Architektur am Wasser: Fließende Grenzen der Baukunst

Wasser kann Designer zu faszinierenden Entwürfen inspirieren und zugleich als topografisches Gestaltungsmittel in die moderne Baukunst einfließen. Bei den folgenden Projekten ergänzen sich Architektur und Wasser auf eindrucksvolle Weise.

Svart-Hotel von Snøhetta: Nachhaltige Architektur am Wasser

Ein Powerhouse am Polarkreis: Mit dem Projekt Svart hat das norwegische Architekturbüro Snøhetta das weltweit erste Hotel entworfen, das mehr Energie produzieren soll, als es verbraucht.

Der norwegische Name bedeutet so viel wie „Schwarz" oder „Blau" und verweist auf die markante Farbe des Svartisen-Gletschers, an dessen Fuß die umweltfreundliche Unterkunft ab 2021 ihre Türen öffnen soll.

Von der Küstenlinie des Holandsfjordes in der Kommune Meløy ragt das kreisförmige Hotel auf Holzpfählen bis ins Wasser.

Um ein möglichst nachhaltiges Tourismusziel zu schaffen, orientiert sich Svart an der einheimischen Architektur. Die A-förmige Holzvorrichtung zum Trocknen von Fisch („fiskehjell“) und die für die Region typischen Fischerhäuschen („rorbue“) prägen die Konstruktion des Hotels.

Durch das energieoptimierte Design soll das Powerhouse zugleich einen minimalen ökologischen Fußabdruck hinterlassen. Großflächige Sonnenkollektoren auf dem Dach leisten einen wesentlichen Beitrag zur autarken Energieversorgung.

Das Powerhaus zeichnet sich durch eine besondere Architektur am Wasser aus.

V&A-Museum in Dundee: Künstliche Klippe im Gezeitenwandel

An der Uferpromenade des schottischen Flusses Tay trotzen zwei umgedrehte Pyramiden aus Beton und Stahl den Gezeiten. Das neue Designmuseum V&A Dundee präsentiert sich so massiv wie die Klippen der nordschottischen Küste. Diese Landschaft inspirierte den japanischen Architekten Kengo Kuma zu dem Entwurf des jüngsten Domizils des renommierten Victoria- & Albert-Museums (V&A).

Bei Flut scheint das dreistöckige Hafengebäude im Wasser zu schwimmen, dessen Wellen sich an den Betonplatten brechen. Mittig öffnet sich das Museum durch eine Glasfront, die freie Sicht auf den Fluss bietet. Vom Foyer führt eine Treppe zu den Ausstellungsräumen, deren Stufen ebenso wie der Hallenboden mit Kalkstein samt eingeschlossenen Fossilien belegt sind. Das Obergeschoss bietet auf über 1.100 Quadratmetern Platz für wechselnde Ausstellungen, die sich der schottischen Kunst, Kultur und Geschichte widmen.

Architektur am Wasser verschmolzen mit der Natur.
Das V&A Museum ist ein Beispiel für gelungene Architektur am Wasser.
Architektur am Wasser gibt es überall auf der Welt.

Unsichtbare Brücke in Holland: Trockenen Fußes durch das Wasser laufen

Die belgischen Architekten von RO&AD ermöglichen das scheinbar Unmögliche: Über einen versunkenen Gehweg in der niederländischen Provinz Brabant können Wanderer nun trockenen Fußes durch einen Wassergraben schreiten. Die Laufgrabenbrücke entlang der Uferschräge entstand im Rahmen eines Wiederaufbau-Projekts der historischen Verteidigungsanlage „Fort de Roovere“ aus dem 17. Jahrhundert.

Aus der Distanz ragen nur die Köpfe der Fußgänger aus dem Wasser. Erst beim Näherkommen öffnet sich das Fort mit einem schmalen Graben, der den Wall hinaufführt. Vor Feuchtigkeit und der Witterung ist die unsichtbare Brücke durch einen natürlichen Hightech-Werkstoff geschützt: speziell behandeltem Accoya-Holz kann das Wasser auch auf Dauer nichts anhaben. Zugleich sorgen Überlaufgräben an beiden Seiten dafür, dass der Pegel im Graben konstant bleibt und die versunkene Brücke auch bei Starkregen nicht geflutet wird.

