City Tree: Intelligente Grünfläche zur Luftreinigung

Eine mit Moos bepflanzte Wand mitten in der Einkaufsstraße – Was auf den ersten Blick als Kunst wahrgenommen werden könnte, ist in Wahrheit die hocheffiziente Luftfilteranlage City Tree.

Der „City Tree“ ist die erste Innovation des Dresdner Startups „Green City Solutions“. Architekt und Mitgründer Dénes Honus arbeitet mit seinem Team an klimafreundlichen Lösungen, die den urbanen Raum lebenswerter gestalten. Dafür landete der 29-Jährige nun auf der europäischen „30 under 30“-Liste des Forbes-Magazins. Weltweit atmen 90 Prozent aller in Städten lebenden Menschen große Mengen verschmutzte Luft ein. Schadstoffe wie Stickoxide, Ozon und Feinstaub belasten das Klima ebenso wie den menschlichen Organismus. Das Dresdner Unternehmen begegnet diesem globalen Problem mit innovativen Ideen: Natürliche Ressourcen werden mit modernster Technik verbunden.

Green City Solutions für eine klimafreundliche Stadtentwicklung

2014 gründete Honus gemeinsam mit einem deutsch-chinesischen Expertenkreis aus den Bereichen Architektur, Informatik, Maschinen- und Gartenbau das Startup Green City Solutions. Das Jungunternehmen mit Sitz in Dresden kombiniert Bio-Technologien mit gegenwärtigen Möglichkeiten des Internet of Things (IoT), um Lösungen für umweltfreundliche und zukunftsfähige Städte hervorzubringen. Der erste Clou ist dem vierköpfigen Team mit dem City Tree gelungen. Dieser natürliche Luftfilter aus speziellen Mooskulturen soll die Luft- und Hitzebelastung in urbanen Ballungsräumen reduzieren.

City Tree: Biologischer Luftfilter trifft das Internet of Things

Die Moospflanzen werden in einem vertikalen Anbausystem an einer freistehenden Wand kultiviert. Diese ist mit einer digitalen Schnittstelle ausgestattet und erfasst Daten zum Umgebungsklima und der Luftqualität. So kann die intelligente Grünanlage große Mengen Feinstaub, Stickoxide sowie CO2 aus der Luft filtern, kühlt die Umgebung und nutzt den örtlichen Niederschlag zur eigenen Bewässerung. Dank der IoT-Technologien soll der City Tree die Luft so effektiv reinigen wie 275 Bäume − und das auf lediglich drei Quadratmetern. Zudem können die begrünten Wände für digitale Marketingmaßnahmen genutzt werden, beispielsweise durch die Implementierung eines QR-Codes.

30 under 30: Auszeichnung vom Forbes-Magazin

Nachdem das junge Unternehmen bereits im letzten Jahr eine Reihe von Preisen gewonnen hat, setzte das amerikanische Wirtschaftsmagazin Forbes den Startup-Gründer Dénes Honus nun auf die „30 under 30“-Liste seiner europäischen Erstausgabe. In zehn Kategorien kürten die Fachjurys je 30 herausragende Personen, die „imstande sind, die Welt zu verändern“. Als Führungskraft, dessen Ideen dazu beitragen, weltweite Probleme zu lösen, wurde der Dresdner in der Kategorie Social Entrepreneurs (soziale Unternehmer) vorgestellt. Diese Auszeichnung sei eine enorme Motivation, an weiteren Lösungen für zukunftsfähige Städte zu arbeiten, so Honus. Denn der City Tree ist nur der erste Baustein zu einer ganzheitlich klimafreundlichen Infrastruktur.

