Baum im Haus: Lassen Sie die Natur einziehen

Rund um den Globus wuchern stĂ€hlerne Monolithen und Betonklötze in der urbanen Landschaft. Doch obwohl immer mehr Menschen in der Stadt leben, bleibt der Wunsch nach einem naturnahen „Draußen-GefĂŒhl“ bestehen. BĂ€ume stehen symbolisch fĂŒr dieses GefĂŒhl und sind heute ein beliebtes Gestaltungsmittel der Architektur oder der Inneneinrichtung. Wir zeigen Ihnen fĂŒnf Projekte, die zeigen, wie BĂ€ume ein Teil Ihres Wohnraums werden können.

Baum im Haus: Architekturkonzept fĂŒr umweltfreundliches Wohnen

Sie haben schon als Kind den Sommer am liebsten in Baumwipfeln verbracht? Das Projekt Tree in the House von Aibek Almassov lĂ€sst dieses GefĂŒhl aufleben, hat mit einem Baumhaus aus Kindheitstagen aber wenig gemeinsam. Schon 2013 entwarf der Architekt ein Glashaus im Wald, das einen ausgewachsenen Baum in den Mittelpunkt des Designs stellt.

Die zylinderförmige, transparente Glasfassade bietet eine immergrĂŒne 360-Grad-Aussicht auf die bewaldete Umgebung. Eine weiße Wendeltreppe windet sich ĂŒber fĂŒnf Stockwerke den Stamm empor. Glasierte Balustraden mit HolzgelĂ€ndern umgeben das Atrium auf jeder Ebene. Das Erdgeschoss bietet Platz fĂŒr eine kleine KĂŒche und ein Badezimmer mit Toilette, Waschbecken und Duschkabine. Eine Etage höher können Bewohner in der heimischen Bibliothek schmökern und an der Baumspitze im Dachgeschoss Kaffee trinken.

Das bewohnbare GewÀchshaus soll eine umweltfreunde Alternative zu den BetonkÀsten in der Stadt sein und der Umwelt nicht schaden. Das Konzept sieht vor, dass Solarpaneele auf dem Dach das autarke Eigenheim mit Energie versorgen, so dass es an keinen urbanen Baugrund gebunden ist.

Einblicke in das glÀserne Baumhaus. Quelle: Tech Insider / YouTube

Baum trifft Beton im Gartenpavillon

Die Natur hat der Baukunst etwas voraus: Sie war zuerst da. Einige Bauherren erkennen darin ein Bleiberecht, das es zu schĂŒtzen gilt – so auch bei einem Bauprojekt in der australischen Stadt Balnarring. Wild gewachsene BĂ€ume im Garten sprachen zunĂ€chst gegen eine ErgĂ€nzung des Wohnhauses.

Um dieses StĂŒck Natur zu wahren, betonten die Architekten von Branch Studio einen Baum im Haus als zentrales Gestaltungsmittel.

Sie setzten einen schlanken Wohnkubus zwischen die BĂ€ume und ordneten drei Bereiche mit Schlafzimmer, Bad und einem Ankleideraum linear darum an.

Ein Knick im Grundriss schafft Platz fĂŒr einen kleinen Innenhof, in dessen Zentrum eine Silberbirke bis zur Dachterrasse emporwĂ€chst. Die minimalistische Betonverkleidung im Inneren und die Holztafeln der Fassade betonen die natĂŒrliche Ästhetik des neuen Gartenpavillons.

Wohninspiration: Baum im Haus. Quelle: BRANCH STUDIO ARCHITECTS / YouTube

Knorrige Riesen im neuen Haus: BĂ€ume als Bauelemente

Vor einer Ă€hnlichen Herausforderung standen die Architekten von Hironaka Ogawa: Als ein Familienhaus im japanischen Bezirk Kagawa erbaut wurde, waren bereits ein Keyaki- und ein Kampferbaum auf dem GrundstĂŒck verwurzelt und wuchsen ĂŒber Jahrzehnte mit der Familie. Nun standen die knorrigen Riesen einer Erweiterung des 35 Jahre alten Hauses im Weg.

