Nachhaltig leben – das erste Earthship Deutschlands

Stellen Sie sich vor, Sie könnten sich selbst versorgen. Sie hätten keine Heizkosten mehr, keine Stromrechnungen, keinen Abfall – ein Leben, natürlich und nachhaltig. Earthships sollen genau dies ermöglichen.

Wie wollen wir in Zukunft leben? Wie können wir umweltbewusst handeln und nachhaltig wohnen? Mit diesen Fragen hat sich die Zukunftswerkstatt „Schloss Tempelhof" auseinandergesetzt. Die Initiative testet seit einigen Jahren alternative Wohnformen in der Nähe von Schwäbisch Hall und hat zum ersten Mal in Deutschland eine Baugenehmigung für ein Earthship erwirkt. Mit der Hilfe von siebzig freiwilligen Helfern hat sich die Initiative ihren Traum erfüllt und im April das erste Earthship Deutschlands fertiggestellt.

Nachhaltiges Bauen mit Abfällen

Das Prinzip der Earthships hat der US-amerikanische Architekt Michael Reynolds Ende der 1970er Jahre entwickelt. Die mitunter ein wenig wie Hundertwasser-Gebäude anmutenden Häuser werden zu großen Teilen aus Zivilisationsabfällen gebaut.

Die Nord-, Ost- und Westseite eines Earthships sind geschlossen und bestehen meist aus gebrauchten, aufgefüllten Autoreifen, die wie Ziegel aufeinandergeschichtet werden. Die Wände sind nicht nur tragendes Element, sondern auch Wärmespeicher. Die zur Sonne gewandte Südseite ist verglast. Es wird ausreichend Wärmeenergie gewonnen − eine herkömmliche Heizung wird daher nicht benötigt. Auch Wasser speichert das Haus, indem Niederschläge über das Dach aufgefangen, in einem Kiesbett gefiltert und in eine unterirdische Zisterne geleitet werden. Photovoltaik und Windkraftanlagen liefern Strom und ermöglichen eine autarke Versorgung. Der Gedanke von Reynolds: Earthships können überall und von jedem gebaut werden, aus Dingen, die die Gesellschaft wegwirft, und ermöglichen den Bewohnern unabhängig und nachhaltig zu leben.

 
 

Impressionen des Earthships

Quelle: Youtube, Earthship Biotecture

Erstes deutsches Earthship im Schwabenland

2010 erwarb eine Gruppe von mittlerweile 140 Personen im Namen der gemeinnützigen Stiftung „Schloss Tempelhof“ das gesamte Dorf Tempelhof bei Schwäbisch Hall, um mit alternativen Wohnkonzepten zu experimentieren. Nachdem einige Mitglieder 2014 einen Vortrag des Earthship-Architekten Michael Reynolds besucht hatten, entwickelten sie die Vision, in „ihrem Dorf“ Deutschlands erstes Earthship zu bauen. Ende September 2015 haben die Bauarbeiten begonnen, rund siebzig Helfer aus der ganzen Welt waren daran beteiligt. Aus etwa 10.000 Flaschen und 1.000 alten Reifen wurde das Earthship gebaut – ein „lebendiges Haus“, das durch natürliche Energiequellen gespeist wird und das als Raum für neue Formen des Gemeinschaftslebens dienen soll.

 
Das Interesse an alternativen Arten des Zusammenlebens ist in den letzten Jahren stark gestiegen und Studien belegen, dass ein Trend nachhaltiger zu leben, zu verzeichnen ist. Ob weitere Earthships in Deutschland folgen werden, bleibt abzuwarten. Weltweit gibt es jedoch schon rund 1000 davon.

Wohnen der Zukunft oder eher utopisch? Könnten Sie sich vorstellen, in einem solchen alternativen Wohnprojekt zu leben?

Bildquelle: Henry Farkas, Earthship Deutschland

Schlagwörter

Earthship Nachhaltigkeit Umweltschutz Wohnen Wohnkonzept

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