Die Wüste bebt - Burning Man

Jeden September entwickelt sich die Wüste Nevadas zu einem Anziehungsort für Menschen auf der Suche nach Inspiration, Kreativität und Selbsterfahrung. Die Kunstveranstaltung „Burning Man“ ist zum Kult-Event geworden und zieht jedes Jahr mehr als 70.000 Menschen in ihren Bann.

Das Event „Burning Man“ fand zum ersten Mal 1986 statt und wiederholt sich seitdem jährlich – in diesem Jahr vom 28.8.- 5.9. Es zieht Menschen von überall und aus allen Schichten und Positionen an. Für die gemeinsame Zeit in der Wüste gibt es Regeln: Die zehn Burning-Man-Prinzipien. Diese sind der Schlüssel für eine erfolgreiche Zusammenkunft der Teilnehmer und der Selbstorganisation der Gemeinschaft. Doch was zeichnet die Faszination dieser Veranstaltung aus? Gira Mitarbeiter Ralf Engels ist leidenschaftlicher Teilnehmer und gibt einen Einblick.

Unterwegs in Amerika

Während einer USA-Reise 2010 mit Freunden, landete ich eher zufällig auf dem Burning Man Festival. Fasziniert von den Menschen und ihrer Kreativität kehrte ich nach Deutschland zurück. Das Burning Man Feuer in mir war entzündet. Es dauerte ein weiteres Jahr bis ich meine Frau infiziert hatte. Seitdem fahren wir gemeinsam jedes Jahr dorthin.

Burning Man: Der erste Eindruck

In der trostlosen Weite Nevadas liegt die Black Rock Desert eine auf den ersten Blick überwiegend eher langweilige Salzton-Wüste. Welcome home! Rufen die „Greeter“ den anreisenden Teilnehmern entgegen. Willkommen zu Hause! Für viele Burner, so nennen sich die Besucher des Burning Man Festivals, ist es ein zweites Zuhause, ein ganz besonderes. Einlass wird jedoch nur demjenigen gewährt, der sich als glücklicher Inhaber eines Tickets ausweisen kann. Wer das erste Mal zum Burning Man kommt, muss sich am Eingang im Staub wälzen, bevor er Black Rock City (BRC), so nennt sich die Stadt, betreten darf. Ein wunderbares Ritual, denn das ist der Beginn von Dust-Ansammlungen in jeder kleinsten Ritze von allem, was man hergebracht hat: Fahrzeug, Kleidung, Essen und allem, was man für diese unbeschreibliche Zeit brauchen wird.

Plötzlich entsteht eine Stadt mitten in der Wüste

Die 70.000 Bewohner machen Black Rock City für eine Woche zur drittgrößten Stadt im US Bundesstaat Nevada. Schon Wochen vor dem offiziellen Beginn des Happenings legt eine Heerschar an freiwilligen Helfern den Grundstein für die Stadt und nicht nur dort ist man fleißig. Rund um den Globus entstehen bereits Monate vorher hunderte liebevoll kreierte, eigenwillige, skurrile, praktische, provokante, amüsante und immer bestaunenswerte Projekte, welche die Burner auf abenteuerlichste Weise mit in die Wüste bringen. Von einer Outdoor Bowling Bahn bis zu einem riesigen, halb im Sand versinkenden Piratenschiff, der Kreativität sind fast keine Grenzen gesetzt. Aber nicht nur Kunst, auch das Zwischenmenschliche bildet eine nicht minder starke Komponente des Festivals. Hunderte von Veranstaltungen sind im Playa Guide gelistet: von Yoga bei Sonnenaufgang, über das German Beer Tasting, bis hin zum Tedx Talk mit bekannten Sprechern, wie beispielsweise Chip Conley, Hotelier und Unternehmer oder Charles Eisenstein, US-amerikanischer Kulturphilosoph und Autor. Viele Events finden mehr oder weniger spontan statt, denn eine der Devisen lautet auch: Lebe im hier und jetzt und genieße jeden Augenblick. Ist man mit dem Fahrrad durch die Straßen der Stadt unterwegs, gibt es an fast jeder Ecke etwas zu entdecken und es ist ein pures Vergnügen, sich zum Mitmachen animieren zu lassen. Ein riesiger Spielplatz für das Kind im Erwachsenen.

