Klassiker des Interior Designs

Schon der Architekt Ludwig Mies van der Rohe stellte fest: Ein Stuhl ist ein sehr schwieriges Objekt. Dagegen sei ein Wolkenkratzer einfach. Dennoch oder gerade deswegen stellten sich in den letzten Jahrzehnten viele Architekten der Herausforderung Möbel und Einrichtungsgegenstände zu entwerfen. Mit ebenso kreativem Innovationsgeist wie in ihrer Baukunst schrieben die Architekturikonen fast nebenbei Design-Geschichte.

Ein Sessel mit Ausstrahlung: der Egg Chair von Arne Jacobsen

"Das Ei", berühmt geworden als „Egg Chair“, vereinte Ende der 60er Jahre modernes Design und wohnliche Gemütlichkeit. Mit seiner futuristischen Form gilt der Sessel bis heute als einer der begehrtesten Wohnklassiker. 

Trotz einfacher Symmetrie ist die Kunststoffschale mit Kaltschaumpolsterung optisch so prägnant, dass sich der Egg Chair selbst als Silhouette sofort zu erkennen gibt. Der dänische Architekt Arne Jacobsen entwarf ihn 1958 parallel zu seinem SAS-Hotel in Kopenhagen, dessen Interieur er von den Möbeln bis zum Besteck konsequent durchplante. Viele dieser Stücke wurden zu Klassikern der skandinavischen Nachkriegsmoderne. Der Hersteller Fritz Hansen bietet den Egg Chair heute in farblich unterschiedlichen Lederbezügen von zeitlosem Blaugrau bis Cognacbraun an. 

Nachhaltig gefaltet: Wiggle Side Chair von Frank Gehry

Wohl eher versehentlich wurde der Architekt Frank Gehry zum Pionier des ökologischen Interior Designs, indem er mit seiner Möbelserie „Easy Edges“ Pappmöbeln zur Popularität verhalf. Aus einer fixen Idee heraus begann er mit Wellpappe zu experimentieren, klebte, schnitt und formte, bis ein stabiler Block entstand. 1972 führte der New Yorker eine Reihe von Pappmöbeln ein, darunter den „Wiggle Side Chair“, dessen Werkstoff allerdings nicht das Ungewöhnlichste ist.

Mit seinen zu Falten gelegten Wölbungen wirkt der Stuhl mehr als Skulptur, denn als Sitzmöbel. Unterstützende Hartfaserplatten verleihen den aufeinander geklebten und in Form geschnittenen Lagen Wellpappe ihre Stabilität. Der Wiggle Side Chair wird heute von dem Schweizer Unternehmen Vitra vertrieben, für das Frank Gehry unter anderen das Firmengebäude und Vitra Design Museum entwarf. 

Der Wiggle Side Chair von Frank Gehry, Quelle: Vitra

Rolf Benz 290: modulares Sitzmöbelsystem für mehr Kommunikation

Ein spontaner Plausch in der Hotellobby oder dem Großraumbüro ist nicht so Ihre Sache? Die Stuttgarter Behnisch Architekten wollen das mit ihrer modularen Sitzmöbelreihe 290 ändern. In Zusammenarbeit mit dem titelgebenden Unternehmen Rolf Benz entstand eine Möbelserie, die durch größtmögliche Flexibilität den unterschiedlichen Anforderungen von öffentlichen Räumen gerecht werden sollte. 

Dabei können von den einzelnen Sesseln, Polsterbänken und Armlehnen bis hin zu Ablagen und Beistelltischen alle Elemente nahezu beliebig kombiniert werden: ob als Sitzgruppe oder raumbildender Block, parallel oder versetzt in einer Reihe. Der sichtbare Massivholzrahmen, das Leder und aufwendig verarbeitete Ziernähte der Polsterung verleihen dem Sofa-Programm einen ebenso edlen, wie nachhaltigen Look. So soll die Sitzmöbelreihe in unterschiedlichen Farbvarianten eine freundliche Atmosphäre schaffen, die zur Kommunikation einlädt.

Hidden Dragon-Sofa: Insel-Landschaft als Designermöbel
Zu seinem 60. Geburtstag beauftragte das italienische Interior-Unternehmen Moroso nicht etwa einen Designer, sondern den chinesischen Architekten Zhang Ke von Standardarchitecture, Sitzmöbel für die Feierlichkeiten zu entwerfen.

Das Ergebnis: mit einer lodernd roten Berglandschaft lud das Sofa „Hidden Dragon“ die Gäste der Milan Design Week 2012 zum Verweilen ein. Von allen Seiten zugänglich und nur von vier schmalen Metallbeinchen gestützt, schwimmt die Insel-Couch als langgestreckter Körper im Raum, dessen asymmetrische Hügel sich zu Sitzlehnen und separaten Nischen wölben. 

Zhang Kes Hidden Dragon-Sofa, Quelle: Moroso

Aqua Table von Zaha Hadid: Interior Design ohne Normen

In aller Welt schrauben sich ihre Gebäude in den Himmel und sprengen die Grenzen konventioneller Baukunst, doch aus Zaha Hadids Feder stammen nicht nur monumentale Bauwerke, sondern auch Möbel. Dank Hadids „Aqua Table“ gelang dem Interior-Kollektiv Established & Sons 2006 gleich mit seiner ersten Kollektion ein Rekord: Kaum auf dem Markt, wurde einer der beiden Prototypen für 296.000 Dollar versteigert. Als Ikone des zeitgenössischen Designs gehandelt, fanden Experten diesen Preis keinesfalls überzogen. Wie schon bei ihrem „Tea and Coffee Piazza Set“ gelang es der Pritzker-Preisträgerin auch bei ihrem „Wassertisch“, jede Logik und Geradlinigkeit aufzulösen. 

Futuristisch streckt, verzerrt und wölbt sich der Aqua Table auf seinen drei Kegelfüßen entgegen jeder Symmetrie. So zerfließt das sonst so massive Möbelstück zu organischen Formen, die auch Hadids Bauwerke prägten.  

Die Designermöbel der Architekten sind zwar nicht immer Einzelstücke, aus der Hand ihrer Schöpfer aber in jedem Fall einzigartige Liebhabermodelle. So schufen die Baumeister nicht nur mächtige Gebäude, sondern auch Skulpturen der Alltagskultur und zeitlose Klassiker des Interior Designs.

Quelle: Established and Sons

Welche Designermöbel würde sich in Ihrem Wohnzimmer besonders gut machen? Wir freuen uns über Ihre Meinung zu den Interior-Exkursen der Architekten.

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