Datenschutz im Smart Home

Flieder:

„Herr Erdmann, Sie waren gestern auf der Smart Home Convention und haben diversen Vorträgen und Publikumsgesprächen zu aktuellen Trends und Innovationen beigewohnt. Was war Ihr Eindruck?“

Erdmann:

„Die Branche ist sehr umtriebig im Bereich der Entwicklung von smarten Produkten. Ich gehe davon aus, dass wir bereits in wenigen Jahren einen Zustand erreichen können, wo einem –ein bisschen übertrieben ausgedrückt- vielleicht bis auf das Kochen selbst, die meisten kleinen Arbeitsvorgänge im Haus durch automatisierte Prozesse abgenommen werden können.“

Flieder:

„Will das der Verbraucher denn? Ist die Branche nur aktiv im Schaffen von Angebot oder ist auch die Nachfrage dafür da? Welches Stimmungsbild konnten Sie einfangen?“

Erdmann:

„Letztendlich eines, welches ich als informationstechnologischer Berater vieler Entwicklungsprojekte vorhergesehen habe. Das Stimmungsbild beim Verbraucher oder zukünftigen Verbraucher ist eigentlich durchweg positiv und in neugieriger Vorfreude. Die Entwicklungen treffen den Nerv der Zeit und generationsübergreifend das digitale Lebensgefühl der Verbrauchergemeinschaft. Die jüngere Generation fühlt sich in ihrem Streben nach Work-Life-Balance und nach technologisiertem Komfort verstanden, die ältere Generation insbesondere durch Aspekte der Kostenersparnis und des Umweltschutz.

Kleefeld:

„Das klingt ja durchweg gut. Wozu braucht man denn unseren Arbeitskreis noch?“

Erdmann:

„Ich war noch nicht ganz am Ende mit meinen Schilderungen.. Am präsentesten neben einem generell positiven Stimmungsbild, war die ebenso präsente Sorge um die Risiken, die mit einer derartigen Automatisierung des Eigenheims einhergehen. Ich fasse es mal zusammen unter dem Thema: Datenschutz. Davon wurden ganze Gesprächsrunden beherrscht. Sie hatten es in unserer letzten Runde angesprochen: Der Verbraucher möchte zwar den Komfort und die Arbeits- und Kostenersparnis - aber vor allem möchte er eins nicht: Kontrollverlust. Er möchte selbst steuern. Die Vernetzung sämtlicher Arbeitsabläufe im Haus und das dafür notwendige Einpflegen von Daten zum Nutzerverhalten und der im Haus lebender Personen macht den Verbrauchern Sorge.“

Flieder:

„Um welche Daten handelt es sich genau?“

Erdmann:

„Zum Beispiel wie viele Personen im Haus leben. Wann sich Lichter an und aus schalten, Jalousien auf- und zugehen - all‘ das, was ich mit Nutzerverhalten meinte und die darein interpretierbare An- und Abwesenheitszeiten der Hausbewohner. Vielleicht Kamerabilder, die Hausbewohner zeigen. Solche Daten sind gegebenenfalls in die Haussysteme eingepflegt.“

Kleefeld:

„Für Sie als Informatiker, der die herausragenden Möglichkeiten des Datenschutz kennt, vielleicht schwer nachvollziehbar. Aus psychologischer und rein menschlicher Perspektive sehr verständlich. Das würde mir als Datenschutz-Laie ebenso Sorgen bereiten. Was können die Experten entgegen setzen?“

Erdmann:

„Es ist wichtig, dass bei der Einrichtung eines Smart Homes bereits alle Faktoren der Datensicherheit mit berücksichtigt werden. Dabei gibt es einiges, was der Verbraucher selber tun kann. Das fängt bei der Passwort-Vergabe an und hört bei Zuteilung von Rechten und Rollen – also: Wer darf Einstellungen am System vornehmen und war sozusagen nur das Ergebnis genießen – auf. Damit wird dem Verbraucher bereits direkt Steuerungsmöglichkeit und Kontrolle mitgegeben, aber auch eine Sensibilisierung und ein Bewusstsein für die eigenen Daten.

Flieder:

„Gut. Das ist beruhigend zu hören, dass der Verbraucher selbst auch Einfluss auf den Erfolg des Schützens der eigenen Daten nehmen kann. Reicht aber sicherlich nicht aus.“

Erdmann:

„Natürlich nicht. Das habe ich nur angeführt, weil der Kollege Kleefeld den befürchteten Kontrollverlust angesprochen hat. Die Branche ist sehr fortgeschritten im Thema Datenschutz und sich des Themas absolut bewusst.

Es gibt mittlerweile bereits sehr überzeugende von Anbietern aufgestellte Regelwerke, die – sofern man sie bei der Einrichtung des Smart Homes beachtet – für einen absoluten Datenschutz sorgen.

Kleefeld:

„Klingt spannend. Nennen Sie bitte ein Beispiel.“

Erdmann:

Gira berät in diesen Fragen sehr fortschrittlich. Sie haben vollständige Checklisten herausgegeben, die mit dem einrichtenden Elektromeister Punkt für Punkt umgesetzt werden können, um eine umfassende Datensicherheit herzustellen. Die Checkliste gibt vor, folgendes zu beachten: 1. Der Verbraucher soll einen Vertrag mit dem Elektroinstallateur abschließen, um seinen Umgang mit vertraglichen Daten. 2. Das Sicherheitskonzept sollte von einer Stelle und damit ganzheitlich derselben Logik folgend für alle smarten Produkte eingerichtet werden. 3. Der Verbraucher muss sich dringend um eine fachgerechte Installation bemühen. 4. Datennetzwerke sollten einzeln voneinander gesichert werden: Die Haustechnik, das Internet, das Wartungssystem, mögliche Kameras. 5. Zusätzlich sollte es einen VPN-Client geben, der wie eine Art zusätzlicher Tunnel vor dem Haus funktioniert. Will man sich also von außen einloggen – bspw. der Hausbewohner über Smartphone oder Tablet – muss er eine extra VPN-Verbindung herstellen. Ein reiner Internetzugang reicht nicht aus. Das gibt doppelten Schutz. Dazu kommen die oben angesprochenen Passwortvergaben und die Zuteilung von Rechten auf die Hausbewohner. Die Gira-Checkliste ist lang und umfangreich. Wenn man dieser gemeinsam mit Fachpersonal folgt, kann man seinen Komfort in Sicherheit genießen und sich auch in Abwesenheit entspannen.“

Datenschutz und Datensicherheit im Smart Home - welche Aspekte sind Ihnen am wichtigsten?

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