Diese berühmten Architekten prägen unsere Zeit

Das Louvre in Abu Dhabi, der Ground Zero in New York und das Guggenheim Museum in Bilbao: Sie haben eines gemeinsam. Sie stammen aus der Feder berühmter Architekten, prägen Stadtbilder und regen Besucher und Bewohner gleichermaßen zur Diskussion an.

Le Corbusier (1887 – 1965): Moderne und Brutalismus

Der Schweizer Charles-Édouard Jeanneret-Gris, der 1887 in La Chaux-de-Fonds geboren wird – ist unter dem Namen Le Corbusier bekannt und zählt zu den berühmtesten Architekten der Moderne. Le Corbusier lässt sich 1900 zunächst zum Künstler, Goldschmied und Graveur ausbilden, bevor er 1904 Architektur studiert und später in führenden Architekturstudios in Europa arbeitet. Dort interessiert er sich vor allem für Stahl und Eisenbeton. 1914 gelingt ihm bereits die Entwicklung des Skelettsystems Domino aus Stahlbeton – ein Gerüst, das später für den Bau von Mehrgeschossbauten dient.

Le Corbusier ist zeitlebens nicht nur Architekt, sondern macht sich auch mit seinen Theorien über städtebauliche Konzepte einen Namen.

Seine Ansätze sind teilweise umstritten – ein Beispiel dafür sind die langen Wohnblöcke „unités d’habitation" aus Stahlbeton, die er in Marseille und Berlin umsetzt. Sie sollen Industriearbeitern Wohnraum zur Verfügung stellen und dem Wohnungsmangel entgegenwirken. In den Wohnblöcken stapelt er Wohnungen und Einrichtungen des täglichen Bedarfs übereinander – und so entstehen die Vorläufer zum Plattenbau und einer Architekturrichtung, die später Brutalismus genannt wird. Die Gebäude bestehen meist aus Sichtbeton, haben eine simple Formensprache und ihre Struktur ist nur grob ausgearbeitet. Kunst ist das für Le Corbusier dennoch. Er sagte einmal:

"Architektur ist das kunstvolle, korrekte und großartige Spiel der unter dem Licht versammelten Baukörper“.

17 seiner Gebäude gehören heute zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Über den Architekten Le Corbusier. Quelle: SWI swissinfo.ch - English / YouTube

Frank Gehry (*1929): Dekonstruktivismus

Wer sich mit dem Architekturstil Dekonstruktivismus beschäftigt, wird schnell auf einen anderen Namen stoßen: Frank Gehry. Der berühmte Architekt, der 1929 in Toronto als Sohn zweier Immigranten jüdisch-polnischer Herkunft geboren wird, lebt heute in Kalifornien. Das Auffällige an Gehrys Gebäuden: Sie sind immer ein Hybrid zwischen Architektur und Kunst, denn Gehry geht an die Grenzen möglicher Architektur. Geometrien werden gebrochen, Räume scheinen zu kippen und Wände werden von innen nach außen gekehrt.

Doch das war nicht immer so, baut Gehry am Anfang seiner Schaffenszeit noch konventionell. Der Ursprung der dekonstruktiven Bauweise liegt in Santa Monica, wo Gehry und seine damalige Frau Berta Isabel Aguilera in den 70er Jahren wegen Familienzuwachs in ein neues Wohnhaus ziehen.

Dort setzt er seine kühnen architektonischen Ideen erstmals um, experimentiert mit scheinbar wertlosen Materialien wie Wellpappe, Sperrholz oder Wellblech.

Die Bauwerke Frank Gehrys sind vieldiskutierte Geschmackssache, einen bleibenden Eindruck hinterlassen sie alle. Ein Beispiel ist das Tanzende Haus in Prag, das sich in unmittelbarer Nähe zur historischen Karlsbrücke befindet und 1966 gebaut wurde. Die beiden lehnenden Türme stellen ein tanzendes Paar dar; das beliebte Tänzerpaar Fred Astaire und Ginger Rogers stand damals Muse für diesen Bau. Neben der ungewöhnlichen, in sich geschwungenen Form sind auch die vielen schrägen Fenster und die geschwungenen Betonstelzen typisch für dieses Gehry Bauwerk.

