Picasso der Architektur

In über 50 Jahren architektonischen Schaffens hat Frank Gehry rund um den Globus Bauten errichtet, die die Symmetrie oft beiseitelassen und als Kunstwerke betrachtet werden. Seine Leidenschaft für die Architektur zeichnete sich schon früh ab.

Ein Mann namens Ephraim Owen Goldberg

In jungen Jahren basteltete der Sohn von Thelma und Irving Goldberg bereits aus Metall- und Elektroschrott des großväterlichen Betriebs Modellstädte. So war es kaum verwunderlich, dass er sich für ein Architekturstudium entschied. Um Ressentiments aufgrund seiner jüdischer Herkunft zu vermeiden, ändert er 1954 seinen Namen: aus Ephraim Owen Goldberg wurde „Frank Gehry“.

Das Gehry Haus: Grundstein für den Dekonstruktivismus

Heutzutage kann jedermann im Designlexikon nachschlagen, was den Dekonstruktivismus auszeichnet: „Internationale Strömung in der Architektur seit Beginn der 80er-Jahre, die eine Zersplitterung des architektonischen Körpers und eine heterogene, wie «zusammenstürzend» wirkende Neuordnung der Bestandteile verfolgt.“ Vor knapp 30 Jahren war es jedoch ein ganz alltäglicher Grund, der zu dieser Stilwende führte: Familienzuwachs. Das Wohnhaus, in dem Frank Gehry mit seiner zweiten Frau bis heute wohnt, gilt als das erste dekonstruktivistische Bauwerk. Ermutigt von seiner Frau Berta Isabel Aguilera, plante und erweiterte Frank Gehry das Gebäude selbst. 2012 wurde er dafür mit dem begehrten Architektenpreis „Twenty-Five Years Award“ ausgezeichnet.

Dekonstruktivismus pur

Tanzende Häuser und stählerne Kolosse

Architektur-Liebhaber werden seinen Stil erkennen, jeder andere vermutlich einfach nur staunen. Es gibt unter seinen Arbeiten auch recht eindeutige Motive so wie das „Binocular Building“ in Venice, Los Angeles. Die Form eines riesigen Fernglases drängt dem Betrachter unweigerlich den Eindruck einer kleinen Größe auf. Tatsächlich ist das Binocular Building drei Etagen hoch. Im Prag findet sich das „Fred & Ginger“, das sich auch mit wenig Fantasie als Tanzpärchen identifizieren lässt. Obwohl objektiv betrachtet niemand an dem Kunstgehalt des Hauses zweifeln wird, entfachte das Objekt eine heiße Debatte. Kritiker sahen in „Fred & Ginger“ eine Anomalie, die die altehrwürdige Prager Innenstadt verschandeln würde. Andere Kritiker wiesen darauf hin, dass durch die Überbauung des Fußweges potentiell Unfallgefahr bestehe. Interessant ist, dass, obwohl sich die beiden symbolischen Figuren so nahestehen, die beiden Türme innen nicht miteinander verbunden sind – auf keiner der neun Etagen. Fragt man Fans nach Gehry-Häusern wird die erste Antwort vermutlich das „Guggenheim Bilbao“ sein. Ein surreal geformter Koloss aus Titanium, Stein und Glass, zu dessen Füßen der Fluss Navión fließt und an dessen Eingang eine riesige Spinnenskulptur lauert. Das Kunstmuseum zementierte nicht nur Gehrys Ruf als Weltklasse-Architekt, sondern bescherte Bilbao einen wirtschaftlichen Boost, den man übertragen auf andere Städte, heutzutage den „Bilbao-Effekt“ nennt – die wirtschaftliche Aufwertung eines Ortes durch spektakuläre Architektur.

Stillstand gibt es nur bei Gebäuden

Mit 87 Jahren würde jedermann Frank Gehry einen Ruhestand gönnen. Aber der Picasso der Architektur schöpft weiter – unermüdlich und bescheiden. Obwohl in seinem Architekturbüro Gehry Partners nur Architekten erster Klasse sitzen, übernimmt Frank Gehry die Leitung jedes Projekts nach wie vor selbst. So auch aktuell in Berlin. Dort stellte Frank Gehry Vertretern der Presse den Pierre-Boulez-Saal vor; benannt nach dem französischen Dirigenten und Komponisten. Der Saal gehört zur neu gegründeten Barenboim-Said Musik-Akademie. Zusammen mit seinem langjährigen Freund, dem renommierten Akustiker Yasuhiso Toyota, arbeitete Frank Gehry an diesem Projekt pro bono. Der Raum ist modular aufgebaut und kann an die Publikumsgröße angepasst werden. Durch die Doppel-Ellipsenförmige Anordnung ist das Publikum auch bei vollem Saal mit 680 Menschen, maximal 14 Meter von Dirigent und Orchester entfernt. Eine Meisterleistung, die sich ab Eröffnung im März 2017 sicherlich schnell auszahlen wird.

Ausgezeichnete Bauwerke

Im Laufe seiner Karriere hat Gehry viele Auszeichnungen bekommen, unter anderem den Pritzker Award – einer der renommiertesten Ehrungen in der Branche. Auf die Frage, wie sich das anfühle, wenn man so viel Anerkennung bekomme antwortete Frank Gehry in einem Fernsehinterview trocken: „sehr verdächtig.“

Das Interview mit Frank Gehry sehen Sie im folgenden Video

Quell: YouTube / euronews

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Architektur Design Innovation Pritzker-Preis

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