Biophilic Design: Leben und Arbeiten in naturinspirierter Umgebung

Zimmerpflanzen auf dem Schreibtisch, Kletterrosen am Haus und Neubauten mit Panoramafenstern. Schon 1964 beschreibt der Psychoanalytiker Erich Fromm unsere „Liebe zum Leben und allem Lebendigen“ und nennt sie Biophilie. Unsere RealitĂ€t sieht aber anders aus: Laut einer Studie verbringen wir bis zu 90 Prozent unseres Alltags in geschlossenen RĂ€umen. Die Vereinten Nationen schĂ€tzen, dass bis 2050 zwei Drittel der Weltbevölkerung in Megacitys leben. Und die Natur? Kaum noch vorhanden. Um dem entgegen zu wirken, beschĂ€ftigen sich Architekten und Designer mit einem ganz neuen Konzept – dem Biophlic Design.

Biophilic Design: KreativitÀt rauf, Stress runter!

Egal, ob der Spaziergang durch die blĂŒhende Blumenwiese oder eine Pause am plĂ€tschernden Bach: In der Natur bauen wir Stress ab und werden kreativ. Zahlreiche Studien bestĂ€tigen die positive Wirkung der Natur auf unsere Gesundheit.

Um dieses Wohlbefinden auch zu Hause oder im BĂŒro aufrechtzuerhalten, ist das Konzept Biophilic Design entstanden. Damit werden Gestaltungskonzepte bezeichnet, die unsere angeborene Verbundenheit mit der Natur fördern.

Innenarchitekten nutzen diese Verbundenheit und gestalten naturnahe Umgebungen in WohnrĂ€umen, BĂŒros, Schulen und KindergĂ€rten – passend zu der jeweiligen Raumsituation. In BĂŒros sorgen beispielsweise biodynamische Leuchten fĂŒr Tageslicht-AtmosphĂ€re, wĂ€hrend Pflanzen selbst in der dunkelsten Ecke von innovativen Lichtrahmen beleuchtet werden und begrĂŒnte InnenwĂ€nde Schadstoffe aus der Raumluft filtern. Farben und OberflĂ€chen aus der Natur erzeugen zusĂ€tzlich eine natĂŒrliche Umgebung, schĂ€rfen die Sinne und fördern unsere KreativitĂ€t.

Sorgen Sie in BĂŒrorĂ€umen fĂŒr eine Tageslicht-AtmosphĂ€re. Quelle: Luctra / YouTube

Biophilic Design: Wenn Architektur und Natur verschmelzen

Was im Innenraum möglich ist, lĂ€sst sich im Biophilic Design auch auf den Außenbereich ĂŒbertragen. Ein bemerkenswertes Beispiel dafĂŒr ist der Hochhaus-Komplex One Central Park im australischen Sydney. Hier haben der Stararchitekt Jean Nouvel und der französische Botaniker Patrick Blanc urbane Architektur und Natur zu einer Einheit verbunden. Bei der Fassade der zwei WohntĂŒrme handelt es sich um einen vertikalen Garten, der sich ĂŒber 34 Stockwerke gen Himmel streckt.

Mehr als 36.000 Pflanzen und 250 verschiedene Arten wachsen an 15.000 Meter-Stahlseilen und sorgen im Sommer fĂŒr kĂŒhle WohnrĂ€ume – ganz ohne Klimaanlage. Die Pflanzen werden mit Gebrauchswasser automatisch bewĂ€ssert. Auch fĂŒr die Passanten auf der Straße ist die grĂŒne Wand ein Gewinn. Sie reinigt die Luft von Abgasen und stimuliert als Hingucker die Sinne.

Jean Nouvel hat ein herausragendes Beispiel fĂŒr Biophilic Design erschaffen. Quelle: The Age & Sydney Morning Herald / YouTube

Eine spezielle Form des Urban Gardening haben die Architekten von Konos Designs im japanischen Tokio umgesetzt. Beim Urban Gardening werden FlĂ€chen in dichtbesiedelten Gebieten der Allgemeinheit fĂŒr den Gartenanbau zur VerfĂŒgung gestellt. So können auch Stadtbewohner, die keinen eigenen Garten haben, GemĂŒse zĂŒchten. Im neunstöckigen GebĂ€ude der Personalvermittlung Pasona wachsen Reis und bis zu 200 GemĂŒse- und Ostsorten wie auf einer Farm, teilweise sogar ohne Tageslicht.

Die Idee dahinter: Statt fertige Produkte im Supermarkt zu kaufen, sollen Angestellte Agrarwirtschaft auf einer AnbauflĂ€che von 4.000 Quadratmeter erleben können. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen kĂŒmmern sich um die Pflege, die Ernte wird der firmeneigenen Kantine zur VerfĂŒgung gestellt.

Frischer GemĂŒseanbau fĂŒr die Firmenkantine. Quelle: Kirstin Dirksen / YouTube

Auch im Farmhouse, einem Projekt des chinesisch-österreichischen Architektenpaares Fei und Chris Precht, bilden Architektur und Landwirtschaft eine untrennbare Einheit. Kern der Idee sind modular gebaute HolzhĂ€user, in denen man wohnen und gleichzeitig Obst und GemĂŒse anbauen kann.

Die einzelnen Dreieckskörper aus Holz werden im Werk vorgefertigt und lassen sich beliebig um neue Parzellen erweitern: zum Beispiel fĂŒr WohnrĂ€ume, TreibhĂ€user oder Balkone.

Natur und Architektur bilden eine untrennbare Einheit. Quelle: Chris Precht / YouTube

Natur inspiriert Architektur- und Wohnkonzepte

Das Leben in der Stadt ermöglicht viele Vorteile, in dichtbesiedelten Gebieten gibt es aber wenig Möglichkeiten eine Verbindung zur Natur herzustellen.

Architektur- und Wohnkonzepte im Biophilic Design drehen die Entwicklung um und schaffen die Basis fĂŒr ein Leben und Arbeiten mit der Natur.

Welche Impulse aus der Natur haben Sie sich bereits in den Wohnraum geholt? Diskutieren Sie mit uns ĂŒber Biophilic Design.

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