Das Bauen und Wohnen der Zukunft

Ende September fand im NRW Forum in Düsseldorf die erste Informationsveranstaltung für Architekten und Planer „ArcDate“ statt. Die Referenten der Veranstaltungen stellten sich an diesem Abend vor allem der Frage nach dem richtigen Maß: Wie viel Trend verträgt modernes Bauen?

Trends + Gegentrends = Synthesetrends

Unsere Gesellschaft befindet sich im Umbruch. Dieser Umbruch beeinflusst nicht nur unsere aktuellen Trends, sondern er verstärkt sie, was zu einer Entwicklung von Gegentrends führt. Eine logische Konsequenz mit Folgen: Wir fühlen uns hin- und hergerissen – streben beispielsweise nach Digitalisierung, sehnen uns aber gleichzeitig nach Entschleunigung; wollen High-Tech, aber trotzdem nicht auf Natürlichkeit verzichten. Aus diesem Ungleichgewicht entsteht etwas Neues: die sogenannten Synthesetrends. In diesem Zusammenhang wies Andreas Steinle, Geschäftsführer der Zukunftsinstitut Workshop GmbH in seinem Impulsvortrag „Trends und Gegentrends im Widerstreit – die Suche nach dem richtigen Maß für das Wohnen von Morgen“ auf den Begriff „OMline“ hin. Dieser Begriff ist eine Kombination aus online, offline und der Sehnsucht nach der Beschleunigung der Entschleunigung und verdeutlicht damit sehr deutlich, was mit Synthesetrend gemeint ist.

Das „Om“ im Wort hält dazu an, öfter mal innezuhalten und Kraft zu schöpfen. Doch welche aktuellen Megatrends sind für diese Art Synthesetrends verantwortlich? Auch darauf gab der Zukunftsexperte eine Antwort.

Es gibt X Trends, doch nur vier davon sind Megatrends

Wer mit offenen Augen in die Welt schaut, dürfte nicht überrascht sein, dass Steinle den ausgeprägten Wunsch nach Gesundheit, die Weiterentwicklung einer Silver Society, das Streben nach Konnektivität und Individualisierung als die aktuellen Megatrends vorstellt. Doch welchen Einfluss haben diese Trends auf das Bauen der Zukunft? 2030 sollen, laut Steinle, 500 Milliarden „Dinge“ untereinander vernetzt sein. Eran May-raz und Daniel Lazo, Absolventen der "Bezaleal Academy of Arts and Design, haben zu diesem Thema 2012 den futuristischen Kurzfilm “Sight” veröffentlicht. In "Sight" inszenieren sie ihre Vision einer Zukunft, in der Algorithmen unsere Realität gestalten, Gamification ein Teil des Alltags ist und der Umgang mit anderen Menschen von Apps gesteuert wird. Dieser Film ist als Denkanstoß gedacht: Gesundheit, Konnektivität und Individualisierung um jeden Preis? Brauchen wir das? Möchten wird das? Und auch in diesem Fall müssen wir fragen: Wenn ja, in welchem Maß?

Vision: Algorithmen gestalten Realität

Quelle: MuftKa Gyan/YouTube

Wie verändert unsere widersprüchliche Gefühlslage das Bauen?

Verschiedene Projekte zeigen schon jetzt, dass sich aus dem Hin- und hergerissen-Sein unserer Gesellschaft alternative Wohnkonzepte entwickeln – darunter eine Hightech Kommune in Schwaben: Das erste Earthship Deutschlands ist mit 26 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche, reichlich Platz für Nutztiere, einem Glasfasernetz mit eigenem Server und ein Labor, in dem zwei Forscher mit Wasserstofftrennung experimentieren und über Biomeiler nachdenken, Vorreiter auf dem Gebiet visionärer Wohnkonzepte.

Schritt für Schritt zum richtigen Maß

Helmut Frank, Director Key Account Management South / Director Hospitality bei Gira, wies in seinem Vortrag darauf hin, Konnektivität sei ein Prozess. Der Wunsch nach immer mehr Funktionen in einem Design an einer Stelle der Wand führe eventuell zu einer Überfrachtung. In diesem Zusammenhang stellte auch Frank sich der Frage: Brauchen wir alle diese Funktionen? Wahrscheinlich liege die Wahrheit in der Mitte, so der Experte. Frank sieht vor allem eine Zukunft in der Entwicklung von Lösungen, zur Steigerung der Energieeffizienz und Sicherheit unserer Gebäude. Er betonte, das beziehe sich nicht nur auf Einfamilienhäuser, sondern auch auf den Wohnungsbau. Hier ist der Bedarf hoch und die intelligente Gebäudetechnik ein großer Schritt in die Zukunft um Ressourcen zu schonen und damit die Umwelt zu entlasten.

Wie smart aber ein Gebäude sein müsse, das alle individuellen Wünsche nach persönlichem Komfort erfülle, müsse letztlich jeder Bauherr für sich selbst entscheiden, so Frank. Neben Helmut Frank beleuchten weitere Experten von Geberit, Keramag und Knauf aus eigener Sicht die Trends sowie die individuellen Anforderungen für die Zukunft des Wohnens. Am Ende waren sich alle Referenten einig: Es geht nicht mehr nur darum reine Konsumgüter zu entwickeln. Es geht vielmehr darum echte Lösungen zu entwickeln, die etwas bewirken – Produkte die helfen. Denn am Ende bleibt der Mensch das Maß aller Dinge. Wer jetzt neugierig ist und mehr wissen möchte, kann die Veranstaltung natürlich auch selbst besuchen: Die Veranstaltungsreihe richtet sich an Architekten, Planer und alle, die sich für das Bauen von morgen interessieren. Dabei erfahren Sie aber nicht nur etwas über Trends, es werden Ihnen auch ganz konkret moderne Lösungen vorgestellt, die ihr Bauvorhaben in Richtung Zukunft führen.

Die nächsten Termine finden an folgenden Daten statt: 25.4.17 in Hamburg, 26.4.17 in Berlin und am 4.5.17 in München. Die Veranstaltung ist kostenlos, allerdings ist die Teilnehmerzahl begrenzt. Vergessen Sie also nicht, sich unter www.arcdate.de anzumelden.

Wir haben diesen Artikel am 3.4.17 für Sie aktualisiert.

Welche smarten Lösungen halten Sie für sinnvoll und worauf möchten Sie in Zukunft auf keinen Fall verzichten?

Architektur Bauen Innovation Smart Living

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