Bambus-Architektur: Die neue Nachhaltigkeit im Hausbau

Zahnbürsten, Kaffeebecher und Möbel: Bambus ist ein Allrounder, daran besteht kein Zweifel. Auch in der Architektur kommt der nachwachsende Rohstoff bereits als Baustoff zum Einsatz. In den tropischen Klimaregionen Asiens, Afrikas und Südamerikas wird Bambus seit vielen Jahrhunderten zum Hausbau verwendet. Und das aus gutem Grund.

Die Vorteile von Bambus: Schnellwachsend, nachwachsend und robust

Bambus bedeckt weltweit eine Fläche von rund 37 Millionen Hektar, davon sechs Millionen in China und neun Millionen in Indien. Der Rohstoff zählt zur Familie der Süßgräser, verfügt über 116 Gattungen und ist in den tropischen Klimaregionen beheimatet.

Als eine der schnellwachsensten Pflanzen der Erde wächst Bambus in kurzer Zeit bis zu 35 Meter hoch. So rasant wächst keine Holzart. Aber das ist nicht der einzige Punkt in dem Bambus Holz überlegen ist: In Härte und Stabilität sind sich die beiden Baustoffe ähnlich, aber Bambus hat einen entscheidenden Vorteil: Das Material ist von innen hohl und damit leichter sowie deutlich biegsamer als Holz. Der typische Durchmesser eines Bambusrohrs liegt zwischen fünf und zwölf Millimetern. Es gibt aber auch Arten, die bis zu 30 Millimeter dick werden können. Auch Feuchtigkeit nimmt Bambus ohne Probleme auf und es quellt deutlich weniger. Aus diesen Gründen wird Bambus als Alternative zu Holz auch als Baumaterial gewählt. Wir stellen Ihnen drei eindrucksvolle Projekte der Bambus-Architektur vor.

Bambus als Material für den Hausbau. Quelle: Zoomin.TV Deutschland/YouTube

Themenpavillon in Taiwan: Ökologisch durchdachte Bambus-Architektur

Wie ein filigranes Gebirge türmt sich der Themenpavillon, der im Rahmen der Taiwan World Flora Exposition 2018 vom Designbüro Zuo Studios entworfen wurde, über das Gewässer im Huludun Park. Der Pavillon, der aus 320 Bambuspflanzen besteht, ist dem Zentralgebirge nachempfunden und bietet Besuchern an Sonnentagen einen Schattenplatz.

Während dicke Bambusrohre die Basis des Pavillons bilden und den Blick auf den See freigeben, kommt am Dach gewebter Makino-Bambus zum Einsatz. Der bildet im lichtdurchfluteten Dach wunderschöne Schattenmuster. Bei Nacht taucht eine aufwändige Lichtinstallation den Pavillon in mystisches Licht.

Der Themenpavillon in Taiwan. Quelle: Archi Studio/YouTube

Great Bamboo Wall: Bambus-Architektur als Ausdruck kulturellen Verständnisses

Wie sehr der Baustoff Bambus auch Ausdruck von Regionalität und Kultur ist, zeigt das Wohnhaus Great (Bamboo) Wall des japanischen Stararchitekten Kengo Kuma. In unmittelbarer Nähe zur Chinesischen Mauer schuf er 2002 mit Kollegen aus aller Welt eine Urlaubssiedlung mit 100 Wohnungen und einem Clubhaus. Kengo Kuma ließ sich für seine Gebäude von der Form der Mauer mit ihren typischen Höhen und Tiefen inspirieren und bettete die Wohnungen sanft in das Gelände.

Auch hier kommt regional produzierter Bambus zum Einsatz, mit dem Kengo Kuma die kulturelle Bedeutung des Projekts für Japan und China verdeutlicht. Während die Mauer Welten voneinander trennen sollte, ist der licht- und winddurchlässige Bambus ein Symbol dafür, Trennungen zu überwinden.

Kengo Kumo ist übrigens seinen Forschungen rund um Bambus treu geblieben. Auf dem diesjährigen London Design Festival zeigte er im Garten des berühmten Victoria & Albert Museums seine Installation eines lichtdurchfluteten Kokons aus Bambus und Kohlenstofffasern. Der Entwurf soll verdeutlichen, wie sich die Materialien zu starken, selbsttragenden Strukturen verweben lassen.

Visionär und nachhaltig: das Projekt von Kengo Kuma. Quelle: TWC/YouTube

Bambus-Architektur in der Green Village: Baukunst und Design neu definiert

Sie würden auch gerne mal nachhaltiger Bambus-Architektur wohnen? In Bali, Indonesien haben Sie die Möglichkeit. In der Green Village hat das Studio Ibuku eine kleine Siedlung mit exklusiven Gebäuden aus Bambus verwirklicht. Weil es keine zwei gleichen Bambusstangen gibt, ist jedes der Wohnhäuser einzigartig. Einige davon können Sie als Ferienhaus mieten. Das Eclipse House teilt sich bei einer Gesamtfläche von 280 Quadratmetern in ein Haupt- und ein Gästehaus auf.

Aus Schwarzrohrbambus gefertigt, bilden die schwarzen Rohe mit violettem Schimmer die perfekte Kulisse für ein Ambiente aus 1.001 Nacht.

Neu ist die Idee der Bambus-Architektur in der Green Village übrigens nicht. Schon John Hardy, Vater der Ibuku-Gründerin Elora Hardy, errichtete 2007 in unmittelbarer Nähe eine Schule aus Bambus – ein Ort, an dem Schüler in natürlicher Umgebung an Kreativität, Nachhaltigkeit und Innovationen arbeiten können.

Green Village: Wohnhäuser aus Bambus. Quelle: Green Village Bali/YouTube

Natürliche Baustoffe und recycelte Materialien: Nachhaltigkeit ist in der Architektur seit langem ein zentrales Thema.

Bambus-Architektur wird dank ihrer zahlreichen Vorteile zu einer attraktiven Alternative zu Holz.

Wie gefällt Ihnen die Bambus-Architektur? Wir freuen uns auf Ihren Kommentar.

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