Impressionen der City Trees

Quelle: Green City Solutions

International im Aufwind

Der Erfolg des Dresdner Startups Green City Solutions reißt nicht ab. In den letzten Monaten konnte sich das vierköpfige Team mit ihrem City Tree auf dem internationalen Markt etablieren. Ihr Einsatz gegen die globale Luftverschmutzung wird mit einer Vielzahl von Nominierungen, Preisen und großer medialer Aufmerksamkeit gewürdigt. Zuletzt behauptete sich das Startup als einer der fünf Finalisten der Postcode Lottery Green Challenge 2016, dem größten internationalen Wettbewerb im Bereich nachhaltiger Innovationen. Mit dem Preisgeld für den zweiten Platz in Höhe von 200.000 Euro möchte das Team ihr Geschäft weiter voranbringen.

Green City Solutions schlagen Wurzeln

Als Gewinner des Metropolitan Solutions Challenge Cup 2016 verhalf CEO Dénes Honus seinem Unternehmen bereits zur Mitgliedschaft im Smart City Forum.

Ebenso ist das Dresdner Startup im Rennen um den Deutschen Engagementspreis 2016, der Anfang Dezember verliehen wird. Die Wirtschaftswoche würdigte Green City Solutions indes als Startup der Woche. Mittlerweile haben die City Trees nicht nur in der sächsischen Heimatstadt, sondern auch in Oslo, Paris und Hong Kong Wurzeln geschlagen. Zugleich ist mit der Open Data-Plattform "Aircare" in Zusammenarbeit mit der Europäischen Union ein weiteres zukunftsweisendes Projekt entstanden. Das neue Tool auf der Homepage des Startups soll bald ermöglichen, die Feinstaubbelastung durch den Straßenverkehr zu visualisieren. Zweifelsfrei werden wir noch viel von dem jungen Unternehmen aus Dresden hören, sehen und idealerweise auch an besserer Luft in den Städten merken.

Diesen Artikel haben wir am 10.10.2016 aktualisiert.

Ein City Tree filtert die Stadtluft so stark wie 275 Bäume. Was halten Sie von dieser Idee für kühle Städte?

Schlagwörter

IoT Luftfilter Nachhaltigkeit Smart City Stadtplanung

Kommentare (13)

P
Peter Leeb 05.05.2016  |  11:44

ich würde gerne einen beweis für die hier aufgestellte behauptung sehen.

G-Pulse Redaktion 05.05.2016  |  23:14

Hallo Peter, darauf sind wir auch sehr gespannt. Die ersten Projekte sind ja bereits in Planung. Lange werden wir uns also wohl nicht mehr gedulden müssen, bis es erste Ergebnisse geben wird. Bis dahin haben die Entwickler hier ihre Prognosen veröffentlicht:

http://greencitysolutions.de/stadt/

Lieben Gruß, Ihre G-Pulse Redaktion

P
Peter Leeb 10.05.2016  |  15:59

danke für die antwort, allerdings ist der angegebene link doch recht weit weg davon, den kühnen vergleich mit den 275 bäumen auch nur ansatzweise zu belegen…

G-Pulse Redaktion 10.05.2016  |  17:19

Hallo Peter,
welche Informationen seitens der Unternehmen zur Verfügung gestellt werden, obliegt nicht unserem Einflussbereich. Ihren Standpunkt hingegen kann ich sehr gut nachvollziehen.
Lieben Gruß, Ihre G-Pulse Redaktion.

K
Kerstin 11.06.2016  |  17:57

Hallo,
ich finde die Idee super. Ist das auch für Fassaden geeignet und was kostet so eine Wand? Ist das auch für Privatpersonen erschwinglich?
Gruß

R
Regina Blach 14.06.2016  |  10:02

Hallo, kann das sein? Ich glaube, ich hab das schon in einer Doku von New York gesehen? Jedenfalls eine super Idee solange es nicht die Bäume ersetzt und nicht so wird wie bei den Bienen, die künstlich bestäubt wird, als Ergänzung, besonders für China, Japan usw. optimal.

Chetan Dass 23.06.2016  |  10:05

Ich finde geniale Idee, so kann man weltweit Klima in griff bekommen!
Würde in Herbst selbst bauen!

A
Andrea 29.07.2016  |  10:22

Ist das spezielles Moos ? Oder Moos aus Wald und wiesen, was man so suchen kann ?

