Die Elbphilharmonie – beeindruckende Höhen und Tiefen

Lange Zeit überschatteten budgetäre Probleme und Verzögerungen das Potential dieses einmaligen Bauprojekts. Nun aber steht der Stahlkoloss mit Glaskrone in der HafenCity und wartet auf seine Gäste. Doch die „Elphi“ ist weit mehr als ein Konzerthaus. Sie ist ein architektonischer Allrounder, der sein Herz und Ausblick ganz und gar der Elbe schenkt.

Den Werdegang der Philharmonie nachzuzeichnen, ist nicht schwer. Seit Baubeginn begleitet die Presse das Projekt mit kritischem Blick. Zwischenzeitig in einem Atemzug mit dem Langzeit-Bauprojekt des Berliner Flughafens genannt, bekamen die Verantwortlichen starken Gegenwind. Nach knapp neun Jahren Bauzeit, einer Verzehnfachung des Budgets und wechselnden Verantwortlichen, öffnet die Hamburger Elbphilharmonie am 11. Januar 2017 ihre Pforten.


Vom Lager- zum Konzerthaus: ein historischer Abriss

1875 – lange bevor aus dem sumpfigen Grasbrook die HafenCity wird lässt Wasserbaudirektor Johannes Dalmann den „Kaispeicher A“ erbauen. Dieses Lagerhaus, auch „Kaiserspeicher“ genannt, besitzt den trapezförmigen Grundriss, dem auch die Elbphilharmonie knapp 130 Jahre später zu Grunde liegen wird. Er wird der größte Speicher Hamburgs, welcher als einziger direkt von den Schiffen angefahren werden kann und avanciert auch wegen seines markanten Uhrenturms schnell zum Wahrzeichen der Hamburger Hafenregion. 1963 werden die Gebäudereste, die der Zweite Weltkrieg übrig gelassen hat, gesprengt.

Das neue Gebäude beeindruckt nicht nur durch sein Äußeres. Quelle: Maxim Schulz

1963 wird direkt mit dem Bau eines neuen Speichers begonnen. Der Entwurf des Architekten ist auf die Lagerung von Stückgut wie Tee und Kakao ausgerichtet. Der Spitzname „Kakaobunker“ findet Einzug in den Volksmund. Das 30 Meter hohe, schmuck- und schnörkellose Backsteingebäude wird von 1.111 dicken Betonpfählen getragen. Durch Schlamm und Schlick gerammt, bieten sie eine solide Grundlage für ein modernes Lagerhaus. Mit dem Aufkommen von Schiffscontainern in den Siebzigern, verliert der zweite Kaispeicher A jedoch zusehends an Bedeutung.

2001 steht der Kakaobunker leer. Im Zuge der lagerwirtschaftlichen Entwicklung uninteressant geworden, wird der zweite Kaispeicher A ab Mitte der Neunziger nur noch vereinzelt genutzt. Wiederbelebungspläne wie „MediaCityPort“ werden erst umjubelt, dann verworfen.

2007 beschließt die Hamburgische Bürgerschaft offiziell den Bau der Elbphilharmonie. Der Kaispeicher soll als Grundlage dienen. Pläne und Skizzen der Schweizer Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron liegen bereits seit 2003 vor. Das Architekturbüro Herzog de Meuron übernahm die Entwicklung und Planung der Architektur und betreuten zudem die Umsetzung.

2016 wird die Elbphilharmonie fertig gestellt. Nach Querelen, Baustopp, Neuordnung, sechs Jahren Verzögerung und einem Anwachsen der Kosten von anfänglich 77 Millionen auf final 789 Millionen Euro, wird das Konzerthaus im Oktober 2016 offiziell an die Stadt Hamburg übergeben.

Quelle: NDR Doku/ YouTube

Die Architektur der "Elphi"

An dem Grundriss hat sich nichts geändert: ein Trapez mit einer Grundfläche von 6.000 Quadratmetern. Mit dem Kakaobunker als Grundlage wird das Gebäude von 17 auf 26 Stockwerke erweitert. Am höchsten Punkt misst „Elphi“ nun 110 Meter. Im Gegensatz zum ursprünglichen Kaispeicher besteht die wellenförmige Fassade des Überbaus aus Glas und Stahl. Insgesamt 1.100 unterschiedlich gebogene und bedruckte Glaselemente bilden ein Konstrukt, das knapp 78.000 Tonnen wiegt und damit eine Fläche von 16.000 Quadratmetern abdeckt.

