Die wichtigsten Bauhaus-Gebäude Deutschlands in einer Tour entdecken

1919 öffnete die heute legendäre Kunstschule ihre Pforten in Weimar und schrieb Designgeschichte. Gründer des „Staatlichen Bauhaus“ war Architekt Walter Gropius. Bauhaus ist modernes Design, das Alltagstauglichkeit im Sinne des demokratischen Gedankens in den Vordergrund stellt. Es entstanden Meisterwerke der Handwerkskunst, zeitlose Möbel und zahlreiche noch nie dagewesene Bauhaus-Gebäude.

Von Dessau bis Tel Aviv hat sich der Baustil verbreitet. Deutschland als Heimat des Bauhauses hat zahlreiche Unikate zu bieten. Unsere Route führt Sie vom Süden Deutschlands Richtung Osten:

Auf den Spuren der Bauhaus-Meister: Die Route

Interaktive Route für Ihre Tour. Quelle: Google Maps

Station 1: Das „Experimentierfeld“ Weissenhofsiedlung in Stuttgart

Die Weissenhofsiedlung in Stuttgart wurde im Rahmen der Ausstellung „Die Wohnung“ des Deutschen Werkbunds errichtet. Damals diente sie als Experimentierfeld zeitgenössischer Architektur.

1927 wurden unter der Federführung von Ludwig Mies van der Rohe in einer Bauzeit von nur 21 Wochen insgesamt 21 Häuser mit 60 Wohneinheiten errichtet. Beteiligt waren namhafte Architekten wie Le Corbusier, J.J.P. Oud, Hans Scharoun, Walter Gropius, Mart Stam und Peter Behrens.

Heute existieren noch elf der 21 Bauhaus-Gebäude – zehn fielen dem zweiten Weltkrieg oder der Nachkriegszeit zum Opfer. Die erhaltenen Bauhaus-Gebäude sind seit 1958 denkmalgeschützt und die zwei erhaltenen Le Corbusier-Häuser sind seit 2016 UNESCO-Weltkulturerbe. Das Weissenhof Museum ist als einziges Gebäude der Siedlung öffentlich zugänglich.

Quelle: DW Deutsch / YouTube

Station 2: Haus Zuckerkandl in Jena

Das Haus Zuckerkandl liegt nur 26 Autominuten von Weimar entfernt in Jena und ist eines von sechs privaten Wohnhäusern, die Walter Gropius geplant hat. Klare Formen und Linien und viel Glas entsprechen Gropius Handschrift. Das Bauhaus-Gebäude ist in privater Hand und kann leider nur von außen besichtigt werden.

Dabei sind sowohl die originale Küche als auch die Deckenleuchten und Böden, die noch erhalten sind, durchaus einen Blick wert. Da das Gebäude aber so nahe an Weimar liegt, sollten Sie die Gelegenheit nutzen auch diesem Bauwerk einen Besuch abzustatten.

Quelle: MrTomitube / YouTube

Station 3: Das Musterhaus am Horn – einziges Bauhaus-Gebäude in Weimar

Das Musterhaus am Horn wurde anlässlich der ersten Bauhaus-Ausstellung 1923 in Weimar errichtet und ist das einzige Gebäude aus der Bauhaus-Schule, das in der Goethe-Stadt steht. Entworfen wurde das Gebäude von Architekt Georg Muche, umgesetzt von Walter March und Adolf Meyer, Mitarbeiter des Gropius’ Architekturbüros. Im Inneren ist das Haus in Wabenform aufgebaut. Das bedeutet, dass ein großer Hauptraum von den weiteren Zimmern umgeben ist. Rund um den Wohnraum sind die so genannten Zimmer der Dame, Zimmer des Herren, Kinderzimmer, Arbeitsnische, Gästezimmer, Esszimmer, Küche und Bad ringförmig angeordnet.

Für viel Licht im Hauptraum sorgen Oberfenster. Das Haus wurde im Laufe der Zeit in private Hände verkauft, der Stadt übertragen und vermietet. Heute ist es als Baudenkmal für Besucher geöffnet.