Um die BĂ€ume in das neue GebĂ€ude zu integrieren, wĂ€hlten die Architekten eine kreative Lösung: Sie ließen die BĂ€ume fĂ€llen, ohne den Stamm und die Äste zu beschĂ€digen. Die gerĂ€ucherten und getrockneten Hölzer stellten sie an ihrem ursprĂŒnglichen Platz wieder auf. Hier dienen sie nicht nur als dekoratives Gestaltungsmittel, sondern als Bauelement, das die Decke der neuen Wohnbereiche stĂŒtzt.

Architektur und Natur vereint. Quelle: Мы архОтДĐșŃ‚ĐŸŃ€Ń‹ Đž ЎОзаĐčĐœĐ”Ń€Ń‹ / YouTube

GrĂŒnes Teehaus: Symbiose zwischen Design und Natur

Auch im Tea House Shanghai steht ein großer Baum im Zentrum. Bei diesem Haus berĂŒcksichtigten die chinesischen Architekten von Archi-Union die natĂŒrliche Umgebung von Anfang an. Zur SĂŒdseite des zweistöckigen GebĂ€udes lenkt eine raumhohe Glasfassade den Blick in den Garten.

Hier bahnt sich ein hoch gewachsener Baum im ĂŒberdachten Außenbereich den Weg gen Himmel und durchbricht den darĂŒber liegenden, dreieckigen Balkon. Die großflĂ€chigen Fensterfronten lassen nicht nur die Grenzen zwischen Innen und Außen verschwimmen, sondern erhellen das Haus mit angenehmem Tageslicht.

Natürlicher Ausblick: Baum im Haus.

Dynamisches Duo: Modernes Natur-Design trifft traditionelle KĂŒche

Im Restaurant KOOK Osteria & Pizzeria in Rom steht italienische SpitzenkĂŒche auf der Speisekarte – und Natur im Mittelpunkt der Architektur. Der Entwurf stammt von den Architekten Noses Architects. Zwischen den reinweißen WĂ€nden und der modernen Einrichtung wirkt der Olivenbaum im glĂ€sernen Schaukasten beinahe wie ein historisches Exponat im Museum. Vintage-Möbel wie eine Chesterfield Couch, alte Trattoria-HolzstĂŒhle, Kronleuchter und Mosaike an den WĂ€nden bieten dem Baum im Haus eine stilvolle Kulisse. Der kĂŒhle Betonboden betont in Kombination mit warmen HolzoberflĂ€chen den authentischen Charakter des Interior Designs.

Statt Baum im Haus: Botanik im Topf und an der Wand

Zugegeben: Die beschriebenen Projekte sind exemplarischer Natur und kommen nicht fĂŒr jede Stadtpflanze infrage.

Wenn Sie sich in Ihrer Miet- oder Altbauwohnung ein StĂŒck „Draußen-GefĂŒhl“ nach innen holen möchten, eignen sich pflegeleichte Alternativen zum Baum im Haus. ZwergbĂ€ume wie OlivengewĂ€chse, Bonsaipalmen oder FicusbĂ€umchen setzen natĂŒrliche Akzente. Ebenso können Sie mit einer dekorativen Fototapete die Kulisse fĂŒr eine Naturlandschaft inszenieren. Die britischen Wallpaper-KĂŒnstler Cole & Son bieten einige Vorlagen fĂŒr den Birken-, Flieder- oder Tropenwald im Wohnzimmer.

Wer meint, das Stadtleben und die Urbanisierung hĂ€tten uns von der Natur entfremdet, findet viele Gegenargumente in der Architektur- und Designwelt. Immer wieder dienen Flora und Fauna als Inspirationsquelle fĂŒr außergewöhnliche EntwĂŒrfe – seien es Möbel, Leuchten oder eben naturnahe Bauwerke, die einen Baum integrieren.

Wenn Sie einen Baum im Haus oder Pflanzen haben wollen, muss es nicht imemr echt sein.
London design-trends 2019: Urban Jungle Themed Sofa und die passende Tapete
London design-trends 2019: Grüne Blätterwald mit passendem Esstisch
Das sind die Tapetentrends 2019

Sie möchten auch nicht lÀnger von der Natur trÀumen, sondern mit ihr wohnen? Schreiben Sie uns, ob und wie Sie mit einem Baum im Haus leben könnten.