Inspirierende Einblicke

Ein soziales Experiment: Muster des gemeinsamen Handelns

All das erfolgt ohne kommerziellen Hintergedanken, denn hier herrscht die Kultur des Schenkens und des Beschenktwerdens. Eines der 10 Prinzipen des Burning Man. Es gibt mit Ausnahme von Eiswürfeln, Kaffee und isotonischen Getränken nichts zu kaufen. Was für die Zeit des Aufenthaltes in der Wüste benötigt wird, bringt sich jeder eigenverantwortlich mit. Mit Ehrfurcht realisiert man dann auch das verdrängte Wissen, dass ohne Wasser kein Leben möglich ist. Leave no trace – hinterlasse keine Spuren ist eine weitere Regel der 10 Prinzipen. Und tatsächlich, wenn es nicht so staubig wäre, könnte man glatt vom Boden essen. Hier liegt kein Müll herum. Sollte einmal etwas herumfliegen, was bei den zahlreichen Sandstürmen durchaus möglich ist, stürzen sich umgehend emsige Menschen darauf und sammeln es wieder ein. Das Besondere in diesem Zusammenhang: Es gibt keine allgemeinen Mülltonnen, denn jeder ist für seinen Müll selbst verantwortlich, trotzdem fühlen sich alle verpflichtet, für Sauberkeit zu sorgen. Aufgrund der unkonventionellen Art des Zusammenlebens, bezeichnen einige Burning Man auch als das größte soziale Experiment der Welt. Bereits nach kürzester Zeit im Staub, inmitten der Sandstürme, tagsüber der Hitze ausgesetzt, nachts der Kälte, ohne fließendes Wasser, ohne Geld, denkt man nicht mehr in gesellschaftlichen Klassen. Hier ist jeder gleich!

Irgendwo in der Wüste: Ort der Inspiration und Kreativität

So kann es sein, dass man bei einer der vielen Veranstaltungen plötzlich einem Pop Star oder einer der Silicon Valley Größen gegenübersitzt. Die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin nehmen seit Jahren teil.

Ebenso wurden Mark Zuckerberg von Facebook, Jeff Bezos, Chef von Amazon, oder Tesla-Gründer Elon Musk hier schon gesehen. „Silicon Valley ist ohne Burning Man nicht zu erklären", heißt es in einer kürzlich ausgestrahlten ZDF-Doku mit Klaus Kleber. Chip Conley, Mitorganisator von Burning Man, sagt: „Neugier ist der Treibstoff für Kreativität". Burning Man und Silicon Valley sind beide von dieser Eigenschaft getrieben. So ist es nicht verwunderlich das Tesla Gründer Elon Musk und seine Cousins die Idee für ihre Firma Solarcity beim Burning Man hatten und auch die erste Idee für Google Maps soll hier entstanden sein. Hier haben einige der neusten Trends ihren Ursprung. Wenn die Nacht über die Stadt hereinbricht, wird eine vollkommen neue Welt geboren. Alles leuchtet und blinkt, spektakuläre, technisch aufwendige Fahrzeuge, sogenannte Art Cars, fahren – begleitet von lauter Musik – feuerspuckend über die Playa. Hunderte Partys beginnen, mal klein und familiär oder riesig mit mehreren hundert Besuchern, alle unter einem anderen Motto, mit allen möglichen Varianten musikalischer Ausrichtungen. Burning Man dauert acht Tage und endet traditionell am ersten Montag im September, dem Labor Day. Der Höhepunkt ist das Verbrennen einer sich jährlich verändernden menschlichen Statur – dem Burning Man – am sechsten Tag. Die Teilnehmer sehen nach dem Event staubig und erschöpft aus, acht Tage unter härtesten Umgebungsbedingungen fordern ihren Tribut, doch in den Augen funkelt der Geist des Burning Man. In der Wüste ist es jetzt wieder still, nichts blieb zurück. Die Regenschauer im Herbst beseitigen noch die verbleibenden Fahrzeugspuren im Sand. Bis im nächsten Jahr alles wieder von vorne beginnt.

Ist es eine Erfahrung, die auch Sie reizen würde?

Schlagwörter

Design Kunst Lifestyle Urlaub

Kommentare

Starten Sie die Diskussion über diesen Artikel

Das wird Sie auch interessieren

  • |
  • Design+Lifestyle

  • |

Für das Außergewöhnliche im Leben: Innovative Wohnkonzepte

Haben Sie schon einmal frei hängend an einer Felswand übernachtet?

  • |
  • Trends

  • |

Vernetzt und unabhängig: Das sind die Technik-Trends 2016

Die Obergriffe des Jahres sind „Smart Home“, „Augmented Reality“ und „Wearables“

  • |
  • Trends

  • |

Die Zukunftstrends der Mobilität

Vier visionäre Modelle zukünftiger Fortbewegung

Meistgelesene Artikel