Erst „Highline“, dann „Lowline“

Vor wenigen Tagen hat die Stadt Pläne für den Bau des ersten Untergrund-Parks der Welt genehmigt. Der Name des Projekts ist angelehnt an „High Line“, einer zum Park umgebauten Hochbahnstrecke in Manhattan. „The Lowline“ wird mindestens genauso spektakulär.

Lowline Lab – Ein Langzeit-Laborexperiment im Großformat

Die Initiatoren James Ramsey und Dan Barasch kommen nicht aus dem Gartenbau und sind auch keine Umweltaktivisten. Sie haben lediglich erkannt, dass New Yorks U-Bahn-Netz ungenutztes Potential birgt – besonders, wenn die Population oberhalb der Erde so dicht ist. Nachhaltige Stadtplanungsprojekte gewinnen zunehmend an Bedeutung: Sei es die geplante Seilbahn mitten in Chicago oder das Pariser Projekt „Milles Arbres“.
Als Vorbereitung ist seit Oktober 2015 „The Lowline Lab“ geöffnet, um in erster Linie die Technik zu erproben und verschiedene Pflanzenarten auf ihre Eignung zu testen. Dafür wurde ein verlassener Supermarkt in New Yorks Lower Eastside in ein Langzeit-Laborexperiment umgewandelt. Das Lowline Lab, welches noch bis März 2017 geöffnet sein wird, ist für jeden frei zugänglich. Die umgebaute Markthalle imitiert die Bedingungen im Untergrund.

Zuschauer, oft auch Schulklassen, können die eindrucksvolle Solartechnik und dazu noch rund 50 Pflanzenarten begutachten, die die Grundlage für einen unterirdischen Stadtpark bilden. Ausgesucht wurden die Pflanzen von Experten des „Brooklyn Botanic Garden“, welcher eines von mehreren namhaften Partnerunternehmen des Lowline-Projekts ist. Oft sind das genügsame, aber formschöne Gewächse wie Pfeilkraut und Bogenhanf. Bäume wird es dort unten voraussichtlich nicht geben, „dafür ist der Boden zu hart“, sagt Dan Barasch.

Solartechnik im Untergrund

Die Idee hinter dem Lowline-Projekt ist denkbar einfach: Schüsselförmige Lichtkollektoren sammeln an der Erdoberfläche das Sonnenlicht und leiten es mittels Glasfaserkabel an die Pflanzen im Untergrund weiter. Entwickelt wurde diese Technik von Lowline-Mitgründer James Ramsey, in Kooperation mit dem koreanischen Technik-Produzenten Sunportal. Der Vorteil dieser Technik ist die Möglichkeit, das Licht zu modulieren. Die Betreiber können es von UV-Strahlung befreien, das volle Potential ausnutzen, oder es auf die Bedürfnisse der Pflanzen und Besucher ausrichten. Im folgenden Video bekommen Sie einen besseren Eindruck von dem Projekt

Impressionen des Lowline-Projekts

The Lowline: Kultureller Anziehungspunkt

Die 5500 m² große Fläche auf dem Gelände einer ehemaligen U-Bahn-Halle steht seit knapp 80 Jahren leer. Davor war der Williamsburg-Bridge-Bahnhof ein Knotenpunkt im Beförderungssystem New Yorks. Mit Lowline soll diese Fläche wieder mit Leben gefüllt werden – auf moderne Art und Weise. Der Lowline-Park soll, nach erfolgreicher Umsetzung des Projekts, nicht nur eine weitere touristische Attraktion in New York City sein. Neben attraktiven Einzelhandelsmöglichkeiten sollen auch Konzerte und kulturelle Veranstaltungen stattfinden. Eine extravagantere Location wird sich auf lange Zeit wohl nicht finden lassen.

Crowdfunding: Große Herausforderung

Gesichert ist der Bau noch nicht, denn Ramsey und Barsch müssen zunächst innerhalb eines Jahres zehn Millionen Dollar einsammeln. Erst dann kann das 70 Millionen Dollar teure Projekt umgesetzt werden. Das Gelingen wäre ein wichtiges Signal, denn in New York gibt es unzählige Relikte des alten Stadtnetzes, die förmlich danach rufen, wiederbelebt zu werden.

Freuen Sie sich schon auf unterirdische Spaziergänge im Park? Wie stellen Sie sich „The Lowline“ vor? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare.

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