Von der Symbiose zweier Architekturikonen

Ein leer gefegtes Pult mit nacktem Blatt Papier, dazu im rechten Winkel angeordnet zwei sauber gespitzte Bleistifte: Jacques Herzog und Pierre de Meuron widersprechen dem Image des kreativ-genialen Chaoten. Gleichsam zuverlässig und klar strukturiert pflastern rastlose Kleinarbeit und Detailtreue den Erfolgsweg der beiden Architekten aus Basel. So avancierten sie mit ihrem Büro Herzog und de Meuron (H&dM) zum weltweit renommiertesten Planer-Duo.

Ein ungleiches Duo auf Augenhöhe
„Bei unserem Bemühen, uns stetig zu verbessern, messen wir uns ausschließlich an uns selbst“, erklärt Jacques Herzog ohne mit der Wimper zu zucken. Wo sich andere in peinlich berührter Zurückhaltung üben, redet sich der eloquente Kommunikator des Unternehmens gerade erst warm. Mit visionären Konzepten und pointierten Äußerungen verzückt er regelmäßig das Publikum bei Einweihungen von Prestigebauten, auf hochkarätig besetzten Podien oder im Fernsehen. Während Herzog wie kein Zweiter den fachlichen Diskurs dominiert, sorgt sein langjähriger Weggefährte und Partner Pierre de Meuron als Strippenzieher im Hintergrund für die Liquidität des florierenden Unternehmens. Ihm obliegt es, mit rationaler Besonnenheit die Budgets für Bauprojekte zu kalkulieren und mit Investoren zu verhandeln.

H&dM: Architektur als Exportschlager aus der Schweiz
Als solch symbiotisches Gespann sind die beiden seit Jugendjahren unschlagbar.

Nur zehn Jahre nach Gründung ihres Unternehmens im Jahr 1978 folgen erste Ausstellungen im Architekturmuseum Basel, später in Paris und auf der Architekturbiennale in Venedig. Zwischendurch sind Herzog und de Meuron als Gastprofessoren an der Harvard University in den USA tätig und lehren Architektur an der Züricher ETH, an der sie einst selbst gemeinsam studierten. Mittlerweile gesellen sich zum multikulturellen Mutterhaus an der Großbasler Rheinschanze diverse Zweigbüros, unter anderem in London, New York und Hamburg. So setzen sie als Team seit über drei Jahrzehnten auf allen Kontinenten neue Maßstäbe zeitgenössischer Architekturkunst.

Unkopierbarer Stil: einzigartige Baukörpersprache als Markenzeichen
Mit einer einzigartigen Mischung aus experimenteller Neugier und intellektueller Schöpfungskraft gehen die beiden Architekten an ihre Bauvorhaben heran und arbeiten sich wie selbstverständlich in die Hände. Kein Konzept scheint ihnen zu wahnwitzig, kein Entwurf zu unrealistisch. So schufen sie mit kühnem Innovationsgeist eine unvergleichbare Baukörpersprache, die vor Originalität strotzt. Und obwohl sich bei ihren Werken keine Elemente wiederholen, lässt sich doch immer ein gemeinsames Merkmal erkennen: der Mut im Umgang mit Baumaterialien und ein außergewöhnliches Fassadendesign. 


Ausgewählte Bauwerke des Architektenduos Herzog & de Meuron

Prestigebauten und Großprojekte auf allen Kontinenten
Während der St.-Jakob-Park in Basel durch einen Mantel aus lichtdurchlässigen Kunststoffelementen besticht, haben sich die Baumeister für die Münchner Allianz Arena eine Hülle aus aufblasbaren Kunststoffkissen ausgedacht. Der Entwurf für das Olympiastadion in Beijing präsentiert sich hingegen futuristisch mit einer nach außen gewölbten Gitterstruktur aus verschweißten Stahlträgern. Auch renommierte Museumsbauten wie die Tate Modern in London und das de Young Museum in San Francisco stammen vom Architektenduo, während ihnen der jüngste Geniestreich mit dem Entwurf und der Planung der Hamburger Elbphilharmonie gelungen ist. 

Ein Sammelsurium namhafter Auszeichnungen
Für ihre zahlreichen Prestigeaufträge haben Herzog und de Meuron bereits eine Vielzahl an internationalen Auszeichnungen gewonnen.

Die Royal Gold Medal des Royal Institute of British Architects (RIBA), der japanischen Praemium Imperiale und die Große Nike vom Bund Deutscher Architekten (BDA) sind nur einige davon. 2001 wurden die Basler zudem mit dem Pritzker-Preis, der als Nobelpreis der Architektur gilt, geadelt.

Bodenständig, auch bei dem „was Gott verboten hat“
Trotz ihrem globalen Ruhm haben es Herzog und de Meuron geschafft, sich selbst und ihren Wurzeln treu zu bleiben. Im Grunde ginge es in ihrer Kunst ja immer um das Gleiche, stellt Herzog fest: Es braucht Boden, Decke, Wände, Öffnungen, Licht, Gerüche und Materialien. Was sich verändere, seien lediglich die Ausdrucksmittel. Und dabei seien die beiden eben etwas flexibler als andere Architekten. Gewohnt prätentiös fasst es Herzog zusammen: „Wir verwenden auch das, was Gott verboten hat.“  

Welcher Architekt gehört für Sie zu den ganz Großen der Branche? Wir freuen uns über Ihre Anregungen für weitere Künstlerporträts.

Architektur Design Innovation Pritzker-Preis
Hans Friedhofen 22.03.2017  |  21:57

Planung und realisieren sind zweierlei Schuhe, 1100 Prozent Mehrkosten für die Elbphilharmonie sprechen Bände……

Janette Baumann 23.03.2017  |  12:13

Hallo Herr Friedhofen, ja, das stimmt. Es gab Verzögerungen, Budgetprobleme und es lief schlicht nicht alles nach Plan. Wir freuen uns aber, dass nun ein ansprechendes architektonisches Highlight entstanden ist. Viele Grüße, Janette Baumann

Kommentare (2)

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