Nina Mair: vom Altbau zu zeitloser Architektur

Zeitloses Design, Funktionalität und Materialverständnis: Drei Faktoren, die mit den Entwürfen Nina Mairs verknüpft werden. Bekannt ist die 1978 in Österreich geborene Tirolerin vor allem für ihre Arbeiten als Produktdesignerin und Innenarchitektin. Daneben arbeitet sie außerdem erfolgreich als Architektin. Ihr neustes Projekt ist das Botany House. Das Besondere daran: die Flexibilität des Grundrisses. Denn nach dem Umbau verfügt das Sanierungsprojekt über ein variables Raumvolumen. 

G-Pulse Redaktion: Frau Mair, erzählen Sie uns, welche konkreten Ziele es für die Sanierung des Hauses gab?

Mair: Das Ziel für die Sanierung des Hauses war es, aus dem relativ verschachtelten Gebäude mit kleinen Räumen, ein komplett neues Wohnerlebnis mit großzügigem Volumen zu schaffen. Wichtig bei unserem Konzept war es Klarheit, Geradlinigkeit und große Öffnungen zu schaffen.

Alle Räume des Hauses sind hell und offen. Quelle: Nina Mair

G-Pulse Redaktion: Wie viel ist von dem Ursprungsgebäude des Botany House noch erhalten?

Mair: Vom ursprünglichen Gebäude ist ausschließlich das Kellergeschoss und der Erschließungskern unberührt geblieben. Die ursprüngliche Kubatur, die sich durch die steilen Satteldachflächen auszeichnet, haben wir in unserem Entwurf wiederaufgenommen. Die Außenwände und das Dach wurden neu aufgebaut. Dadurch sollte sich das Gebäude wieder homogen in die Bebauungsform des Viertels eingliedern.

G-Pulse Redaktion: Was zeichnet das Design des Hauses aus?

Mair: Wie der Name Botany House schon verrät, sind wir auf die Leidenschaften der Bauherren eingegangen. Botany bezeichnet die Lehre der Pflanzen. Zudem spielt die Liebe zur Literatur für die Besitzer eine große Rolle. Dementsprechend platzierten wir die Themen Pflanzen und Literatur in unserem Entwurf. Ein besonderes Merkmal des Hauses ist die zweigeschossige Bibliothek im Obergeschoss. Sie erstreckt sich bis ins Dachgeschoss, in welches man nur über eine fahrbare Treppe gelangt. Über diese Treppe sind auch die obersten Stellagen des Bücherregals zu erreichen.

Durch ganz bewusst gesetzte Öffnungen wird der Garten erlebbar und somit zum weiteren Highlight. Die Fenster sind mit besonders breiten Fensterbänken in Sitzhöhe ausgestattet. In den geschaffenen Sitznischen, kann man den Ausblick auf den Garten in vollen Zügen genießen.

G-Pulse Redaktion: Welche Rolle spielt Georg Bechter innerhalb dieser Kooperation?

Mair: Das Projekt ist ein Gemeinschaftsprojekt mit meinem Kollegen Georg Bechter. Wir konnten uns durch unsere unterschiedlichen Expertisen sehr gut ergänzen. Besonders in Sachen Lichtplanung konnten wir auf seine Erfahrung und Kreativität bauen. Die Elemente verschmelzen förmlich mit der Architektur und sorgen so für eine besondere Atmosphäre.

G-Pulse Redaktion: Was gefällt Ihnen persönlich am besten an diesem Projekt?

Mair: Im Erschließungskern, der im Erdgeschoß als zentrales Element freisteht, sind neben der Treppe auch eine Sanitäreinheit, ein Wirtschaftraum und ein Ofen untergebracht. Aus diesem taupefarben gestalteten Kern können Schiebewände herausgezogen und so Raumzonen abgetrennt werden. 

Dadurch können die Bauherren ihren Grundriss ständig verändern und an ihre Bedürfnisse anpassen. Was mir zudem besonders gut gefällt, sind die großen Durchbrüche. Beispielsweise der Luftraum zwischen Erdgeschoss und Obergeschoss. Denn hier entstand ein zweigeschossiger Raum, der den Wohnraum sehr großzügig macht. Gerade solch ein Volumen erwartet man sich nicht beim Betrachten des Hauses von außen.

G-Pulse Redaktion: Spielten bei der Planung des Botany House Themen wie Nachhaltigkeit und Energieeffizienz eine Rolle?

Mair: Das Bestandsgebäude stammte aus den 80er Jahren. Die Außenwände im Erdgeschoss sind mit gedämmten Ziegelmauerwerk gebaut worden, während die oberen Geschosse in Holständerbauweise errichtet wurden. So haben wir mit der Sanierung einen sehr hohen Energieeffizienzwert erreichen können.

Was halten Sie von einer solchen Umgestaltung des Eigenheims? Wäre das auch eine Option für Ihr Zuhause?

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Matthias 08.10.2017  |  10:17

Es wäre schön wenn Sie den Grundriss auch zeigen würden.

Kommentare (1)

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