Liverpool: Bürger verschönern eigene Nachbarschaft

Eine Geschichte von engagierten Bürgern

Es gibt immer wieder diese hoffungsgebenden Geschichten von visionären Menschen, die losziehen, um etwas für sich und Andere zu erreichen. Das muss nicht immer das Weltgeschehen betreffen. Manchmal geht es auch einfach um die Verschönerung des eigenen Wohnorts. Aber gerade die kleinen Erfolgsgeschichten müssen erzählt werden, weil sie inspirieren und weil sie auffordern sich zu engagieren und die eigenen Lebensumstände aktiv mitzugestalten. Die Granby Four Street Initiative in Liverpool ist genau so eine Geschichte.

1980er Jahre: Liverpool verfällt

Der Stadtteil Granby Four Street liegt in Toxteth in Liverpool und besteht, wie der Name es verspricht, aus 4 großen Straßen. Granby ist eine Ansammlung von Reihenhäusern, die um die Jahrhundertwende zur Behausung von Handwerkern gebaut wurden. Nach Unruhen zwischen der Polizei und der Bevölkerung zu Beginn der 80er Jahre begannen Überlegungen des Stadtrats den gesamten Stadtteil stillzulegen und neu zu nutzen. Der Abriss von Häusern wurde geplant. Zahlreiche Bewohner wurden umgesiedelt. Leerstehende Häuser wurden baufällig. Die älteste schwarze Community Liverpools und ein ehemals vibrierender, multikultureller Stadtteil mit Geschäften und Leben auf den Straßen verfiel mehr und mehr zu einer wenig bewohnten, tristen Wohngegend.

Die Granby Four Streets in Liverpool

Anwohner akzeptieren den Verfall nicht

Dennoch wehrte sich eine Gruppe aktiver Bewohner von Beginn an gegen die Pläne der Stadt und kämpfte für das Fortbestehen ihres Stadtteils. Sie bepflanzten die Straßen, strichen leer stehende Gebäude, organisierten Straßenmärkte und hielten die Umgebung sauber. Aus dieser Bürgerinitiative ist in den letzten 10 Jahren der Granby Four Street Community Land Trust gewachsen – eine Nonprofit-Organisation zur Verwaltung der örtlichen Wohnfläche-, der mit Hilfe des Architektennetzwerks „Assemble“ die leer stehenden Häuser renoviert und modernisiert, öffentliche Orte verschönert und durch Initiativen wie den Granby Workshop neue Arbeitsplätze schafft.

Architekten-Kollektiv gewinnt Turner-Preis 2015

Zu Assemble gehören 18 Architekten, die in den Bereichen Design, Kunst und Architektur tätig sind. Der Grundgedanke ihrer Stadtteilarchitektur für Granby Four Street ist es, das kulturelle und auch bauhistorische Erbe und den Spirit des Straßen-Geflechts aus Reihenhäusern wiederzubeleben: Die Tradition in neuem Licht erscheinen zu lassen. Die langjährige harte Arbeit der Bewohner und das darauf aufbauende Engagement des Architekten-Kollektivs sind aufgegangen. Assemble hat für seine Arbeit im Granby Four Street den mit rund 33.000 € dotierten und anerkannten Kunstpreis „Turner Prize“ erhalten. Die Arbeit im Stadtteil geht weiter. Weitere Häuser werden renoviert und derzeit wird zwischen baufälligen Mauerwerken ein Wintergarten kreiert. Der Stadtteil vibriert wieder. Jeden ersten Samstag im Monat findet ein großes Straßenfest statt, das von der ehemaligen multikulturellen Vielseitigkeit nichts verloren hat.

Die Granby Four Streets in Liverpool. Von der abrissfähigen, halb leer stehenden und tristen Reihenhaussiedlung zum preisgekrönten Lifestyle-Stadtteil: Was halten Sie von diesem Engagement?

Stadtplanung

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