Der Gang über die Mozes Brug in Holland. Quelle: Dutchified / YouTube

Harbin Opera House: Wenn Wind und Wasser Architektur formen

Eingebettet in die Sumpflandschaft des Songhua-Flusses greift die Harbin Opera von MAD Architects das Klima der Feuchtregion architektonisch auf. Wie von Wind und Wasser geformt, verbindet sich das Opernhaus in der nordchinesischen Stadt Harbin mit der Umgebung.

An der weißen, stromlinienförmigen Aluminium-Fassade heben sich scharfe Kanten von den weicheren Konturen ab. Auf scheinbar eingeschnitzten Wegen können Besucher das Gebäude erklimmen, als ob sie eine echte Hügellandschaft durchqueren.

An der Spitze genießen sie die Aussicht auf die Skyline der Stadt und die Umgebung. Im Inneren des Opernhauses überspannen Glaswände eine große Lobby, dessen Vorhangverkleidung in wechselnden Schattierungen an Schneeverwehungen erinnert. Das kleinere der zwei Theater ist durch ein großes Panoramafenster hinter der Bühne mit der Außenwelt verbunden. Diese gläserne Wand dient bei Aufführungen auch als natürliche Kulisse.

Harbin Opera House. Quelle: The Fourth Dimension / YouTube

The Wave: Skulpturale Wohnhäuser als Spiegel der Landschaft

Fünf weiß leuchtende Skulpturen ragen am Fjord der dänischen Stadt Vejle aus der Uferlandschaft. Nach einem Entwurf des Architekten Henning Larsen formt der Wohnkomplex The Wave eine Reihe sich wiederholender Wellen und leitet sein Design von den markanten Merkmalen des Standortes ab: dem angrenzenden Fjord und den umliegenden Hügeln.

In fließender Organik verschmilzt das Bauwerk mit der Umgebung und gerät dabei selbst zum Landschaftselement.

Am Tag spiegeln sich die weißen Betonwellen malerisch im Wasser. Nachts wirkt das Profil wie eine beleuchtete Bergkette. Auf 14.000 Quadratmetern und jeweils neun Etagen sind in den fünf Wellen-Häusern 105 luxuriöse Apartments eingezogen.

Die Wave-Häuser in Dänemark. Quelle: Gunnar Lund / YouTube

Stadt der Künste und Wissenschaften: Futuristische Architektur am Wasser

Die „Stadt der Künste und Wissenschaften“ im Südosten von Valencia scheint mit ihren visionären Bauten wie aus einer anderen Welt. Entworfen wurde der Kultur- und Freizeitkomplex von Santiago Calatrava, der für experimentelle Architektur am Wasser bekannt ist. Die Anlage erstreckt sich rund zwei Kilometer entlang des Flusses Turia, dessen Flussbett Anfang der 1990er Jahre trockengelegt wurde. Auf gut 350.000 Quadratmetern reihen sich nun Kolosse aus Stahl, Beton und Glas aneinander, die durch künstliche Wasserflächen optisch miteinander verbunden sind.

Das dazugehörige Oceanogràfic ist ein Highlight der marinen Architektur. Verspiegelte Glasflächen reflektieren das umgebende Wasser, während das gewölbte Dach auf Europas größtem Aquarium Wellenbewegungen nachahmt. Mit vier Konzert- und Veranstaltungssälen ist das Opernhaus Palau de les Arts hingegen das größte Bauwerk der Anlage. Die rundliche Skulptur gleicht einem futuristischen Kreuzfahrtschiff mit spitz zulaufendem Bug, das an einem Hafen zu ruhen scheint.

Diese Projekte zeigen: Wenn sich moderne Baukunst von der Umgebung und natürlichen Elementen leiten lässt, kann Architektur am Wasser die Landschaft um neue Wahrzeichen bereichern.

Die Stadt der Künste und Wissenschaften. Quelle: alfred sottner / YouTube

Haben Sie weitere Bauwerke entdeckt, bei denen Architektur und Wasser zu verschmelzen scheinen? Wir freuen uns auf Ihren Kommentar.

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