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Rückbesinnung auf das Wesentliche: Eine Jurte als Wohnhaus

Runde Räume verströmen eine besondere Atmosphäre. Sie vermitteln Ruhe und Geborgenheit und laden zum Minimalismus ein: Etwas an die Wände zu stellen oder zu hängen, ist hier gar nicht so einfach. Nicht zuletzt diese Rückbesinnung aufs Wesentliche macht die Jurte als alternative Wohnform immer beliebter. Aber auch die Nähe zur Natur und der Grad an Freiheit, den die bewegliche Unterkunft bietet, zieht mehr und mehr Menschen in ihren Bann.

Jahrtausende alte Wohnkultur: Was ist eigentlich eine Jurte?

Das Wort „Jurte“ kommt vom türkischen „yurt“ und bedeutet „Heim“.

Die traditionelle Behausung zentralasiatischer Nomaden können Sie sich als eine Art Kreuzung zwischen Haus und Zelt vorstellen. Über mehrere Holzgitter werden dabei Baumwollstoffe und Filz zu einem runden Bau gespannt.

Wesentlich neben dieser typischen Grundform ist der temporäre Charakter: Eine klassische Jurte kann innerhalb weniger Stunden auf- und abgebaut werden und lässt sich so klein verpacken, dass sie auf zwei Lasttieren oder der Ladefläche eines Geländewagens Platz findet. So ziehen Viehhirten in der Mongolei mit ihren Herden samt Unterkunft durch die Steppe – und das schon seit etwa 2000 Jahren.

Jurte von außen. Die überdachte Veranda grenzt an den Garten.

Die eigene Jurte bauen: Worauf sollten Sie achten?

Längst hat die Jurte auch ihren Weg nach Europa gefunden – als originelle Unterkunft für Touristen, außergewöhnlicher Seminarraum oder alternativer Waldkindergarten. Und immer mehr Menschen träumen davon, sich ihre eigene Jurte als Hauptwohnsitz zu bauen.

Die Anforderungen des europäischen Klimas machen jedoch eine Anpassung traditioneller Jurten notwendig: Denn die importierten Modelle neigen unter hiesigen Bedingungen zu Schimmel – zudem ist Filz kein besonders guter Dämmstoff.

Der Preis für einen alternativen Wohntraum: Was kostet eine Jurte?

Mit welchen Kosten Sie dabei rechnen müssen, lässt sich pauschal schwer sagen. Der Preis variiert je nach gewünschter Größe und Ausführung. Für etwa 3.500 bis 4.500 Euro können bereits ein „Einsteigermodell“ erhalten. Eine Version mit Sanitärmodul und Heizung kostet mindestens 6.000 Euro.

Und für die etwas komfortableren Wohnjurten müssen Sie ab 10.000 Euro aufwärts rechnen – inklusive Fußboden und Elektroinstallation können Sie aber auch schnell mehr als das Doppelte ausgeben. Und was Sie nicht überraschen wird: Nach oben sind wie so oft keine Grenzen gesetzt, was die möglichen Kosten angeht.

Große Glasfront zum Garten raus.

Die Jurte als Hauptwohnsitz: Ab wann ist eine Jurte genehmigungspflichtig?

Braucht man für eine Jurte in Deutschland eigentlich eine Baugenehmigung? Ein normales Zelt darf man schließlich auch „einfach so“ im Garten aufstellen, ohne um Erlaubnis zu fragen.

Tatsächlich kommt es beim Bauen einer Jurte – wie so oft – auf die jeweiligen Umstände an. Prinzipiell kann man sagen: Ja, eine Genehmigung ist fast immer notwendig.

Erst recht, wenn die Absicht besteht, tatsächlich auch in der Jurte zu leben. Eine frühzeitige Abstimmung mit den zuständigen Behörden ist daher in jedem Fall anzuraten.

Größe und Nutzung des Baus spielen für die Beurteilung eine entscheidende Rolle. Daneben kommt es auch auf „städtebauliche Gesichtspunkte“ an – das heißt mit anderen Worten: Fügt sich die geplante Jurte harmonisch in ihre Umgebung ein oder nicht?

Jurte von außen mit Gitter-Holz verkleidet.

Das Runde muss ins Eckige: Eine Jurte als vollwertiges Wohnhaus

Dass das Leben in einer modernen Wohnjurte bei allem Minimalismus durchaus komfortabel sein kann, beweist ein spannendes Bauprojekt in der Slowakei. Der Architekt Peter Jurkovič fand dabei eine geniale Antwort auf die Frage, wie man in einem runden Haus alle nötigen Grundfunktionen unterbringen kann – Küche, Bad und Schlafmöglichkeiten.

Er verpackte für seine Neuinterpretation der klassischen Jurte einen runden Raum in einer quaderförmigen Box. Die hierbei entstandenen „toten Ecken“ nehmen all jene Funktionen auf, die man in einem Wohnhaus nicht missen möchte – ohne das einzigartige Raumerlebnis zu beeinträchtigen.

So finden sich in einer Ecke der Wohnjurte zwei Stockbetten hinter einer Schranktür, in einer anderen Ecke verbirgt sich die Küchenzeile. So bietet das runde Hauptzimmer seinen Besitzern ausreichend Freiraum für inspirierende Workshops, wie sie es sich gewünscht hatten.

Sie sehen: Eine moderne Jurte kann nicht nur ganz vielfältig aussehen, sondern auch auf verschiedenste Weise genutzt werden. Allen gemeinsam ist die einzigartige Atmosphäre in ihrem Inneren. Jeder, der schon einmal für längere Zeit in einer Jurte gewesen ist, wird das bestätigen können.

Wohnen in einer Jurte – wäre das was für Sie? Wir sind gespannt auf Ihren Kommentar.

Alternative Wohnkonzepte Hausbau Nachhaltigkeit
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