Green Furniture

Der Trend zur Nachhaltigkeit lässt Wohnraum- und Produktgestalter die Grenzen des Designs immer wieder neu ausloten. Mit natürlichen Materialien, experimentellen Werkstoffen und Upcycling-Konzepten setzen sie neue Maßstäbe beim Green Design. Wie vielfältig sich die grüne Wohnkultur mittlerweile gestalten lässt, zeigen fünf innovative Beispiele.

Definierte sich Green Design einst vor allem über einen kontrollierten Rohstoff-Anbau und eine umweltschonende Produktion, geht der Trend heute einige Schritte weiter. Die Wiederverwendung (Recycling) und Aufwertung gebrauchter Materialien (Upcycling) haben sich zum eigenen Stilmittel des grünen Interior-Designs entwickelt. Neben nachhaltigen Gestaltung-Konzepten und einem sparsamen Ressourcen-Einsatz bringt das ökologische Verantwortungsbewusstsein aber auch neue Materialien hervor.

Der Flax Chair: Nachhaltig in Form gepresst

Weit mehr als nur einen Stuhl hat die Designerin Christien Meindertsma kreiert. 

Mit ihrem Flax Chair lässt die Niederländerin einen jahrtausendealten Naturrohstoff neu aufleben.Gemeinsam mit dem Naturfaserspezialisten Enkev entwickelte sie ein ökologisches Sitzmöbel aus Flachs und dem Biokunststoff Polymilchsäure (PLA). Dieser natürliche Werkstoffmix lässt sich durch Wärme in unterschiedlichste Formen pressen. Zunächst entstand aus den strohfarbenen, kurzen Fasern ein Stuhl, für den die Designerin unter anderem den Dutch Design Award 2016 gewann. Der Flax Chair könnte jedoch nur den Auftakt für eine ganze Möbellinie geben, die sich in Zusammenarbeit mit der Initiative Label Breed realisieren ließe. 

In Birkenstocks die Füße hochlegen

Wer auf Birkenstock steht, kann jetzt auch darin träumen. Deutschlands größter Schuhhersteller und Fußbettexperte legt neuerdings nämlich auch im Schlafzimmer einen wohngesunden Auftritt hin. Auch bei seinen Betten geht bei dem Traditionsunternehmen natürlich nichts ohne Naturholz und Kork. Der charakteristische Werkstoff findet sich unter anderem in den Stütztellern des Rostes und in Verbindung mit Naturlatex als Granulat in den Matratzen. 

Ähnlich der Birkenstock-Sandalen ist auch der Lattenrost wellenförmig geschwungen, um gezielt Körperschwerpunkte auszubalancieren. So entstanden in Zusammenarbeit mit dem österreichischen Polstermöbelhersteller ADA Wohlfühl-Schlafsysteme, die Nachhaltigkeit und modernes Design vereinen. Ab Mitte des Jahres können in einem der bislang sechs Modelle die Füße hochgelegt werden. Auch eine Büromöbel-Kollektion ist bereits geplant.

Terroir-Design by Steenfatt: Was man an der Küste so findet ...
Das Gute liegt so nahe – dachte sich der Designer Nikolaj Steenfatt. Mit einem innovativen Werkstoff aus Algen setzt er neue Impulse für das nachhaltige Möbel- und Produktdesign. Während sein gefilzter Moos Chair bereits optisch organische Natürlichkeit assoziieren ließ, entwickelte der Däne in Zusammenarbeit mit seinem Kollegen Jonas Edvard nun ein ebenso langlebiges wie vielseitiges Material.

Dabei machen sie sich die adhäsive Wirkung des natürlichen Bindemittels von Braunalgen zu Nutze. Ernten lässt sich der natürliche Rohstoff nahezu überall an der über 8.000 Kilometer langen Küste Dänemarks. Nach dem Trocknen wird die Meerespflanze zu einem Pulver gemahlen und in Leim verarbeitet. So lassen sich beliebige Objekte wie Stuhllehnen oder auch Lampenschirme formen, dessen Farbschattierungen je nach Algenart von kräftigem Dunkelbraun bis Hellgrün variieren.

Nordwerk: Upcycling für die ökologische Event-Einrichtung
Ein leuchtender Pavillon aus Altpapier? Für das Team von Nordwerk kein Problem. Die Dresdner verstehen sich nicht nur als Ingenieure, sondern als Ästheten mit Blick und Händchen für nachhaltiges Design. Gebrauchte Wellpappe dient als Ausgangsmaterial für ihre faszinierenden Freiformen, Event-Installationen und Messebauten. Ganz ohne Schrauben oder Bindemittel lassen sich die Einzelteile zu 100 Prozent ökologischen Objekten stapeln und zusammenstecken, um später vollständig recycelt werden zu können. 

Neben Tresen, Stühlen und Ständen zählen auch Automaten, Logos und raumfüllende Konstruktionen zum Repertoire – Beleuchtung sowie WLAN- und Stromanschlüsse inklusive. Die Spezialanfertigungen mögen zwar nichts für das klassische Wohnzimmer sein, zeigen jedoch, wie raffiniert sich Green Design mit etwas Kreativität, Geschick und ökologischer Weitsicht umsetzen lässt.

Greenline: Outdoor-Möbel mit nachhaltiger Geschichte

Jedes Stück ein Unikat: Bei seiner Greenline-Serie setzt der deutsch-schweizerische Möbelhersteller Zebra nicht nur auf moderne Ästhetik, sondern vor allem auf Natürlichkeit und einen nachhaltigen Ressourceneinsatz. Recycelte Teakhölzer alter indonesischer Häuser, Boote und Brücken dienen als Basiswerkstoff für die hochwertigen Outdoor-Möbel. An jeder Rille, Unregelmäßigkeit und Farbnuance lässt sich die faszinierende Geschichte des Holzes ablesen. 

Kombiniert mit Edelstahl, strapazierfähigen Textilien und Bootsleder zeugen die Massivholztische, -stühle und -bänke gleichermaßen von origineller Designvielfalt als auch moderner Funktionalität. So ist beispielsweise bei den neuesten Tischmodellen der Getränkekühler direkt in die Tischplatte eingebettet.

Mit Blick auf diese fünf ökologischen Wegweiser ist es nur wünschenswert, dass das Green Design nicht nur ein Trend bleibt, sondern Nachhaltigkeit die Zukunft des Interior-Designs mitbestimmen wird.

Wie viel Wert legen Sie auf Nachhaltigkeit bei der Inneneinrichtung? Wir freuen uns auf Ihren Kommentar!

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Interior Design Nachhaltigkeit Wohntrends

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