Jean Nouvel: Bauwerke im Spannungsfeld von Kultur und Architektur

Ob die Philharmonie in Paris, der Louvre in Abu Dhabi oder das Nationalmuseum von Katar: Jedes Bauwerk des Stararchitekten Jean Nouvel scheint wie ein Abenteuer, das entdeckt werden möchte. Nouvels Stil ist radikal, kunstvoll und polarisierend, seine Bauten für Besucher immer eine Überraschung. Für seine Leistung wurde der Franzose bereits 2008 mit dem Pritzker-Preis, dem weltweit renommierten Architekturpreis, ausgezeichnet. Mit fast 75 Jahren denkt er auch heute noch nicht ans Aufhören. Wir stellen Ihnen fünf seiner herausragendsten Kulturbauwerke vor.

1. Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL), Luzern: Wie Schiffe in einer Werft

Das erste Beispiel aus der Feder Nouvels führt nach Luzern an den Vierwaldstättersee, wo im Jahr 2000 das Kultur- und Kongresszentrum fertiggestellt wurde. Weil Nouvel das Bauwerk nicht im See platzieren konnte, holte er das Wasser ins Gebäude. Zwei Kanäle führen vom See ins Innere und teilen das Zentrum in drei separate Gebäude. Die Trakte für Kongresse, Veranstaltungen und Konzerte liegen wie Schiffe in einer Werft nebeneinander. Ein in den See kragendes Dach überspannt alle Teile und formt sie optisch zu einer Einheit

Eines der ersten Beispiele für Jean Nouvels Kulturbauten. Quelle: YouTube / Kultur- und Kongresszentrum Luzern

2.Guthrie-Theater, Minneapolis: Vergangenheit und Zukunft in einem Bauwerk

Am Ufer des Mississippi in Minneapolis befindet sich das Guthrie-Theater, das Nouvel 2006 fertiggestellte und an die industrielle Vergangenheit des Landes erinnern soll. Die Region war eine der wichtigsten Getreideumschlagplätze im 19. Jahrhundert.

Mühlengebäude und Getreidesilos in unmittelbarer Nachbarschaft dienten als Blaupause für die eckige Form des Bauwerks. In der Fassade aus Glas und tiefblauem Metall schimmert die Vergangenheit der Getreideindustrie wie auf einer großen Theaterbühne. Eine freitragende, 53 Meter lange Brücke schiebt sich gen Flussufer und bei geöffneten Fenstern kann der Besucher den Flussgeräuschen zuhören.

Blicken Sie hinter die Kulissen des Kulturbaus. Quelle: YouTube / Guthrie Theater

3. Pariser Philharmonie: Vogelschwarm aus Aluminium

Ein kontrovers diskutiertes Bauwerk von Jean Nouvel ist die Pariser Philharmonie im Nordosten von Paris, die 2015 fertiggestellt wurde. 340.000 stilisierte Vogel-Silhouetten formen die futuristische Außenhülle aus Aluminium. Kern des Gebäudes ist ein oval angelegter Konzertsaal mit 2.400 Sitzplätzen.

Seine besondere Form ermöglicht von überall eine freie Sicht auf die Bühne. Wer die 37 Meter hohe Aussichtsplattform besucht, kann einen Blick über ganz Paris erleben. All das hat seinen Preis: 380 statt 200 Millionen Euro kostete das Bauwerk. Um die Kosten nicht weiter in die Höhe zu treiben, wurde die Philharmonie gegen den Willen Nouvels unvollendet eingeweiht.

Entstehung der Pariser Philharmonie. Quelle: YouTube / Devisubox

4. Louvre, Abu Dhabi: Ode an den arabischen Basar

Wie wichtig der kulturelle Kontext einer Region für Jean Nouvel ist, wird auch am Louvre in Abu Dhabi deutlich. Unter der großen Domkuppel bringt das Kulturbauwerk seit November 2017 internationale Kunstwerke in 55 weißen Quadern unter, die einem Basar bestehend aus Gassen und Plätzen ähneln.

Die Kuppel selbst besteht aus neun überlagerten Aluminium- und Stahlschichten, die sich zu geometrischen Mustern verzweigen und auf einer Fläche von 180 Metern Durchmesser insgesamt 7850 Sterne formen. Durch Ihre Konstellation werfen die Sterne je nach Sonneneinstrahlung raffinierte Schatten an die Wände des Museums.

Jean Nouvel schafft es mit dem Museum, den kulturellen Kontext einzufangen. Quelle: YouTube / Louvre Abu Dhabi

5. Nationalmuseum von Katar: Eine Sandrose als Inspiration

Ein radikales Bauwerk, das an den dekonstruktiven Architekturstil von Frank Gehry erinnert, ist das neue Nationalmuseum in Katars Hauptstadt Doha. 2019 verwirklichte Jean Nouvel das sehenswerte Bauwerk auf einer Halbinsel am Persischen Golf. Das Museum hebt sich von der Skyline aus Hochhäusern deutlich ab.

Für den Bau ließ sich Jean Nouvel von der Sandrose inspirieren: Ein Gebilde aus Sandkörnern, das in ein Kristall aus Gips oder Baryt eingebettet ist. Über 500 keramische Scheiben setzen sich scheinbar willkürlich zu einem 400 Meter langen und 250 Meter breiten Gebäudekomplex zusammen. Die Scheiben selbst sind mit scherbenförmigen Faserbetonplatten belegt. Im Inneren entstehen durch die Architektur verwinkelte, zum Teil asymmetrische Räume.

Eines von Jean Nouvel Bauwerken: Das Nationalmuseum in Katar in der Außenansicht.

Sei es das Guthrie Theater in Minneapolis oder der Louvre in Abu Dabi: Rund um den Globus bereichert Jean Nouvel die Architekturwelt bis heute um neue Bauwerke.

Auf kreative Weise verewigt er die kulturellen Merkmale einer Region in seinen Bauten.

Welches Jean Nouvel Bauwerk beeindruckt sie am meisten? Wir freuen uns über Ihren Kommentar.

Kulturbauten Pritzker-Preis
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