Nachhaltige Stadtentwicklung: Kopenhagen geht neue Wege

Die Stadtverwaltung Kopenhagen hat ein ambitioniertes Ziel: Sie will bis zum Jahr 2025 CO₂-neutral werden. DafĂŒr werden in der dĂ€nischen Hauptstadt zahlreiche Projekte und Maßnahmen umgesetzt, in denen nachhaltige Architektur, hohe LebensqualitĂ€t und wirtschaftliches Denken zu einer Einheit verbunden werden.

Nachhaltige Stadtentwicklung in DĂ€nemark

In Kopenhagen leben derzeit rund 600.000 Einwohner – Tendenz steigend. Grund dafĂŒr sind florierende Branchen wie die Bio- oder Informationstechnologie und eine hohe LebensqualitĂ€t. FĂŒr immer mehr neue Bewohner sucht die dĂ€nische Stadt nun nach neuem Wohnraum. Nur wo?

Die dĂ€nische Regierung hat verstanden, dass Ressourcen nicht endlos nutzbar und freie BaugrundstĂŒcke ein seltenes Gut sind. Aus diesem Grund werden heute im ganzen Land GebĂ€ude saniert, energiesparende Maßnahmen gefördert und neue MobilitĂ€tskonzepte ins Leben gerufen – Kopenhagen gilt als schillerndes Beispiel fĂŒr nachhaltige Stadtentwicklung in Europa.

Zahlreiche Bauprojekte aus Kopenhagen zeigen, wie Stadtentwickler und Architekten in DÀnemark Nachhaltigkeit interpretieren. Drei neue Konzepte stellen wir Ihnen in diesem Artikel vor. Bei allen Konzepten spielt die Verzahnung zeitgenössischer Architektur, gemeinschaftlichen Zusammenlebens und die Nutzung der vorhandenen Landschaft eine zentrale Rolle.

nachhaltige stadtentwicklung

Leuchtturmprojekt Green Lighthouse: FakultĂ€t fĂŒr Naturwissenschaften wird CO₂-neutral

Den Masterplan fĂŒr das CO₂-neutrale GebĂ€ude der Zukunft gibt es noch nicht. Doch inmitten des UniversitĂ€tscampus von Kopenhagen steht ein Bau, der fĂŒr die Architekturbranche wegweisend ist: die naturwissenschaftlichen FakultĂ€t der UniversitĂ€t Kopenhagen. Es handelt sich dabei um das erste öffentliche CO₂-freie GebĂ€ude in DĂ€nemark. Umgesetzt wurde es 2009 vom ArchitekturbĂŒro Christensen & Co.

Die Form der FakultÀt Àhnelt einem Leuchtturm. Das GebÀude selbst ist wie eine Sonnenuhr konzipiert, das Tagelicht als primÀre Energiequelle nutzt.

"Die Kreisform spielt eine SchlĂŒsselrolle fĂŒr das Energieprofil des GebĂ€udes. Es bietet die grĂ¶ĂŸtmögliche VolumenflĂ€che und verursacht nur geringe WĂ€rmeverluste", erklĂ€rt das ArchitekturbĂŒro Christensen & Co. die Funktionsweise. Immerhin 75 Prozent weniger Energie verbraucht das Green Lighthouse gegenĂŒber einem vergleichbar großen GebĂ€ude.

Fremdartig wirkt der moderne Bau inmitten der alten Baustruktur des gesamten Campus allerdings nicht. Die Architekten haben das GebĂ€ude mit einer Fassade aus grĂŒn gefĂ€rbten Fiberglasmodulen verkleidet – damit lehnt sich der Bau optisch an die korrodierten KupferdĂ€cher der NachbargebĂ€ude an.

Quelle: Alex Nesbitt / YouTube

International School in Nordhavn: Energiegewinnung ĂŒber umweltfreundliche Fassade

Wie sehr auch die Architekten des Studios C.F.MĂžller das kulturelle Erbe Kopenhagens wertschĂ€tzen, zeigt sich an der internationalen Schule in Nordhavn. Sie befindet sich im Kopenhagener Containerhafen und Ă€hnelt wegen ihrer verschachtelten Struktur einem Containerschiff. Mit 140 Metern LĂ€nge und sieben Stockwerken bietet die Schule Platz fĂŒr 1.200 SchĂŒler. AuffĂ€llig ist vor allem die blaue glĂ€serne Fassade, die mit 12.000 Solarmodulen bestĂŒckt wurde. Rund 50 Prozent der erforderlichen Energie gewinnt das GebĂ€ude ĂŒber die Sonne.