Berühmte Architekten wie Frank Gehry haben sich dem Dekonstruktivismus verschrieben.
Vitra Design Museum wurde von dem berühmten Architekten Frank Gehry entworfen.
Der berühmte Architekt Frank Gehry half beim Bau zu Ehrung des verstorbenen errichtet ist das Gebäude eine Erinnerung an Lillian B. Disneys verstorbenen Ehemanns Walt Disney.

Norman Foster (*1935): High-Tech-Architektur

Der britische Architekt Norman Foster zählt mit seinem Studio Foster and Partners bis heute zu den gefragtesten Planern der Welt. 1935 geboren und aus bescheidenen Verhältnissen kommend, prägen seine Werke heute die Metropolen der Welt. Foster wird gerne als High-Tech-Architekt bezeichnet – eine Architektur-Strömung, die in den 70er Jahren aufkommt und neue Werkstoffe der High-Tech-Industrie wie Glas und Stahl verwendet. Beispiel dafür ist die begehbare Glaskuppel im Rahmen der Umgestaltung des Berliner Reichstags zwischen 1994 und 1999.

Dass Foster in seinen Gebäuden immer nach einer Interpretation von Vergangenheit und Zukunft sucht, zeigt der Reichstag eindrucksvoll. Hier werden nicht nur zwei architektonisch unterschiedliche Stilrichtungen, sondern ebenso gesellschaftliche Epochen miteinander verbunden. Letztlich dient die Kuppel als Symbol für ein vereintes Deutschland, das eine dunkle Vergangenheit überdeckt – ohne sie dabei verstecken zu wollen.

Neben zahlreichen Auszeichnungen hat Foster unter anderem 1999 den renommierten Pritzker-Preis erhalten. Bereits 1990 wurde er von Königin Elisabeth II. zum Ritter in den Adelsstand erhoben.

Einblicke in den Deutschen Bundestag.Quelle: Historical Speeches TV / YouTube

Daniel Libeskind (*1946): Erzählende Formensprache

Auch die Werke des als amerikanischen Planers Daniel Libeskind, der 1946 in Polen geboren wird und jüdischer Abstammung ist, lassen sich auf den ersten Blick schnell erkennen. 1960 siedelt er mit seiner Familie in die USA, studiert dort zunächst Musik, bevor er sich der Architektur widmet.

Daniel Libeskind will mit seinen Werken vor allem erzählen: Hinter seinen Gebäudeentwürfen stehen vor allem Geschichten und Gefühle. Ein Beispiel dafür ist das jüdische Museum in Berlin, das er bis 1998 baute. Von oben betrachtet präsentiert sich das Bauwerk in einem Zickzack-Grundriss.

Libeskind wollte mit der verwinkelten Gestaltung des Museums und der fehlenden Struktur der Innenräume die Zerstörung der jüdischen Gesellschaft in Deutschland erlebbar machen. Die sogenannten Leerräume mit dem Namen Voids sind für Libeskind das wichtigste Strukturelement: Sie irritieren den Besucher beim Gang durch das Museum uns sorgen für Desorientierung.

Später schreibt Libeskind mit der Entwicklung des Masterplans für die Gestaltung des 16 Hektar großen Ground Zero in New York Architekturgeschichte, das durch den Terroranschlag vom 11. September zerstört wurde. Libeskind arbeitete hier eng mit Beteiligten aus der lebendigen Nachbarschaft in Manhattan zusammen, um authentische Erinnerungen an die Tragödie miteinzubringen.

Die Historie des jüdischen Museums in Berlin. Quelle: A.C. Souhrada / YouTube

Jean Nouvel (*1945): Zwischen Mensch, Raum und Zeit

Jean Nouvel wird 1945 im französischen Fumel als Sohn eines Lehrerehepaars geboren und studiert Architektur an der staatlichen Hochschule der Schönen Künste in Paris. Zum Ende seines Studiums gründet er 1970 zusammen mit François Seigneur sein erstes Büro. 1987 erzielt er mit der Umsetzung des Instituts für die arabische Welt in Paris (Institut du Monde Arabe) seinen internationalen Durchbruch.

