Nachhaltiges Produktdesign aus Deutschland: Interview mit AKTTEM

Auf der imm Cologne geht es neben dem Begutachten der ausgestellten Kollektionen auch immer ums Netzwerken, ums Gewinnen neuer interessanter Kontakte. Ins Gespräch kam ich mit Verena Hennig, Gründerin des Designlabels AKTTEM, an ihrem Stand auf der Kölner Möbelmesse – es ist einer der Stände, der mir langfristig im Kopf geblieben ist. Grund genug, die junge Designerin im Nachgang der Messe um ein Interview zu bitten.

Liebe Verena, erzähl uns doch kurz etwas zu Deiner Person.

Mein Name ist Verena Hennig, ich bin Creative Director, Designerin & Unternehmerin. Ursprünglich habe ich Grafik-Design und Regie studiert, bevor ich mich in Richtung Produktdesign entwickelt habe.

Gemeinsam mit meinem Design Studio konzipiere und designe ich seit 2012, für Auftraggeber von Kultur bis Industrie, in den Bereichen Produkt- und Branddesign.

Zu meinen Kunden zählen beispielsweise Google, BMW, Deutsche Bahn, Puma, MINI, Marriott oder Dezeen.

Im Januar 2018 war es dann an der Zeit, meinen Ideen außerhalb des Kundenkontextes ein Zuhause und eine Plattform zu geben: Die Geburtsstunde meiner Produktmarke AKTTEM. Unter AKTTEM vertreibe ich seitdem meine Entwürfe von Möbeln, Leuchten und Home Accessoires auf dem internationalen Markt.

Dadurch ergibt sich eine Art „Work-Work-Balance“ zwischen Design Studio und Produktmarke, welche ich sehr genieße. Beide Welten profitieren sehr voneinander und bieten mir genug Freiraum, mich auszuprobieren.

AKKTEM Gründerin Verena Henning.

Ich war sehr angetan von den Produkten, die Du auf der imm präsentiert hast: Wie bist Du auf die Idee gekommen? Was hat Dich inspiriert?

Die Idee für die erste Produktlinie „Roll Collection“ entstand aus einer Installation, die ich damals 2015 für das Neue Museum in Nürnberg entwickelt hatte. Mein dortiges Projekt „The Line“ war eine 25 Meter lange Bank aus 80 Luftmatratzen, die den Besucher einlud, zu verweilen, zu relaxen, und das Museum in einem neuen Blickwinkel zu entdecken.

Einen Abend lang erkundeten über 3000 Menschen die Installation: Durch das fröhliche Auf und Ab, ähnlich wie bei einer Hüpfburg, hatte die lange Bank eine ganz eigene Dynamik entwickelt und das Publikum begeistert.

Besonders fasziniert war ich als Designerin von den Interaktionen zum Produkt zwischen den einzelnen Besuchern: „The Line“ diente hervorragend als Diskussionsgrundlage.

Die Nürnberger Installation war leider nur temporär ausgestellt, daher entstand die Idee, das Element der Kommunikation und Interaktion auf einen Alltagsgegenstand zu übertragen – meine „Roll Collection“ war geboren.

Eigentlich war es nicht mein ursprünglicher Plan, eine eigene Produktmarke zu launchen, allerdings entwickelte ich immer weiter Ideen für neue Produkte – für die ich dann einen Weg der Verbreitung finden musste. Der Erfolg der „Roll Collection“ ermöglichte es mir, schlussendlich meine Marke aufzubauen.

"Ich bin der Überzeugung, dass ein Produkt, das unseren Alltag erleichtert, bereichert und uns Freude bringt, seltener in der Mülltonne landet und so eine längere Lebensspanne erhält – das ist für mich gelebte Nachhaltigkeit."
 
 
Quelle: AKTTEM / YouTube

Wie hast Du Dein Interesse an Produktdesign entdeckt und was macht Design für Dich so faszinierend?

Design ist für mich eine Sprache, in der ich schon früh gelernt habe zu kommunizieren und die mir hilft, die Welt besser zu verstehen.

Im Produktdesign besteht das Alphabet unter anderem aus Konzept, Funktionalität, Form, Proportion, Farbe, und Material – Elemente, dich mich schon als Kind begeisterten; tagelang konnte ich mich damit auseinandersetzen, experimentieren, werkeln und designen. Heute ermöglicht mir Design außerdem, Menschen auf einer anderen Ebene zu erreichen.

Was zeichnet Deine Produkte aus? Was ist das Besondere daran?

Mein Streben bei einem Produkt ist ganz klar motiviert durch das interaktive Element, sozusagen das Erlebnis mit dem Design, allerdings schlägt nichts Funktion und Qualität. Ich bin nicht auf der Suche nach saisonalen Trends, mich begeistern eher langfristige Lösungsvorschläge, die funktionieren und Menschen gleichzeitig emotional berühren.

Wie lassen sich die Produkte am besten ins eigene Zuhause integrieren?

Der Ansatz von Langlebigkeit ist mir sehr wichtig – dieser bedingt zeitloses Design und einen hohen Anspruch an Qualität.

Durch diese Elemente gliedern sich die Produkte wunderbar in die unterschiedlichsten Wohnstile ein, zusätzlich bieten die sorgfältig ausgewählten Farbvarianten der jeweiligen Designs ein breites Anwendungsgebiet für Kunden.

Inwieweit sind Deine Ideen durch das Thema Nachhaltigkeit beeinflusst?

Es gibt viele unterschiedliche Bereiche in meinem Unternehmen, die ich versuche nachhaltig zu gestalten, angefangen vom Designprozess und der Materialwahl über das Design an sich bis hin zum Vertrieb. Selbst der Name AKTTEM beinhaltet einen Ansatz von Nachhaltigkeit.

„Der Name AKTTEM, setzt sich zusammen aus den Worten „aktiv“ und „item“ (Englisch für Gegenstand), alle Designs beinhalten ein interaktives Element und bedingen so eine funktionale und zugleich emotionale Ebene.“
Schwarze Stühle sind nur ein Teil der Roll Collection.
AKTTEM produziert nachhaltige Möbel und Accessoires auf dem internationalen Markt.
Das funktionale Tablett TRAY von AKTTEM passt sich bedarfsgerecht an.

Warum hast Du Dich dazu entschieden, Deine Produkte auf der imm Cologne zu präsentieren? Was macht das Event so besonders?

Ursprünglich hatte ich meine Startphase in London, damals kannte ich die Designbranche in der UK viel besser als die Deutsche – ich hatte zu diesem Zeitpunkt noch in London gearbeitet.

Schlussendlich habe ich mich dann mehr und mehr in den deutschen Markt eingearbeitet, die imm Cologne war für mich das etablierteste Event in Deutschland, daher fiel mir die Wahl nicht schwer.

Die Kölner Messe war auch retrospektiv eine kluge Entscheidung und hat meinem Label viel Aufwind gegeben.

Vielen Dank für das inspirierende Interview, Frau Hennig. Mehr zu AKTTEM finden Sie übrigens auch auf Instagram.

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