Die spezielle GlasoberflĂ€che der Fassade sorgt dafĂŒr, dass die Solarzellen in der AußenhĂŒlle sichtbar bleiben. Das hat nicht zuletzt einen pĂ€dagogischen Ansatz: So lĂ€sst sich die umweltfreundliche Energiegewinnung fĂŒr SchĂŒler und SchĂŒlerinnen erlebbar machen.

Auch das Innere des lichtdurchfluteten GebĂ€udes setzt auf energiesparende Maßnahmen. Holzböden aus RestholzbestĂ€nden, Bewegungsmelder, hochisolierte Fenster, kĂŒhlende Decken oder eigens entwickelte LED-Lampen gehören dazu. Was sich komplex anhört, wirkt in der Nahaufnahme modern und beinahe spielerisch. Folgendes Video gibt einen Einblick in das GebĂ€ude und das Bestreben der Schule:

Quelle: Filmplusdk / YouTube

Noch ist die Schule ĂŒbrigens das einzige moderne GebĂ€ude im brachliegenden Industriehafengebiet. In spĂ€testens 15 Jahren soll hier allerdings das neue Stadtquartier Nordhavn mit modernen Wohn- und GeschĂ€ftsrĂ€umen entstanden sein.

The Mountain Dwellings: Nachhaltige Stadtentwicklung in einem kĂŒnstlichen Berg

Neben nachhaltigem Wohnungsbau hat die dÀnische Metropole ein weiteres Ziel: Kopenhagen will Autos so weit wie möglich aus dem Stadtbild verbannen.

Um Apartments und ParkplĂ€tze auf kleinster FlĂ€che miteinander zu verknĂŒpfen, hat das ArchitekturbĂŒro BIG im Stadtteil Ørestad bereits 2008 eine Wohnanlage in Form eines kĂŒnstlichen Berges geschaffen. Hinter dem Projekt „The Mountain Dwellings“ steht ein 34 Meter hohes Terrassensystem mit 80 Wohneinheiten und 450 ParkplĂ€tzen.

Der terrassenförmige Aufbau ermöglicht allen Wohneinheiten einen eigenen Garten mit blickgeschĂŒtzter Terrasse Richtung SĂŒden. 20 verschiedene Pflanzenarten stellen auf dem Dach sicher, dass die Anlage zu jeder Jahreszeit begrĂŒnt ist. Unterirdische Wassertanks, die sich aus Regenwasser speisen, sorgen fĂŒr die BewĂ€sserung der Anlage.

Quelle: Autodesk / YouTube

SelbstversorgerhĂ€user, recycelbare GebĂ€ude, moderne Haustechnik und alternative Verkehrskonzepte: Architekten arbeiten weltweit mit großen Schritten an der nachhaltigen Stadtentwicklung.

Dabei soll der ökologische Fußabdruck so klein wie möglich bleiben und gleichzeitig eine neue Art des Zusammenlebens entstehen – ein Themenfeld, das verspricht, spannend zu bleiben. Auf G-Pulse informieren wir Sie zu allen innovativen AnsĂ€tzen.

Ist Deutschland schon vorbereitet fĂŒr den Weg in eine nachhaltige Architektur? Diskutieren Sie mit uns.

Architektur Nachhaltigkeit Smart City
Kommentare

Starten Sie die Diskussion ĂŒber diesen Artikel

Das wird Sie auch interessieren

Auf dieser Seite wird der von Facebook angebotene Tracking-Pixel fĂŒr Analyse- und Marketingzwecke eingesetzt. Dieser ĂŒbertrĂ€gt zum Teil personalisierte Daten an Facebook USA. Der Tracking-Pixel wird erst mit Ihrer Einwilligung aktiviert! Weitere Informationen zu dem Pixel, wie Sie diesen wieder deaktivieren können und welche Daten erhoben werden, finden Sie in unserer DatenschutzerklĂ€rung.