Für alle, die planen in Weimar zu übernachten, haben wir einen ganz besonderen Tipp: das Design Apartment Weimar. In diesen außergewöhnlichen Ferienwohnungen verbringen Sie Ihre Zeit umgeben von originalen Designklassikern und Möbeln von Absolventen der Bauhaus-Universität Weimar.

Anlässlich der ersten Bauhaus-Ausstellung 1923 in Weimar errichtet: das Musterhaus Horn

Station 4: Das Fagus-Werk – Grundstein der Bauhaus-Ära

Von Weimar führt unsere Tour nach Alfeld zum Fagus-Werk, das bereits 1911 von Walter Gropius gemeinsam mit Adolf Meyer entworfen wurde. Mit diesem Bauwerk schufen die Architekten nicht nur einen Meilenstein der Industriearchitektur, sie bauten auch ein Stück Zukunft und entwarfen bereits ein Bild von dem, was später Bauhaus-Gebäude ausmachen sollte. Durch den Verzicht auf Eckpfeiler und bodentiefe Fensterzeilen entsteht eine neue Leichtigkeit des Hauptgebäudes.

Ermöglicht wird dies durch eine aufwendige Tragwerkskonstruktion. Als „Ausgangspunkt des Bauhauses“ hat die UNESCO 2011 das Fagus-Werk zum Weltkulturerbe erklärt. Heute werden hier nach wie vor Schuhleisten produziert. Interessierte können aber auch an Führungen teilnehmen und so die avantgardistische Architektur des Bauhaus-Gründers entdecken.

Nach Alfeld wartet Dessau auf Sie. Dort erwarten Sie gleich drei wichtige Bauhaus-Gebäude und eine weitere besondere Übernachtungsmöglichkeit.

Bauhaus-Gebäude: Das Fagus-Werk, entworfen von Walter Gropius gemeinsam mit Adolf Meyer, ist Grundstein der Ära.

Station 5: Stiftung Bauhaus Dessau – Neue Heimat

1925 zog die Bauhaus-Schule als „Hochschule für Gestaltung“ von Weimar nach Dessau um. Die Stadt stellte ein Grundstück zur Verfügung und Walter Gropius entwarf ein Gebäude, das die Idee des Fagus-Werks aufgriff. Auch hier wird durch den Einsatz von großzügigen Glasflächen und den Verzicht auf Eckpfeiler eine neue Leichtigkeit erzielt. Die vorgehängten Glasfassaden geben den Blick auf das Innenleben frei und schaffen Transparenz. Die Flügel wurden asymmetrisch angeordnet, so dass es keine zentrale Ansicht des Komplexes gibt.

1932 musste die Hochschule für Gestaltung jedoch auf Druck der Nationalsozialisten geschlossen werden. Im Krieg wurde das Bauhaus-Gebäude von Bomben getroffen und teilweise beschädigt. 1972 kam es unter Denkmalschutz und wurde erstmals renoviert. 2006 wurde dann eine umfassende Sanierung abgeschlossen. Heute gehört es – wie auch das Fagus-Werk – zum UNESCO Weltkulturerbe und ist eine „Pilgerstätte“ für Bauhaus-Fans. Der Clou: Sie können dort auch übernachten – stilechter geht es kaum.

100 Jahre Bauhaus

Station 6: Das Meisterhaus Kandinsky/Klee – Auf den Spuren großer Künstler

Gleichzeitig mit dem Auftrag für das Bauhaus-Gebäude in Dessau wurde auch dem Bau von drei baugleichen Doppelhäusern für die Bauhaus-Meister zugestimmt. Die Häuser sind verschachtelt und ihre kubischen Körper geben ihnen Gestalt.

Das Meisterhaus Kandinsky/Klee wurde erst im Frühjahr 2019 nach umfassender Sanierung wiedereröffnet. Wassily Kandinsky und Paul Klee lebten hier von 1926 bis 1933 und gaben vor allem den Innenräumen einen ganz besonderen Schliff. Das Bauhaus-Gebäude mit Wänden in Weiß, Schwarz, Rosa, Gelb und Gold ist Ausdruck der Kreativität seiner Bewohner.