Nouvel glaubt an eine Architektur, die einzigartige Konzepte für Mensch, Ort und Zeit schaffen kann. Und so folgt keines seiner Bauwerke einer einheitlichen ideologischen oder stilistischen Überzeugung. Ein Beispiel dafür ist das 142 Meter hohe Hochhaus Torre Agbar, das er 2005 für Hauptverwaltung der Agbargruppe in Barcelona umsetzt. Nouvel selbst sieht in dem Turm keinen typischen Wolkenkratzer, sondern vielmehr eine Art Wasserfontäne, die aus dem spanischen Erdreich entsteht.

Gegenüber klassischen Hochhäusern aus Beton zeigt der Turm je nach Lichteinfall ein anderes Farbenspiel. Grund dafür sind verschiedene Lackfarben, die das Sonnenlicht zurückwerfen, und Glaslamellen vor der Fassade.

Nouvels bislang größtes Projekt ist der Louvre in Abu Dhabi – ein Prestigeprojekt mit einer Fläche von 24.000 Quadratmetern und einer weißen Stahlkuppel mitten im Wüstensand der künstlichen Insel Saadiya, Abu Dhabi. Transparenz und Lichteffekte kommen auch hier zum Einsatz. Durch das Dach fällt Sonnenlicht wie Regen auf die Besucher. Mehr als eine Milliarde Euro zahlten die Bauherren, um den offiziellen Namen Louvre 30 Jahre lang auch in Abu Dhabi nutzen zu können – Know-how und Kunstwerke inklusive.

Neben anderen internationalen Auszeichnungen wird Nouvel, der mittlerweile über 200 Gebäude geschaffen hat, 2008 mit dem Pritzker-Architekturpreis geehrt.

So entstand der Louvre Abu Dhabi von Jean Nouvel. Quelle: The B1M / YouTube

Berühmte Architekten prägen unsere Zeit

Über viele Jahrzehnte hinweg haben Architekten weltweit Städte und Regionen geprägt – und tun es bis heute. Hinter den Köpfen stehen außergewöhnliche Konzepte und immer wieder neue Materialien, die zum Einsatz kommen.

Wir dürfen gespannt sein, welche architektonischen Entwicklungen im 21. Jahrhundert auf uns warten.

Welcher ist Ihr Favorit unter den berühmten Architekten? Und welches seiner Bauwerke mögen Sie besonders? Wir freuen uns über Ihren Kommentar.

Architektenporträt Architektur Kunst
Kommentare
J
Julia 28.07.2019  |  14:16
Antworten

Bevor  der unsympathische und Ideenklauer Norman Forster auf die Liste gesetzt wird, kommen noch etliche andere Architekten/Architektinnen wohl in Frage! Absolut unprofessionell die Liste, das ärgert!

GR
G-Pulse Redaktion 29.07.2019  |  9:26

Hallo Julia,
wir denken, die Geschmäcker diesbezüglich sind sehr unterschiedlich. Wäre ja auch ziemlich langweilig, wenn sich alle einig wäre. Wir danken Ihnen dennoch für Ihre ehrlichen Worte. Welchen Architekten hätten Sie stattdessen lieber auf die Liste gesetzt? Stöbern Sie gerne auch ein bisschen auf unserer Architektur-Seite. Dort finden Sie noch weitere, spannende Persönlichkeiten mit ihren Werken.
Viele Grüße
Ihre G-Pulse Redaktion

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C
Christian 29.06.2019  |  18:26
Antworten

Ein Architekt mochte nur gekochte Eier. Mies van der Rohe.

Das ist schwierig, diese Liste als absolut dastehen zu lassen. Frank Lloyd Wright, Prof. Dr. Egon Eiermann oder Li Pei würden wohl auch dazu gehören. 

GR
G-Pulse Redaktion 01.07.2019  |  11:00

Hallo Christian,
da haben Sie Recht – es gibt noch weitere erwähnenswerte und inspirierende Architekten. Deshalb würden wir die fünf Vorgestellten auch nicht als absolut sehen, sondern lediglich als eine Auswahl.
Kommen Sie gut in die Woche
Ihre G-Pulse Redaktion

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Kommentare (2)

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