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Anonyme Architektur – aufregend unaufgeregt

Anonyme Architektur ist eine Bewegung, die Funktionalität in den Vordergrund stellt und die Gebäude an seine Umgebung anpasst. Außergewöhnlich gewöhnlich - das ist typisch für Bauten der Anonymen Architektur. So entstehen europaweit, etwa in der Schweiz, in Großbritannien oder Deutschland, immer mehr solcher unaufgeregten Bauwerke: vom Einfamilienhaus mit Satteldach bis zum einfachen Schuppen. Die Werke der Anonymen Architektur sind zweckorientiert konzipiert und das ganz ohne Schnickschnack und Chichi, dabei aber technisch perfekt geplant. Besondere Aufmerksamkeit zu erregen, liegt Architekten dieses Stils fern.

Uneitle Zweckmäßigkeit

Der Architekt Bernard Rudofsky hat bereits 1964 das Buch "Architektur ohne Architekten" veröffentlicht. Darin rückt er erstmals das Schaffen der anonymen Baumeister in den Fokus der Aufmerksamkeit. Die Gebäude, die Rudofsky beschreibt, entstanden in direkter Auseinandersetzung mit den örtlichen Gegebenheiten wie Klima und Topographie. Deshalb wird dieser Ansatz auch unter dem Begriff der vernakulären Architektur zusammengefasst (von lat. vernaculus = einheimisch). Erbaut aus lokalen Baumaterialien, seien diese Bauten vorbildhaft in ihrer Zweckmäßig-, Unmittelbarsowie in ihrer Beständigkeit. Anonyme Architektur führt uns zurück zum Kern des Wesens der Architektur: dem Bauen.

Anonyme Architektur
Anonyme Architektur
Anonyme Architektur

Die moderne Generation ohne Namen

Immer mehr junge Architekten planen nach den (ungeschriebenen) Prinzipien der Anonymen Architektur. Dabei wollen sie keine Neuerfindung, sondern das Wesen der Anonymen Architektur weiterführen. Im deutschen Landshut baute etwa Max Otto Zitzelsberger vor historischer Kulisse sein vergittertes Wartehaus das sich optimal in die Umgebung einfügt. Denn bei der Wahl der Materialien und Farben ließ sich Zitzelsberger von den Bildern der Stadt aus dem 19. Jahrhundert inspirieren und setzt mit den roten Stäben des Wartehauses eine Reminiszenz an die Industriekultur.

Das Duo Almannai Fischer plante eine scheunenähnliche Turnhalle in Haiming (Bayern), die auf raffinierte Weise mit der Tradition einer Bauernscheune spielt und dabei Schlichtheit inszeniert. Die Halle wurde vorwiegend aus Holz gebaut. Das Hallentragsystem besteht aus Nagelplattenbindern, wie sie auch in den oberbayrischen Dörfern für Stallungen verwendet werden und setzt so einen Anknüpfungspunkt an die übliche Dorfarchitektur. So schreiben die Architekten Reem Almannai und Florian Fischer selbst über ihr Design: "Es folgt dem Primat der Zurückhaltung und Unterordnung. Das Spiel mit der Banalität ist sogar der Ausgangspunkt des Designs."

In Zurückhaltung übt sich auch Bernd Schmutz aus London, der sich in Berlin selbstständig gemacht hat. Zu seinen Werken zählt die Scheune in Marxdorf in der Nähe von Hamburg. Wie ein purer Funktionsbau zeigt auch sie kaum die eigene gestalterische Handschrift ihres Architekten. Der rote Backsteinbau wurde sanft renoviert und die Materialien sorgfältig unter dem Aspekt des Erhalts gewählt. Die neue Dachkonstruktion fügt sich unauffällig ein in das Bild des altehrwürdigen Gebäudes aus dem Jahr 1850, genauso wie das neu gestaltete Interieur. Andreas Hild ist ein weiterer Wegbegleiter der Anonymen Architektur, ebenso wie Miroslav Šik, der unter anderem Wohnungen und Stadtzentren in der Schweiz plant.

Anonyme Architektur: Zurück zu den Ursprüngen

Anonyme Architektur will nicht belehren, sie will das Beste aus den vorherrschenden Bedingungen machen, optimal für die Nutzer, Nachbarn und im Sinne der Umgebung planen und bauen. Der Stil lässt dem Architekten keine besondere Aufmerksamkeit oder Ruhm zukommen und führt zurück zu den Ursprüngen und Grundsatzfragen der Bauplanung.

 

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