Baukunst und Landschaft im Einklang: Das Architekturbüro Snøhetta im Porträt

An einer der schönsten Wasserstandorte Europas ragt aus schneeweißen Marmorplatten ein gläserner Kubus an der Hafenpromenade hervor. Das Opernhaus in Oslo ist nicht nur ein kulturelles Wahrzeichen der Stadt, sondern eines der prominentesten Beispiele für den neuartigen Designansatz seiner Gestalter: Die Architekten von Snøhetta entwerfen seit 30 Jahren Gebäude, die das Zusammenspiel von Landschaft und Architektur neu interpretieren.

Mehr als die Spitze des Eisbergs: Snøhetta kreiert Landschaften

Die Norwegische Staatsoper ähnelt optisch einem Eisberg und spielt damit auch auf die Identität des Architekturbüros an. Snøhetta bedeutet übersetzt so viel wie „Schneekappe“ und ist zugleich der Name eines mächtigen norwegischen Berges.

Ebenso wie diese natürliche Landmarke stehen auch die Bauwerke von Snøhetta nie als einzelne Objekte, sondern stets im Kontext zu ihrer Umgebung – egal, ob diese von Menschenhand oder von der Natur geschaffen ist.

Diesen Ansatz verfolgen die Snøhetta-Gründer Kjetil Thorsen (geboren 1958 auf Karmøy, Norwegen) und Craig Dykers (geboren 1961 in Frankfurt am Main) schon bei ihrem ersten Großauftrag, der ihnen auf Anhieb internationale Anerkennung einbrachte: die Bibliotheca Alexandrina in der ägyptischen Hafenstadt Alexandria.

Das Opernhaus in Oslo. Quelle: / YouTube

Innovativer Designansatz: Architektur als Multidisziplin

Mit dem Entwurf für die mehrfach ausgezeichnete Bibliothek setzten sich die bis dahin eher unbekannten Architekten im Jahr 1989 bei einem internationalen Wettbewerb gegen 526 Teilnehmer durch und gründeten daraufhin ihr erstes Architekturbüro in Oslo.

Ziel der jungen Gründer war es, ein Unternehmen aufzubauen, das die einzelnen Teilbereiche der Architektur verbindet: Die Disziplinen Landschaftsarchitektur, Baukunst und Design, aber auch Ingenieurstechnik sollten im Zusammenspiel neue Räume erschaffen.

Dass diese Denkweise bis heute stilprägende und treibende Kraft ihrer Arbeiten ist, zeigt zum Beispiel das Projekt Under (2019), mit dem Snøhetta Europas erstes Unterwasserrestaurant entworfen hat. Wie ein halb versunkener Felsbrocken ragt der 34 Meter lange Baukörper an der zerklüfteten Küste Norwegens aus dem Wasser und ruht in fünf Metern Tiefe auf dem Meeresboden. Die raue Betonschale dient als künstliches Riff, das von Meerestieren bewohnt werden kann und sich im Laufe der Zeit vollständig in die maritime Umgebung einfügt.

Unterwassergebäude; Unterwasser-Restaurant

Architektur auf dem Gipfel der Nachhaltigkeit

Seit 2005 ergänzt die Architektin Jette Cathrin Hopp das Snøhetta-Team und setzt mit ihren Arbeiten neue Impulse für mehr Nachhaltigkeit und Energieeffizienz der Bauprojekte. Sie leitete zum Beispiel den Umbau eines Bürokomplexes im norwegischen Bærum zum Powerhouse Kjørbo (2014), dem ersten energetisch positiv sanierten Gebäude Norwegens.

Zuletzt haben die Architekten das weltweit erste Hotel mit positiver Energiebilanz entworfen: Svart soll im Jahr 2021 am Fuße des Gletschers Svartisen in der norwegischen Kommune Meløy eröffnen. Die energieeffiziente Konstruktion, umweltfreundliche Materialien und moderne Technologien für die autarke Energieversorgung tragen zum Standard als Plusenergiehaus bei.

Das Powerhaus zeichnet sich durch eine besondere Architektur am Wasser aus.
Svart wurde entworfen vom Architekturbüro Snøhetta
Das Architekturbüro Snøhetta setzt auf nachhaltige Architektur direkt in der Natur.

Prestigeträchtige Bauten für kulturelle und menschliche Begegnungen

In 30 Jahren hat Snøhetta eine Vielzahl prestigeträchtiger Bauwerke entworfen, darunter das Olympic Art Museum in Lillehammer, das als offizieller Kunstbeitrag zu den Olympischen Winterspielen 1994 in Auftrag gegeben wurde, die Norwegische Botschaft in Berlin (2001) und die Gedenkstätte des World Trade Centers in New York (2014).

Der nächste Kulturbau von Snøhetta soll bis 2023 in China entstehen. Ebenso wie die Staatsoper in Oslo (2008) beruht auch dieser Entwurf für das Grand Opera House in Shanghai auf der Idee, mit einer frei zugänglichen Dachlandschaft einen öffentlichen Raum für soziale Begegnungen zu schaffen. Eine spiralförmige Treppe soll die Umgebung mit einem begehbaren Dach verbinden.

Grand Opera House in Shanghai. Source: Vimeo / Ori

Trotz der internationalen Reichweite arbeitet Gründer Kjetil Thorsen noch immer am liebsten in seiner norwegischen Heimat.

Von hier lenkt der Landschaftsgestalter das Unternehmen weiterhin auf Erfolgskurs.

Haben Sie auf Ihren Reisen um die Welt weitere Bauwerke von den Snøhetta-Architekten entdeckt? Schreiben Sie uns, welche Gebäude Sie besonders beeindrucken.

Architektenporträt Architektur Bauen Nachhaltigkeit
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