Janette Baumann 01.08.2016  |  17:19

Hallo Andrea, es handelt sich um speziell entwickeltes Moos mit besonderen Mooskulturen. Chemische Prozesse lassen sie dabei ohne Wurzeln wachsen. Mehr Infos finden Sie hier: http://greencitysolutions.de/stadt/ Herzliche Grüße, Janette Baumann

S
Skidmarks 27.09.2016  |  22:46

Wie soll das funktionieren? Massenerhaltung besagt, dass die Schadstoffe sich im Moos anreichern. Ein Baum wächst und baut diese in seine Substanz ein (Zellulose aus CO, CO2). Wird das Moos also dauernd gewechselt? Wie soll bei deutlich komprimierter bodennaher Oberfläche nur annähernd soviel Luft gefiltert werden wie bei einem Baum? Um wahrscheinlich signifikanten Effekt zu haben, müsste das Ding eine Saugleistung haben wie die Abgassaugeinrichtungen beim TÜV (wenn eine AU gemacht wird). D.h. es wird ziemlich windig auf den Bänken davor.
Spinnen wir mal: Wenn die Dinger solch eine Filterleistung (wie angepriesen) hätten, wäre es nicht unlogisch vor so einem riesigen Schadstoffsauger zu sitzen (Sitzgelegenheit als intended designflaw)?
Das was sie hier gut (das muss man ihnen lassen) machen ist nen hydroponisches System als Wundermittel gegen Umweltverschmutzung zu verkaufen. Und eine Stadt kauft natürlich lieber eine handvoll solcher Teile als an unangenehmeren Ecken anzusetzen um Ursachen zu bekämpfen. Wäre es die Kirche, würde man Ablass schreien.

Janette Baumann 29.09.2016  |  17:15

Hallo,

die Grundidee ist, natürliche Ressourcen mit modernster Technik zu verbinden. Dieses Ziel verfolgt das Unternehmen Green City Solutions konsequent mit dem CityTree. Wie wir ja auch geschrieben haben, werden die Moospflanzen dabei vertikal angebaut und an einer freistehenden Wand kultiviert. Die vorhandene digitale Schnittstelle überwacht dabei die Luftqualität. Der City Tree ist dabei im Grunde ein dreischichtiges System: Die Deckbepflanzung übernimmt nicht nur die Produktion von O2 (unter anderem), sondern sorgt auch für eine ausreichende Schattierung der Moose auf der darunter liegenden Schicht. Chemische Prozesse lassen sie ohne Wurzeln wachsen. Das Moossubstrat ganz unten ist besonders fähig Wasser zu halten und die Wurzeln zu durchlüften. Diese Symbiose ist das „Geheimnis“ hinter dem City Tree. Weitere Infos findest Du hier.

Viele Grüße Janette

M
Mik Blanc 19.05.2017  |  13:08

Können Sie mir mitteilen ob es diese Trees auch in kleinerer
Form, u.U. für Großraumbüros geben wird.

Danke im Voraus

Mike

Janette Baumann 19.05.2017  |  16:22

Hallo Mik, schön, dass Ihnen die City Trees zusagen. Ob es sie auch in kleinerer Form gibt, wissen wir leider nicht. Aber vielleicht sagt Ihnen ja die Pflanzenwand zu? Ansonsten können Sie auch beim Hersteller nachfragen. Den Kontakt finden Sie auf der Webseite. Viele Grüße, Janette

Das wird Sie auch interessieren

  • |
  • Smart Living

  • |
  • Trends

  • |

Smart City: Unsere Stadt soll smarter werden

Urbanisierung im überlegten Umbruch

  • |
  • Insights

  • |

111 Jahre intelligente Gebäudetechnik

Gira blickt auf eine erfolgreiche Geschichte zurück – und hat die Zukunft fest im Blick

  • |
  • Smart Living

  • |
  • Trends

  • |

Der intelligente Spiegel

Die neue Innovation aus der Smart-Home-Welt

Meistgelesene Artikel