Eigenheim für Individualisten

Ein Häuschen im Grünen mit geräumigem Balkon, offener Küche und begehbarem Kleiderschrank: Das wünschen sich viele – aber Bauen nach dem Schema F kann doch jeder, oder? Wir zeigen Ihnen drei originelle Wohn- und Architekturideen für das „etwas andere“ Eigenheim.

Als Kind war alles so einfach: Da wurden große Pappkartons zusammengeklebt, Fenster reingeschnitzt und fertig war „das Dach über dem Kopf“. Und heute? Von der Grundstückssuche bis zur Materialwahl haben Bauherren hunderte Entscheidungen zu treffen. Dabei erweist sich manche Idee aus Kindheitstagen als gar nicht so verkehrt …

Flexibel und nachhaltig: Das recycelbare Modulhaus

Robust, wetterfest und isolierend – die Rede ist tatsächlich von Pappe. Das Wikkelhouse der niederländischen Firma Fiction Factory besteht aus 24 Schichten des recycelbaren Baustoffs, die zusammengeklebt und zur Häuschenform „aufgewickelt“ werden.

Damit die Konstruktion auch jedem noch so üblen Novemberwetter standhält, ist die äußere Holzverkleidung mit einer wasserabweisenden Schutzschicht versehen. Mit diesem Anstrich soll das Papphaus bis zu 100 Jahre alt werden. In dieser Zeit könnte sich auch Ihre familiäre Situation oder der Wunsch-Wohnort ändern. Da passt es doch gut, dass Sie dank der modularen Herstellung des Wikkelhouses einfach anbauen oder auch samt Eigenheim umziehen können. Die jeweils 5 Quadratmeter großen, vorgefertigten Bauteile werden vor Ort zusammengesteckt und so steht das fertige Häuschen innerhalb eines Tages. Ein Fundament braucht es dafür nicht. Die räumliche Ausstattung wie Küche, Bad und Dusche können Sie als Bauherr individuell in Auftrag geben.

Das Wikkelhouse aus recycelbaren Baustoffen

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Quelle: Wikkelhouse/ Vimeo

Residieren wie Ramses mit Komfort aus dem 21. Jahrhundert

Aus geometrischer Einfachheit antiker Architektur und moderner Futuristik ist mal eben eine innovative Wohnidee geboren: Quadratischer Grundriss, vier Wände und kein Dach – Richtig, wie wäre es mit einer Pyramide als Haus? Der mexikanische Architekt Juan Carlos Ramos hat das Bauwerk im Rahmen eines Wettbewerbs als Wohnhaus konzipiert. Anders als die historische Tempelvorlage wirkt der 3D-visualisierte Prototyp seines Pyramid House deutlich offener und lässt durch eine großflächige Glasfassade viel natürliches Licht eindringen. An den anderen Hausseiten sind mehrere Fensterelemente vorgesehen, die unterschiedlich groß und asymmetrisch positioniert sind.

Auf zwei Etagen und einem Dachgeschoss hat der Architekt zwölf Wohn- und Freizeitbereiche unterteilt. Geheime Grabkammern sind zwar (wahrscheinlich) nicht darunter, dafür findet sich neben den obligatorischen Wohnräumen auch Platz für eine Garage, einen Balkon und sogar ein Tonstudio. Spannend ist, wie sich direkt unter der Spitze die geplante Bibliothek realisieren ließe. Bislang existiert das Pyramid House nur als dreidimensionale Idee auf dem Bildschirm. Falls Sie aber in Ihrer Nachbarschaft demnächst eine Pyramide entdecken, zweifeln Sie nicht an Ihr Sehvermögen.

Das Pyramid House mit großflächiger Glasfassade

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Quelle: Design & Concept/ YouTube

Auf kleinem Fuß mit weiter Sicht: Ein Baumhaus für Große

Wer die Sommerferien als Kind überwiegend in einem Baumhaus verbracht hat, träumt wohl auch als „Großer“ von einem solchen Domizil. Diesem Kindheitswunsch hat sich das Team von Rockefeller Partners Architects angenommen. Zugegeben, rein technisch gesehen ist ihr Banyan Treehouse kein klassisches Baumhaus, sondern kombiniert die Ursprungsidee mit moderner Architektur. Von Stahlmasten getragen thront das Minihaus etwa 3,6 Meter über dem Boden am Fuße einer Kiefer. Gebaut ist es auf einen Schräghang im kalifornischen Nichols Canyon und bietet freie Sicht auf die funkelnde Skyline von Los Angeles. Zum Eingang führt eine von Steinwänden gesäumte Treppe, die in einem abgegrenzten Bereich eine Outdoor-Dusche versteckt.

Im Kontrast dazu verleiht die Fassade aus Glas und Holz dem rund 16 Quadratmeter großen Häuschen eine natürliche Wärme. Ursprünglich gab der Besitzer es als Arbeitsstudio in Auftrag, nutzt es nun aber auch gerne als Wochenend-Residenz. Kein Wunder: Ausgestattet mit Kamin, Kühlschrank und WC sowie Schlafcouch und Fernseher ist dieses Baumhaus doch um einiges komfortabler als das Bretter-Modell aus Kindheitstagen.
Ob durch eine besondere Form, überraschende Materialien oder außergewöhnliche Standorte: Innovative Wohnideen als Alternative zum „Eigenheim aus dem Katalog“ gibt es viele – und sie sind durchaus gefragt. Nicht ohne Grund boomt der Trend von den eigenen schwimmenden Vier-Wänden und autarken Mini-Häusern auf Rädern. Was Ihr Zuhause zu etwas Besonderem macht, ist jedenfalls nicht in Stein gemeißelt.

Banyan Treehouse: Kombination der Ursprungsidee mit moderner Architektur

Quelle: © 2016 Jebiga Design & Lifestyle

Haben Sie auch eine eher ungewöhnliche Vorstellung von Ihrem Traumhaus? Teilen Sie Ihre Idee mit uns! Wir freuen uns auf inspirierende Kommentare.

Schlagwörter

Architektur Design Innovation Nachhaltigkeit Wohnkonzept Wohntrends

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