Die 82 Meter lange Rolltreppe, „Tube“ genannt, befördert Gäste und Besucher vom Haupteingang, direkt zur Plaza oder den Konzertsälen.

Auf 37 Metern Höhe befindet sich das Verbindungsstück zwischen dem Kaispeicher und dem Neubau. Der Außenbereich der Elbphilharmonie Plaza verläuft einmal um das gesamte Gebäude.In dieser Höhe haben Besucher einen einmaligen Blick auf Hamburg im Allgemeinen und der HafenCity im Besonderen.

Die sogenannte „Westspitze“ hingegen ist nicht allen Besuchern zugänglich, sondern lediglich den Bewohnern. Auf der Westseite befinden sich 45 Apartments mit 120 bis 400 Quadratmeter Wohnfläche – Glasbalkon und Traumaussicht inklusive. Die Musterwohnung – voll ausgestattet, bereits eingerichtet und verkauft – bietet modernen Wohnkomfort dank KNX-Technologie. Gesteuert wird die Wohnraumtechnik über den Gira HomeServer in Verbindung mit der neuen Gira G1 Bedieneinheit. Wer den Ausblick auch über Nacht genießen möchte, kann in einem der 244 edlen Zimmer des Hotels „The Westin Hamburg“ residieren.

Aber auch in der Elbphilharmonie wurde intelligente Gebäudetechnik eingesetzt. Ausgestattet wurde das Gebäude mit Beleuchtungssteuerung, Schnittstellen zu diversen Gewerken, Verschattung und Video- und Audio-Systemen. Um schlichte Eleganz bis ins letzte Detail zu repräsentieren, wurde außerdem der Klassiker unter den Lichtschaltern verbaut – der Gira E2.

Impressionen des neuen Wahrzeichens

Im Herzen der Klang: Musik in der "Elphi"

Yasuhisa Toyota gilt als Koryphäe im Bereich der Akustik. Er ist verantwortlich für den Klang und plante die Konzertsäle der Elbphilharmonie. Das Ziel: Sowohl akustische als auch elektronische Soundsysteme und -elemente sollen perfekt auf den Zuhörer abgestimmt sein. Nach dem Weinberg-Prinzip konstruiert sitzt in dem großen Konzertsaal keiner der 2.100 Zuschauer weiter als 30 Meter vom Dirigenten entfernt. Gipsplatten reflektieren den Schall und tragen ihn so in den letzten Winkel des Saals. Perfekte Akustik, überall.

Der kleine Saal mit 550 Sitzplätzen ist dagegen schlicht rechteckig. Bei dieser Größe liefert bereits eine Holzvollverkleidung beste Ergebnisse im Bereich der Akustik. Beide Säle sind akustisch komplett losgelöst von externen Einflüssen. Die Räume werden rundherum von riesigen Stahlfedern gehalten. Schall und Vibration, egal wie laut, dringen weder nach innen noch nach außen.

Ausgestattet mit Instrumenten und Plätzen für 150 Gäste sollen die Kaistudios vor allem für Proben, Talentförderung, Mitmachangebote, Kleinkunst und Workshops zur Verfügung stehen.

Am 11. Januar zieht das NDR Elbphilharmonie Orchester mit offiziellem Konzert in die Elbphilharmonie ein. Das Konzert wird live übertragen – Karten sind jedoch geladenen Gästen vorbehalten. Darunter sicherlich auch der Orgelbauer Philipp Klais, dessen renommierte Bonner Orgelwerkstatt die Orgel über drei Etagen im großen Saal entworfen und eingebaut hat.

Ein Gebäude für alle

Die Hamburg Elbphilharmonie war ein Mammutprojekt, das nun vollendet ist. Architektur als Verlängerung der Musik – exklusiv im Design und anspruchsvoll in seinen Ideen. Ab dem 11. Januar 2017 öffnet die „Elphi“ endlich ihre Türen und lädt ein, Musik und Kunst zu erleben – auf viele erdenkliche Arten und Weisen. 

Hamburgs neues Wahrzeichen: Was halten Sie von der Elbphilharmonie? Ist das Konzerthaus an der Elbe für Sie eine Reise wert? Wir freuen uns auf Ihre Meinung.

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Architektur Design Hamburg

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