Haus aus Kork: Natürliche Fassaden im modernen Design

Das Material Kork wird bereits viele Jahrtausende für unterschiedlichste Zwecke eingesetzt. Der größte Produzent ist Portugal, wo die Rinde der Korkeiche abgebaut wird. Alle neun Jahre lässt sich die Rinde vom Korkbaum schälen – und das, ohne den Baum zu beschädigen. Das Rohmaterial wird in einem technischen Prozess zu Korkplatten verwandelt. Während der Herstellung treten die im Kork enthaltenen Harze aus und verbinden die kleinen Naturkork-Granulate miteinander: So entsteht ein Baustoff ganz ohne chemische Zusätze.

Kork: 100 Prozent Design und Nachhaltigkeit

Im Bauwesen wurde Kork bisher vor allem als Schall- oder Schwingungsdämpfer eingesetzt. Doch mittlerweile verwenden Bauplaner und Architekten das Material auch zur Gestaltung und Dämmung von Fassaden – und das nicht allein wegen der großartigen Ökobilanz. Dank geringer Wärmeleitfähigkeit kann Kork außerdem mit den üblichen Faserdämmstoffen mithalten. Darüber hinaus lässt sich Kork in beliebigen Klimazonen einsetzen, ist luft- und wasserdicht, langlebig und lässt sich komplett recyceln.

Korkzieherhaus in Berlin: Natürlicher Minimalismus im Haus aus Kork

Das sogenannte Korkzieherhaus in Berlin ist ein Entwurf aus der Feder von Andreas Reeg und Marc Dufour von rundzwei Architekten in Berlin.

Unterstützt wurde das Projekt von den Mitarbeitern Luca Di Carlo und Ana Domenti. Das Gebäude steht auf einem Stampfbetonsockel. Fassade und Dach wurden mit Korkplatten verkleidet und dienen als Wärmedämmung und Sichtoberfläche zugleich. Kork ist von Natur aus resistent gegen Witterungseinflüsse und Schimmel, deshalb benötigen die Platten keine chemischen Zusätze. Und auch auf Bauschäume und Kleber verzichteten die Architekten gänzlich. Damit sich das gesunde Wohnklima auch im Inneren auswirkt, besteht die Verkleidung der Wände aus hellem Holz und diffusionsoffenen Gipsfaserplatten.

Der Entwurf von rundzwei Architekten beweist: Nachhaltige Baustoffe und modernes Design passen ideal zusammen und bilden im Haus aus Kork mit den großen Fensterelementen eine zeitgenössische Ausstrahlung. Doch der Kork sieht nicht nur gut aus, er dient an Fassade und Dach auch für eine hervorragende Wärmedämmung und Lärmschutz. Sogar Regentropfen werden in ihrer Akustik gedämpft. Auf dem Korkdach sorgen eingebundene Solarmodule für die Energieversorgung des Einfamilienhauses.

Haus aus Kork, Außenansicht
Haus aus Kork
Haus aus Kork
Haus aus Kork

Ein Tiny House aus Kork in Londoner Hinterhof

Von dem natürlichen Werkstoff Kork profitieren auch die neuen Wohnkonzepte wie mobiles Wohnen im Minihaus. Weltweit arbeiten Architekten an Konzepten für autarke Minihäuser, die ein ansprechendes Design haben, aber deren ökologsicher Fußabdruck so klein wie möglich ist. Das Londoner Architekturbüro Surman Weston hat ein solches Mini-Atelier mithilfe von Kork in einem extrem schmalen Hinterhof in London umgesetzt – übrigens ein typisches Setting für Grundstücke britischer Reihenhäuser.

Von außen ist das kleine Atelier mit Kork verkleidet, das nicht nur für einen wärme- und wetterdichten Schutz der Räume sorgt, sondern auch hier die Geräuschkulisse der Nachbarsgrundstücke reduziert. Im Inneren sorgt eine Verkleidung aus Birkenholz für ein helles Interior. Tageslicht erhält das Atelier durch großes Oberlicht und eine bodentiefe Schiebtüre aus Glas. Schiebt man diese an schönen Tagen zur Seite, öffnet sich das Studio in Richtung Wohnhaus. Die mittig gelegene Holzterrasse verbindet Atelier und Wohnhaus miteinander.

 

 

Einblicke in das Londoner Haus aus Kork. Quelle: OnHome / YouTube

Bonjardim House: Haus aus Kork schützt vor lauter Geräuschkulisse

Auch in Porto, der zweitgrößten Stadt Portugals, haben die Planer von ATKA Arquitectos Portugal die Fassade eines sanierten Wohnhauses zum Teil mit Korkplatten verkleidet. Das Ziel: Außengeräusche sollten im Inneren nicht zu hören sein. Denn das 85 Jahre alte Haus steht nicht nur auf einem schmalen Grundstück inmitten vieler Reihenhäuser, in direkter Nachbarschaft befindet sich auch eine Schule mit Spielplatz, die vor allem in den Pausenzeiten Lärm verursacht.

Um das alte Wohnhaus zu sanieren, wurde die baufällige Holzkonstruktion weitestgehend entfernt und durch ein leichtes Stahlkonstrukt ersetzt. Die Fassade zur Straßenseite und die alten Seitenwände blieben allerdings erhalten. Heute zeigt das 233 Quadratmeter große Wohnhaus mit 4,5 Meter Breite und 20 Meter Länge die gleichen Proportionen wie das ehemalige Gebäude und schraubt sich über mehrere Etagen in die Höhe. Während sich das Haus von vorne weiterhin verschlossen zeigt, öffnet es sich zur Gartenseite über Kuben, die in den Etagen zu überlappen scheinen.

Eine sichtbare Korkverkleidung hat der Kubus auf der ersten Etage erhalten, der zum Garten mit einer großen Fensterfront aus der Gebäudekonstruktion herauskragt. Weil hier die Schlafzimmer des Hauses untergebracht sind, haben die Architekten den Kubus in Sichtkork verpackt – auch hier überzeugt der natürliche Rohstoff mit einer guten akustischen und thermischen Leistung.

Als nachwachsendes und recycelbares Produkt ist Kork ein optimaler Rohstoff für einen ökologischen Hausbau und den globalen Klimaschutz. Kork macht auf Fassaden nicht nur eine gute Figur, sondern kommt außerdem ohne den Einsatz von Chemie aus. Grund genug, um den Rohstoff zukünftig stärker ins Auge zu fassen.

Können Sie sich vorstellen, in einem Haus aus Kork zu wohnen? Wir freuen uns über Ihren Kommentar.

Architektur Nachhaltigkeit
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