne arbeiten?

Müller: Ich persönlich mag Kunststoff am liebsten, weil man damit formal am meisten machen kann: Ich kann eckige oder runde Formen damit umsetzen. Es ist ein schönes Material, langlebig und robust.

G-Pulse-Redaktion: Wo finden Sie Ihre Inspiration, was inspiriert Sie?

Müller: Wir beobachten natürlich die Designwelt und besuchen Messen wie die Möbel- und Einrichtungsmesse in Köln und lassen uns dort inspirieren.

„Man inspiriert sich von dem, was man in anderen Branchen sieht.“

Auch Keramik- und Sanitärmessen sind interessant. Design ist ja überall. Man inspiriert sich von dem, was man in anderen Branchen sieht. Das ist auch Bühnendesign, Mode, Filme. Man erkennt Strömungen – und die Strömung in den letzten Jahren war, dass alles erlaubt ist. Während in den 80er und 90er Jahre die Strömungen sehr homogen waren, werden heutzutage verschiedene Stile miteinander kombiniert.

Einrichtungsmessen 2019

„Der Schalter soll kein Eigenleben führen, sondern sich integrieren. Das ist unsere Philosophie.“

G-Pulse-Redaktion: Welche Trends sehen Sie in der Gestaltung von Schaltern?

Müller: Während Schalter in den 80erJahre noch sehr auffällig waren – so wie der Gira S-Color –, war alles, was danach kam, relativ zurückhaltend.

Das könnte man schon als „Gira-Weg“ bezeichnen. Der Schalter soll kein Eigenleben führen, sondern sich integrieren. Das ist unsere Philosophie.

Das basiert auch auf der Idee des alten Industriedesigns: Designs sollen einfach sein, nicht auffallen, funktional und langlebig sein – dafür muss man sich zurücknehmen. Und die Materialien müssen wertig sein. Das ist auch unseren Kunden wichtig. Das aktuelle Gira Sortiment passt in alle Einrichtungsstile. Neue Trendfarben greifen wir in unseren Designlinien auf wie beispielsweise Gira E2 neu in Grau matt oder Gira Esprit in Bronze – aber man muss auch nicht jeden Trend mitmachen.

Retro-Design: Das Schalterprogramm Gira S-Color in Rot
Die Schalter Designlinie Gira Esprit in Bronze

G-Pulse-Redaktion: Haben Sie selbst auch Gira Produkte bei sich zu Hause?

Müller: Ja, nur. Ich habe das Gira System 55 bei mir verbaut, nutze den Gira G1 und die Türkommunikation von Gira.

Und ich wechsle auch schon mal zwischen den verschiedenen Schalteroberflächen. Darauf sind die Produkte ja ausgelegt und das nutze ich auch. Die Vielfalt auszunutzen, macht mir Spaß.

G-Pulse-Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch!

Bedienzentrale Gira G1 im Wohnzimmer

Mehr Insights zum Thema Produktdesign und Entwicklung finden Sie auch in folgendem Artikel: Die Koexistenz von klassischen Schaltern und Smart-Home-Technik. Hans-Jörg Müller erklärt, wie auch andere Produktbereiche vom Design geprägt werden und welche Pläne Gira für die Zukunft hat.

Wenn Sie auch Ihr Zuhause technisch nachrüsten möchten, dann hilft Ihnen der Gira Home Assistant bei der Planung. In nur wenigen Schritten konfigurieren Sie smarte Technik ganz individuell nach Ihren Bedürfnissen und Ihrer Wohnsituation.

Welche Gira Produkte hätten Sie gerne in Ihrem Zuhause und welche haben Sie vielleicht schon? Teilen Sie uns Ihre Favoriten in den Kommentaren mit.

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