Internationale Architektur-Biennale in Rotterdam

Stadt der Zukunft oder Smart City?

Wenn es um die „Stadt der Zukunft“ geht, ist meist von Smart Cities und dem Einsatz von Hightech die Rede. „Vielleicht brauchen wir aber gar nicht mehr technische Innovationen, sondern soziale", so die These von George Brugmans, langjähriger Direktor der Internationalen Architektur-Biennale in Rotterdam (IABR). Seit 2003 versteht das Forschungsevent die globalen Herausforderungen unserer Zeit als Ausgangspunkt, um nachhaltige Strategien für den urbanen Lebensraum zu entwickeln.

The Next Economy: Metropolen als Zentrum der Wirtschaft – und der Welt

Nachdem das Leitthema „Urban By Nature“ die Internationale Architektur-Biennale 2014 prägte, lautet die eher wirtschaftspolitische Kernfrage der siebten Ausgabe: „What will be the next economy?“

Hinsichtlich der Prognose, dass bis 2050 etwa 80 Prozent der Weltbevölkerung in Städten lebt, liege demnach auch die Zukunft der Wirtschaft in den Metropolen.Welchen Einfluss Raumplanung und Architektur auf die Ökonomie haben, dokumentieren die 60 internationalen Projekte der Ausstellung – diesmal mit dem Fokus auf Afrika und China. Arbeiten wie das Photovoltaik-Netz Ishack in Südafrika, der 44-Gigawatt-Staudamm im Kongo oder das unterirdische Gemeindezentrum in Beijing zeigen verschiedene Wege für eine partizipative Stadtentwicklung und gemeinnütziges Wirtschaften auf.

Eindrücke der Architektur-Biennale Rotterdam

Quelle: www.iabr.nl

Langfristige Arbeit am lebenden Objekt

Zudem sind unter anderem in Brüssel, Utrecht und Rotterdam Forschungsateliers eingerichtet worden, um Modellkonzepte für eine sozial-integrative Stadtökonomie zu entwickeln. Die Ergebnisse werden während der zehnwöchigen Veranstaltung vorgestellt. Eines der Kernelemente ist das Projekt Rotterdam: Die produktive Stadt, das bereits durch die Location der diesjährigen Architektur-Biennale zum thematischen Gegenstand wird. Die ehemalige Lagerhallen Fenixloods II mitten in Rotterdams Hafenviertel Katendrecht sind quasi ein Hotspot der Gentrifizierung: Wo einst Kaffeebohnen lagerten, sind moderne Shops, schicke Restaurants und Lebensmittelmärkte entstanden. Ob solche Hipster-Quartiere für eine Stadt sozial und ökonomisch sinnvoll sind, ist eine der Fragen, die zur Diskussion stehen.

Architektur-Biennale als Global Think Tank und Gedankenbrücke

Anders als die Architektur-Biennale in Venedig versteht sich die IABR nicht nur als Ausstellung, sondern als offene Werkstatt, Katalysator und Plattform zum Ideenaustausch. Sie will nicht nur Designer und Architekten, Politiker und Investoren einbeziehen, sondern alle, die sich aktiv über die Zukunft ihrer Stadt Gedanken machen. Daher stehen neben Lesungen und Vorträgen von Experten auch viele offene Diskussionsrunden und Workshops auf der Agenda. Bis zum 10. Juli 2016 sind die Türen zur Architektur-Biennale Rotterdam noch geöffnet. Danach taucht das „U-Boot“ – wie es IABR-Chef George Brugmans nennt – wieder in die Tiefen der visionären Stadtplanung ab. Unter einem anderen aktuellen Schwerpunkt wird dann im Untergrund weiter an der Zukunft unserer Städte geforscht.

Haben Sie bereits eine Architektur-Biennale besucht? Was sind Ihre konkreten Vorstellungen von der „Stadt der Zukunft“? Wir freuen uns auf Ihren Kommentar!

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