3D-Drucker-Haus: Eine Idee für den nachhaltigen Wohnungsbau

Wohnungsmangel ist ein globales Problem und veranlasst immer mehr Unternehmen, Architekten und Stadtplaner konventionelle Ansätze des Bauens zu überdenken. Um bezahlbaren Wohnraum für mehr Menschen bereitzustellen, könnten 3D-Druck-Häuser eine nachhaltige Lösung sein. Die Technologie macht in den letzten Jahren große Fortschritte und bietet gegenüber klassischen Verfahren viele Vorteile.

Schnell und günstig bauen in der ersten 3D-gedruckten Siedlung

Gerade einmal 6.000 US-Dollar kostet ein bezugsfertiges Eigenheim der texanischen Baufirma ICON. Möglich wird dieser Immobilienpreis durch die computergesteuerte Fertigung aus dem 3D-Drucker. Die Technologie vereinfacht die Planung, verkürzt die Bauzeit und verringert so die Kosten für den Hausbau erheblich.

In zwölf bis 24 Stunden baut eine eigens entwickelte Maschine ein einstöckiges 3D-Drucker-Haus, das auf 60 bis 80 Quadratmetern Platz für ein Wohn- und Schlafzimmer, ein Bad sowie eine Veranda bietet.

Im Gegensatz zu anfänglichen Bauprojekten aus dem 3D-Drucker – beispielsweise des chinesischen Vorreiters WinSun – kann ICON das Mauerwerkt aus Zement direkt vor Ort drucken. Die Maschine bewegt sich dabei auf einem skalierbaren Schienensystem und könnte somit auch für Bauvorhaben auf größerer Fläche genutzt werden.

Mit Unterstützung der gemeinnützigen Organisation New Story möchte ICON nun bis Ende des Jahres in El Salvador die weltweit erste 3D-gedruckte Siedlung bauen. In mehr als 100 gedruckten Eigenheimen sollen bedürftige Familien ein neues, bezahlbares Zuhause finden.

3D-Druck in der Architektur. Quelle: New Story / YouTube

Innovativ in Form: Außergewöhnliche Architektur aus dem 3D-Drucker

Neben den wirtschaftlichen Vorteilen für den Bau von Sozialwohnungen öffnet das 3D-Druckverfahren auch für Architekten eine Welt neuer Möglichkeiten – denn in der digitalen Fertigung können Gebäude in vielfältigen, außergewöhnlichen Formen entstehen.

Die 3D-gedruckten Häuser der niederländischen Baufirma Van Wijnen erinnern zum Beispiel an einen überdimensionalen Findling und sollen sich authentisch in die natürliche Umgebung einfügen. Bei dem Project Milestone druckte das Unternehmen in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Eindhoven fünf dieser futuristischen Eigenheime, von denen das erste 3D-Drucker-Haus noch in diesem Jahr bezogen werden soll.

 
 
Häuser zum Mieten - aus dem 3D-Drucker. Quelle: Dezeen / YouTube

Urban Cabin: Gedruckte Mini-Oase bietet Auszeit vom urbanen Alltag

Auch das niederländische Büro DUS Architects möchte mithilfe der 3D-Drucktechnologie nachhaltige und anpassbare Wohnlösungen für Städte schaffen. Am Industriehafen von Amsterdam haben die Architekten auf einer acht Quadratmeter großen Grünfläche eine urbane Mini-Oase installiert, die beispielsweise als temporäre Unterkunft genutzt werden kann.

Mit kreativen Ornamenten in der schwarz gefärbten Fassade gibt die Urban Cabin einen Eindruck von den vielfältigen Designmöglichkeiten 3D-gedruckter Häuser. Vorausschauend ist aber nicht nur der Entwurf. Das innovative Sommerhaus mit Veranda und separater Outdoor-Badewanne besteht größtenteils aus einem biobasierten Kunststoff und ist dadurch nahezu komplett recycelbar.

 
 
Entspannung für die Seele: Mikrohäuser in Amsterdam. Quelle: OnHome / YouTube

Klimafreundliche Baulösung: 3D-Drucker-Haus aus Erde und Stroh

Generell ist der ressourcenschonende Materialeinsatz ein großer Pluspunkt des 3D-Drucks. Besonders nachhaltig ist diese Technologie allerdings, wenn sie konventionelle Baustoffe wie Beton und Glas durch neuartige, ökologischere Materialen ersetzen kann. Genau daran arbeitet aktuell ein Unternehmen aus Italien.

Anfang Oktober 2018 präsentierte die Firma WASP ihr erstes 3D-gedrucktes Modellhaus aus rein natürlichen Rohstoffen.

Das Öko-Haus nutzt für die tragende Konstruktion eine Mischung aus Rohboden, Kalk sowie Stroh- und Pflanzenfasern aus der Reisproduktion. Aus diesem biologisch abbaubaren Materialmix druckte eine Maschine ein leichtes, thermisches Mauerwerk, das sowohl hinsichtlich der Energieeffizienz als auch Wohngesundheit höchsten Kriterien entsprechen soll.

Der Prototyp des 3D-Drucker-Haus war innerhalb von zehn Tagen fertig. Die Materialkosten für 30 Quadratmeter Wand mit einer Dicke von 40 Zentimetern lagen bei gerademal 900 Euro.

 
 
Entstehungsgeschichte eines 3D-Drucker-Hauses mit Reis. Quelle: 3D WASP / YouTube

TERA: Weltraum-Technologie für das nachhaltige Bauen der Zukunft

Das New Yorker Start-up AI Spacefactory hat mit dem Design und Material ihres 3D-gedruckten Hauses TERA bereits die NASA überzeugt. Sie haben einen komplett recycelbaren Bio-Kunststoff entwickelt, der aus natürlichen Rohstoffen der Umgebung gewonnen werden kann – nicht nur auf der Erde, sondern zum Beispiel auch auf dem Mars.

Der Entwurf des ovalförmigen Hauses entstand im Rahmen eines Wettbewerbs, bei dem die NASA Lösungen für den Bau bewohnbarer Lebensräume im Weltraum suchte. Die Technologie der Gewinner soll nun zunächst auf der Erde getestet werden. Ab März 2020 können Wanderer in den Wäldern des Bundesstaates New York das futuristische 3D-Drucker-Haus am Hudson River entdecken und sogar eine Übernachtung buchen.

3D-Drucker-Haus aus Bio-Kunststoff.
Im 3D-Drucker-Haus ist es zu jeder Jahreszeit gemütlich.
3D Drucker Haus mitten in der Natur.

Trotz der rasanten Fortschritte ist noch viel zu tun, bis die 3D-Drucktechnologie konventionelle Verfahren der Bauindustrie ablösen kann. Theoretisch könnten künftig aber nicht nur Innen- und Außenwände aus dem 3D-Drucker kommen, sondern auch Bauteile wie Abflussrohre, Badewannen oder Waschbecken.

Damit würden sich die Kosten für den Hausbau weiter verringern – und der Traum vom eigenen Haus könnte für mehr Menschen Wirklichkeit werden.

Wie gefallen Ihnen die innovativen Eigenheime? Schreiben Sie uns, ob ein 3D-Drucker-Haus für Sie eine Option wäre.

Architektur Design Innovation Wohnkonzept
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