Quelle: Bauhaus Movement / YouTube

Station 7: Meisterhaus Muche/Schlemmer

Auch das Meisterhaus Muche/Schlemmer ist Teil des Ensembles in Dessau, das neben den Doppelhäusern und der Schule auch ein Einfamilienhaus für den Direktor enthielt. Das Doppelhaus Muche/Schlemmer dient heute dem Design-Zentrum Sachsen-Anhalt für Ausstellungen und Präsentationen sowie der Stiftung Bauhaus Dessau für Studienzwecke und als Gästehaus. 1926 wurde das von Walter Gropius geplante Haus von Georg Muche und Oskar Schlemmer bezogen. Das dritte Doppelhaus wurde übrigens von László Moholy-Nagy und Lionel Feininger bewohnt.

Station 8: Bauhaus-Archiv Berlin: Die größte Sammlung der Kunstschule

Der nächste Stopp: die Hauptstadt. Denn das Bauhaus-Archiv in Berlin beheimatet die größte Sammlung der Bauhaus-Schule. Allerdings zog das Archiv erst 1979 in einen Neubau. Das Bauhaus-Archiv ist damit zwar kein Gebäude der klassischen Bauhaus-Ära, aber Walter Gropius war an den Planungen beteiligt. Hier finden Bauhaus-Freunde wichtige Werke der Kunstschule. Zum Bestand der Sammlung zählen zum Beispiel Unterrichtsergebnisse, Werkstattarbeiten, Architekturpläne und -modelle, Photographien, Dokumente und eine Bibliothek sowie Werke aus der Bildenden Kunst.

Quelle: Denkmalschutzarchiv Heritage archive / YouTube

Station 9: Großsiedlungen in Berlin

Nachdem die Hochschule für Gestaltung in Dessau geschlossen wurde, zog man kurzzeitig nach Berlin. Dort mussten Gropius und weitere Vertreter der Bewegung 1933 vor den Nationalsozialisten kapitulieren und die Bauhaus-Schule schließen. Davor konnten aber noch einige Projekte in der Metropole umgesetzt werden.

Die Wohnquartiere Hufeisensiedlung in Neukölln, die Weiße Stadt in Reinickendorf und die Großsiedlung Siemensstadt wurden hier zum Beispiel im Bauhausstil errichtet und stellen mit Bädern und viel Licht eine Alternative zu den dunklen Mietskasernen der Kaiserzeit dar. Damit schufen die Bauhaus-Architekten eine hohe Lebensqualität für viele Berliner. Seit 2008 sind auch diese Siedlungen UNESCO Weltkulturerbe.

Quelle: euroluftbild de / YouTube

Station 10: Haus Schminke: Übernachten im Bauhaus-Unikat

Der letzte Stopp unserer Bauhaus-Tour führt vorbei an Dresden bis nach Löbau. 1930 erhielt Hans Scharoun den Auftrag dort ein Wohnhaus für die Nudelfabrikanten Familie Schminke zu planen. Das Haus ist einzigartig in Form und Funktion. Das Dach mutet futuristisch an, Bullaugenfenster erinnern an ein Schiff. Weitläufige Fensterfronten bringen viel Licht in die Räume.

Im Obergeschoß befinden sich Schlaf- und Gästezimmer, die im Vergleich zum Erdgeschoß sehr dezent ausfallen. Das Haus Schminke ist ein echtes Unikat, das heute Besuchern offensteht und nicht nur für Events gebucht werden kann, sondern auch für eine Übernachtung und ist bildet damit den perfekten Abschluss der Tour.

Sie sehen: Das Bauhaus ist vielfältig. Stets individuell dem Nutzer angepasst, ist jedes Gebäude oder Ensemble ein unverwechselbares Einzelstück und lohnt eine Besichtigung.

Quelle: DW Deutsch / YouTube

Nun ist es an Ihnen auf Entdeckungsreise zu gehen oder haben Sie schon einige der Bauhaus-Gebäude besucht? Wir freuen uns über Ihre Erfahrungen in den Kommentaren.

Architektur Design
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