Als Ritterschlag bezeichnet Nico Ueberholz allein die Möglichkeit, überhaupt an der 15. Architektur-Biennale in Venedig teilnehmen zu können – und das auch noch an prominenter Stelle, nämlich dem Palazzo Michiel. Der historische Bau ist in diesem Jahr Schauplatz der Sonderausstellung Venice Design, zu der auch der Wuppertaler Designer eingeladen wurde. Hier hob er sich mit seinem „Lichtzeitraum“ auf bemerkenswerte Weise von den 17 internationalen Mitstreitern ab. 

Raum als mehrdimensionales Erlebnis

Wer in die Nähe seiner 3 x 5 Meter großen Installation kommt, wird durch einen tieffrequentierten Doppelherzschlag und an ihm gekoppeltes LED-Licht geradezu magisch angezogen. Rund 200.000 Besucher betraten den schwarzen Kubus seit der Biennale-Eröffnung am 28. Mai 2016 und fanden einen Raum vor, dessen Dimension sich durch zirkulierende audiovisuelle Effekte ständig zu verändern scheint. In kurzer zeitlicher Abfolge wechseln Enge und Weite, Höhe und Tiefe in ein und demselben Raum. Der Blick durch ein virtuelles Fenster auf den Canale Grande passt sich dieser Inszenierung an.  

Technisches Highlight der Architektur-Biennale

Außerhalb der Biennale zählen temporäre Gestaltung, Messe- und Ausstellungsarchitektur zum Portfolio von Ueberholz. Außerdem setzte er sich in seinen bisherigen Arbeiten bereits intensiv mit dem Einfluss von Licht auf den kommunikativen Prozess auseinander. So beruht auch die Biennale-Installation auf der Idee, Licht als schöpferische Kraft für architektonische Räume in all ihrer emotionalen Vielfalt und zeitlichen Begrenztheit erfahrbar zu machen.  

Zugleich demonstriert Ueberholz mit dem Lichtzeitraum auf faszinierende Weise, wie und in welchem Ausmaß sich digital vernetzte Räume auf Knopfdruck verwandeln lassen. Für diese technische Meisterleistung tüftelte er mit seinem Team und den Smart-Home-Experten des Markenverbunds Connected Comfort wochenlang an dem KNX-basierten System, in der jede LED-Leuchte einzeln ansteuerbar sein sollte. Kein Wunder, dass die Installation als die technisch aufwändigste der ganzen Architektur-Biennale gilt. 

Ein Ritterschlag mit Krönung: Iconic Award für den Lichtzeitraum

Diese Arbeit wurde nun mit einem branchenintern höchst anerkannten Preis gewürdigt. Bereits im Oktober holte sich Ueberholz den Iconic Award für Architektur ab. Gerade erst seit vier Jahren werden mit ihm wegweisende Bauwerke ausgezeichnet, bei denen die Einzelaspekte der Architektur eine geradezu „ikonische" Kraft entwickeln. Besonders stolz macht Ueberholz aber, dass sein kleiner Lichtzeitraum auf der Siegerliste mit 24 spektakulären Großprojekten aus aller Welt stand, beispielsweise mit der längsten gläsernen Brücke in China oder dem imposanten Marina One-Komplex in Singapur.

Als wäre das nicht genug, kann Ueberholz im Februar auch noch den German Design Award 2017 in der Kategorie „Excellent Communications Design Event" entgegennehmen. Dieser wird ebenfalls vom Rat für Formgebung vergeben – der deutschen Marken- und Designinstanz.

Der Ausflug nach Venedig hat sich für den Wuppertaler Designer also definitiv gelohnt. Wir dürfen auf weitere erleuchtende Kreationen gespannt sein.