Design Einrichtungsideen Nachhaltigkeit
Kommentare
FE
Florentin Eilers 21.05.2019  |  9:15
Antworten

Das Konzept von BĂ€umen als Bauelemente gefĂ€llt mir so sehr! Es gibt immer etwas besonders von den Japanern. Ich stelle mir vor, wie man die Baumpflege machen soll. Ich bin sicher, dass es eine spezielle Behandlung fĂŒr die BĂ€ume geben muss.

GR
G-Pulse Redaktion 21.05.2019  |  13:28

Hallo Frau Eilers,
Japaner habe in der Tat oft spannende EinfĂ€lle. Im japanischen Beispiel wurden die BĂ€ume ja gefĂ€llt und die unbeschĂ€digten StĂ€mme und Äste gerĂ€uchert und getrocknet. Das erleichtert die Pflege im Nachhinein sicherlich. FĂŒr die anderen Beispiele eignen sich vor allem pflegeleichte BĂ€ume.
Viele GrĂŒĂŸe
Ihre G-Pulse Redaktion

?

Diese Website ist mit reCAPTCHA geschĂŒtzt und es gelten die Datenschutzbestimmungen und Nutzungsbedingungen von Google.
Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Erforderliche Felder sind markiert *

H
Horia 30.01.2017  |  23:26
Antworten

die fotos des russischen baumhauses sind zwar nur renderings, aber es ist sehr kurios, daß der zeichner sich keine sorgen um die benutzbarkeit der stiege gemacht hat! Erstens stehen mitten in der stiege dicke betonsĂ€ulen, die praktisch das steigen unmöglich machen (zu bemerken im video!), zweitens sind die ausschnitte in den ringförmigen geschossdecken viel zu klein, so daß ein mensch, der die stiege (trotz betonsĂ€ulen) emporsteigen möchte, kein platz hĂ€tte, durch den viel zu kleinen deckenausschnitt ins nĂ€chste stock zu kommen. (höhe höchstens 130 cm, geschĂ€tzt nach fotos)

Auch die handlĂ€ufe (gelĂ€nder) scheinen nur ca. 50 cm höhe zu haben… Daher erzeugt alles zusammen einen kuriosen eindruck, in dem der maßstab der stiegen eine besondere grĂ¶ĂŸe des hauses suggeriert, der maßstab der möbel hingegen ziemlich kleine gesamtmaße.

Auch wenn das ganze nur ein projekt ist, erwartet man ein minimales respektieren der wirklichkeit und der ganz einfachen und ĂŒblichen menschlichen maße… Wenigstens damit die bilder nicht gleich vom anfang an falsch ausschauen.

GR
G-Pulse Redaktion 31.01.2017  |  11:42

Hallo,
vielen Dank fĂŒr Ihr ausfĂŒhrliches Feedback. Wie Sie schon sagen, sind es Renderings, bei denen es mehr um eine visionĂ€re Idee geht. Nichtsdestotrotz war es uns ein Anliegen, das Gesamtkonzept vorzustellen, auch wenn nicht alle Komponenten des GebĂ€udes mit der Wirklichkeit ĂŒbereinstimmen. Wir hoffen, dass Ihnen zumindest die Idee des Architekten Teams gefĂ€llt.

Wir wĂŒnschen Ihnen noch einen schönen Tag,
Ihre G-Pulse Redaktion

?

Diese Website ist mit reCAPTCHA geschĂŒtzt und es gelten die Datenschutzbestimmungen und Nutzungsbedingungen von Google.
Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Erforderliche Felder sind markiert *

Kommentare (2)

Das wird Sie auch interessieren

Diese Webseite verwendet Cookies. Bei weiterer Nutzung stimmen Sie deren Verwendung zu. Wir setzen außerdem, nach expliziter Einwilligung Ihrerseits, den von Facebook angebotenen Tracking-Pixel fĂŒr Analysezwecke ein. (Dieser ĂŒbertrĂ€gt z.T. personalisierte Daten an Facebook USA.) Die ebenfalls eingesetzten „Social-Media-Plugins“ ĂŒbertragen Daten erst nach Ihrem aktiven Zutun. Weitere Informationen zu den von uns und Dritten eingesetzten Cookies, dem Facebook-Pixel sowie den „Social-Media-Plugins“ erhalten Sie in unserer DatenschutzerklĂ€rung. DatenschutzerklĂ€rung.