Pritzker-Preis 2020: Yvonne Farrell und Shelley McNamara gewinnen renommierten Architekturpreis

Sie seien ein „Leuchtfeuer“ und „Pioniere auf einem Gebiet, das traditionell ein von Männern dominierter Beruf war und ist“. So beschreibt die Jury des Pritzker-Preises 2020 die diesjährigen Gewinnerinnen Yvonne Farrell und Shelley McNamara. Die Auszeichnung der Grafton Architects-Gründerinnen ist in vielerlei Hinsicht ein starkes Signal für die internationale Architekturbranche.

Pritzker-Preis 2020 für zwei weibliche Vorbilder

Mit Yvonne Farrell und Shelley McNamara geht der Pritzker-Preis 2020 erstmals an ein Architekturbüro in Irland und an zwei starke Frauen, die mit einer „ausgeprägten Beobachtungsgabe“ Gebäude dazu bringen, auf eine Umgebung und eine Stadt zu reagieren.

Dieses Talent hob die achtköpfige Jury bei der Bekanntgabe der diesjährigen Gewinnerinnen am Dienstag, den 3. März, mehrfach hervor. Farrells und McNamaras Bauwerke seien „gute Nachbarn“, die versuchen, eine Stadt besser funktionieren zu lassen. „Die Dialoge, die sie zwischen Gebäuden und der Umgebung führen, zeigen eine neue Wertschätzung sowohl ihrer Werke als auch des Ortes“, heißt es in der Begründung der Jury.

Zwei Architektinnen, die Orte verbessern möchten

Yvonne Farrell und Shelley McNamara studierten beide in Dublin und gründeten hier 1978 ihr Büro „Grafton Architects“.

Yvonne Farrell und Shelley McNamara wurden mit dem Pritzker-Preis 2020 ausgezeichnet
Gemeinsam Großes erschaffen. Yvonne Farrell und Shelley McNamara wurden mit dem Pritzker-Preis 2020 ausgezeichnet. Quelle: Iwan Baan
Der UTEC Universitäts-Campus von Lima aus der Ferne.
Eine der bekanntesten Arbeiten der irischen Architektinnen: der UTEC Universitäts-Campus von Lima. Quelle: Iwan Baan
Mit ihren Arbeiten wollten sie sich der architektonischen Ödnis in Irland widersetzen. Denn gute Architektur schafft für Farrell und McNamara Orte, die durch einen klugen Umgang mit Licht und Raum, mit Material und Proportionen zu etwas Besonderem werden.

Dementsprechend sind die Entwürfe der beiden Baukünstlerinnen stets von einer gewissen Verbundenheit zum Ort geprägt. Wie Bildhauer formen sie vorzugsweise aus Stein und Beton geometrische Skulpturen, die keinem Selbstzweck dienen, sondern stets dem Menschen.

Preisgekrönte Bauwerke in mehr als 40 Jahren Grafton Architects

Neben Wohnhäusern und Kulturbauten zählen Bildungseinrichtungen zum Spezialgebiet von Grafton Architects. Vor allem in Irland haben Farrell und McNamara viele Universitäts- und Schulgebäude realisiert. Bei internationalen Ausschreibungen erhielten sie aber auch prestigeträchtige Aufträge in anderen Ländern wie etwa in Italien, Frankreich und Peru. So können die Pritzker-Preisträgerinnen nach 40 Jahren auf fast ebenso viele fertiggestellte Bauwerke und eine lange Liste an Architekturpreisen zurückblicken.

Ihre wohl bekanntesten Arbeiten sind die Universität Luigi Bocconi in Mailand, die das Royal Institute of British Architects (RIBA) 2008 zum „World’s Best Building“ ernannte, und der UTEC Universitäts-Campus von Lima, der 2016 ebenfalls mit einem RIBA International Prize ausgezeichnet wurde. Erst vor kurzem erhielten Farrell und McNamara eine RIBA Royal Gold Medal und damit die höchste Auszeichnung für Architektur in Großbritannien.

Seitenansicht der Universita Luigi Bocconi
Wie Bildhauer formen Yvonne Farrell und Shelley McNamara vorzugsweise aus Stein und Beton geometrische Skulpturen. Quelle: Federico Brunetti

Pritzker-Preis 2020 würdigt die Zusammenarbeit eines starken Duos

Seit Bestehen von Grafton Architects haben Farrell und McNamara auch konsequent bewiesen, dass es eine Bereicherung sein kann, im Team zu arbeiten, gleichberechtigt Ideen zu entwickeln und sich gegenseitig zu unterstützen. Diesen „Glauben an die Zusammenarbeit“ erkannte die Pritzker-Preisjury ebenso an wie die „Großzügigkeit gegenüber ihren Kollegen“, die Farrell und McNamara auch als Kuratorinnen der Architektur-Biennale 2018 in Venedig gezeigt hätten.

Als Pritzker-Preisträgerinnen treten Farrell und McNamara in die Fußstapfen namhafter, aber überwiegend männlicher Baumeister. Neben Zaha Hadid sowie Kazuyo Sejima, die den renommierten Award im Jahr 2010 zusammen mit ihrem Partner Ryue Nishizawa gewann, sind die Grafton-Gründerinnen bislang die einzigen Frauen in der Ahnengalerie der internationalen Auszeichnung.

Das Urban Institute of Ireland
University Campus UTEC in Lima
Town House Building, Kingston University

Renommierter Architekturpreis mit Tradition und internationaler Strahlkraft

Der Pritzker-Preis ist als „Nobelpreis der Architektur“ bekannt und traditionell mit 100.000 Dollar (rund 90.000 Euro) dotiert. Er wurde 1979 in Chicago von der Hyatt Foundation ins Leben gerufen und wird seither jährlich an zeitgenössische Architekten verliehen, die mit ihrer Baukunst bedeutende Beiträge für den Menschen und die Umwelt leisten.

2019 ging der Pritzker-Preis an Arata Isozaki, der als Japans einflussreichster Architekt der Nachkriegszeit gilt.

Zuvor konnten bereits Branchengrößen wie das Schweizer Duo Herzog & de Meuron, Norman Foster und der im letzten Jahr verstorbene I.M. Pei den begehrten Architekturpreis entgegennehmen.

Mit Farrell und McNamara verdoppelt sich die Zahl der weiblichen Preisträger nun auf einen Schlag. Somit ist der Pritzker-Preis 2020 nicht nur eine Auszeichnung für herausragende Leistungen der Baukunst, sondern auch ein Zeichen für Gleichstellung und Wertschätzung weiblicher Talente der Branche.

Kennen Sie weitere Bauwerke von Grafton Architects? Wir freuen uns auf Ihren Kommentar.

Architektenporträt Pritzker-Preis
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